Billig bei Lidl, teuer im Standard: Die Bahn erhöht ihre Preise

- Berlin - Billig-Fahrscheine aus dem Internet, 24,95-Euro-Tickets bei Lidl und auch sonst immer wieder einige "Specials": Mit allerlei Sonderangeboten ist es der Deutschen Bahn gelungen, die Auslastung ihrer Züge erheblich zu steigern. In den ersten sechs Monaten fuhr sie 864 Millionen Fahrgäste durchs Land, neun Millionen mehr als im ersten Halbjahr 2004.

 Im Durchschnitt sind inzwischen 42 von 100 Plätzen belegt. Jetzt allerdings läuft der Verkehrskonzern Gefahr, den neuen Erfolg wieder zunichte zu machen: Zum nächsten Fahrplanwechsel werden die Preise erhöht.

Zur Begründung verweist Bahnchef Hartmut Mehdorn auf die drastisch gestiegenen Energiekosten. In der Tat ist die Bahn mit Abstand der größte Energieabnehmer im Land. Im vergangenen Jahr wurden bei ihr 450 Millionen Liter Diesel verbraucht. Der Strombedarf summierte sich auf 13 Milliarden Kilowattstunden; das entspricht in etwa dem Jahresverbrauch der gesamten Hauptstadt-Region um Berlin.

Klar, dass die Mehrkosten für die Energiebeschaffung auch der Bahn zu schaffen machen. Der Strom wurde nach ihren Angaben um bis zu 32 Prozent teurer, Diesel sogar um 100 Prozent. Auf alle möglichen Arten wird deshalb schon Energie gespart. Zum Beispiel sind die Lokführer angehalten, vorsichtiger zu bremsen. Auf längeren Strecken wird ein ICE auch schon mal im Leerlauf gefahren. Trotzdem führt aus Sicht der Bahn an einer Preiserhöhung kein Weg mehr vorbei.

Zudem verweisen die Bahn-Manager darauf, dass andere Verkehrsträger wie Auto und Flugzeug noch teurer geworden sind. Tatsächlich: Im Dezember 2004 - als die Bahn das vergangene Mal die Preise erhöhte - kostete der Liter Super in der Tankstelle im Schnitt noch 1,09 Euro. Vorige Woche waren es 1,30 Euro. Die Lufthansa verlangte damals auf Kurzstrecken sieben Euro Kerosin-Zuschlag, auf Langstrecken 17 Euro. Heute sind es neun bzw. 37 Euro.

Trotzdem lassen sich einige Verkehrs-Experten von den Argumenten der Bahn nicht überzeugen. Der Grünen-Politiker Albert Schmidt zum Beispiel verweist darauf, dass der Konzern den Großteil seines Fahrstroms selbst erzeugt. "Damit ist die Deutsche Bahn AG relativ unabhängig von der Preistreiberei der großen Stromkonzerne." Der ehemalige Bahn-Aufsichtsrat fürchtet, dass die neu gewonnenen Kunden mit den höheren Preisen wieder vergrault werden.

Der Verkehrsexperte des Umweltverbandes BUND, Werner Reh, sagt ebenfalls: "Auf diese Weise bekommt man weder Autofahrer noch Fluggäste dazu, in die Bahn umzusteigen." Er vermutet, dass der immer noch bundeseigene Verkehrskonzern ohne die Pläne für einen baldigen Börsengang die Preise unverändert gelassen hätte. Als Trost für die möglicherweise verärgerten Kunden verkündete die Bahn, dass ohnehin kaum noch ein Fahrgast den regulären Fahrpreis zahlt. Derzeit sind nur noch 16 Prozent der Bahnfahrer zum Standard-Tarif unterwegs. Alle anderen verlassen sich auf Bahncard, Sondertarife oder Billig-Angebote. Und die soll es auch 2006 geben.

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