Nur billig hilft nicht aus der Kostenfalle

- München - Hohe Rohstoffpreise auf der einen Seite, ein erbarmungsloser Preiswettbewerb auf der anderen. Kommen dazu noch hohe deutsche Löhne, packt manches Unternehmen ein Fluchtreflex. Doch mancher kommt so nicht aus der Kostenfalle. Zum Beispiel der Münchner Bauelemente-Hersteller Epcos.

<P>Kondensatoren, Spulen (auch Induktivitäten genannt), Widerstände sind Kernkompetenz des ehemaligen Siemens-Ablegers. Teile aus der Frühzeit der Elektrifizierung (heute aber deutlich kleiner) und alles Dinge, die sich billiger in China oder Ungarn herstellen lassen. Kein Wunder, dass 70 Prozent der Epcos-Beschäftigten in Billiglohn-Ländern arbeiten.</P><P>Und dennoch sind diese Sparten die Sorgenkinder des Münchner Unternehmens.<BR>- Kondensatoren brachten mit 354 Millionen Euro (im am 30. September beendeten Geschäftsjahr 2003/2004) zwar über ein Viertel des Umsatzes. Doch 11,3 Millionen Spartenverlust zehren am Ergebnis.<BR>- Schlecht sieht es bei Ferriten und Induktivitäten aus: 184 Millionen Umsatz und 0,4 Millionen Spartenverlust.<BR>Dabei tut Epcos alles, um sich in diesen Bereichen mit Qualität von Billiganbietern aus Fernost abzugrenzen. So treibt Epcos gerade in diesen Ländern einen hohen Automatisierungsaufwand. Nicht aus Kostengründen, sondern zur Qualitätsverbesserung, wie Vorstandschef Gerhard Pegam betont.<BR>Allein auf die verlagerungsintensiven Traditions-Segmente gestützt, würde Epcos hochkant aus dem Tech-Dax fliegen. Gewinn fällt an, wo man den Konkurrenten deutlich voraus ist und auch westeuropäische Löhne nicht scheuen muss.<BR>- So bei den Oberflächenwellenfiltern. Das sind oft nur stecknadelkopfgroße Bauelemente, die aus dem elektronischen Frequenz-Salat genau das herausfischen, was man bei einer bestimmten Anwendung gerade braucht. Moderne Handys wären ohne diese Winzlinge nicht denkbar (für schlechtere Filter-Ergebnisse reihte man früher oft ausgedehnte Batterien von Spulen, Widerständen und Kondensatoren aneinander). Innovation bringt gutes Geld: Bei 450 Millionen Euro Umsatz 57,2 Millionen Euro Gewinn.<BR>- Oder Piezo-Aktuatoren, die elektrische Impulse in hochpräzise mechanische Bewegungen umwandeln. Diese braucht man etwa zur Treibstoff-Einspritzung für besonders sparsame und leistungsfähige Motoren. Die Sparte "Keramische Bauelemente", die diese Teile baut, füllt die Epcos-Kassen mit 19,4 Millionen Euro Vorsteuergewinn bei 374 Millionen Euro Umsatz.</P><P>Die Gewinnbringer sind damit Bereiche, in denen Arbeitsplätze im teuren Westeuropa gehalten werden. Insbesondere die deutschen Werke sind, so Pegam, "Leitwerke der Innovation". Doch unter dem anhaltenden Preisdruck werden auch bei Epcos weiter Stellen verlagert: Statt 30 sollen langfristig nur 20 Prozent der Belegschaft in Westeuropa arbeiten. Das ist aber mehr als bei der Konkurrenz. Die größeren Bauelemente-Hersteller aus Europa haben aufgegeben. Und die amerikanischen und japanischen Wettbewerber fertigen nur noch in China, Taiwan oder Mexiko, wie Pegam sagt.</P><P>Viele Unwägbarkeiten, etwa die Entwicklung des Ölpreises, erschweren es, die weitere Entwicklung zu prognostizieren. Pegam geht davon aus, dass trotz schwächerem Wachstums im ersten Quartal des laufenden Geschäftsjahres 2004/2005 Umsatz und Ergebnis zulegen werden. Er weigerte sich aber, diese Prognose mit Zahlen zu präzisieren.</P>

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