Billig-Zahnarztkette darf erste Filiale in Deutschland öffnen

- München - "Geiz ist geil" - das könnte künftig auch beim Zahnarzt gelten. Morgen wird die umstrittene Zahnarztkette McZahn ihre erste Filiale in Deutschland eröffnen, 400 sollen es bundesweit werden. Das Unternehmen verspricht - dank Importen aus China - Zahnersatz zum Nulltarif und bringt damit Zahnärzte und -Techniker gegen sich auf. Vertreter der Kassenzahnärztlichen Vereinigung Nordrhein und der Gesetzlichen Krankenkassen gaben der ersten Discount-Zahnarztpraxis grünes Licht, teilte McZahn-Vorstandssprecher Werner Brandenbusch mit.

Morgen wird die Filiale in Krefeld eröffnet. Bis zum Jahresende plant die Zahnarztkette 30 Praxen im Rheinland, dem Ruhrgebiet, in Leipzig und Berlin. Mittelfristig will das Unternehmen auch in Bayern auftreten. McZahn wirbt mit dem Slogan "Zahnersatz zum Nulltarif" und will Gebisse und Zahnkronen in China herstellen lassen. Die günstigen Produktionskosten sollen sich im Geldbeutel der Patienten bemerkbar machen, etwa mit dem Angebot von Zahnersatz ohne Zuzahlungen. Acht Behandlungsräume auf einer Fläche von 380 Quadratmetern stehen den zunächst drei Ärzten in Krefeld für die Behandlung ihrer Patienten zur Verfügung. Zahlreiche Termine sind schon vor der Eröffnung vereinbart worden. "Bis Anfang Dezember sind wir richtig zu", sagte Brandenbusch -bei zunächst einem Zwölf-Stunden-Betrieb werktags und Terminangeboten an Samstagen.

"Jeden Konkurrenten muss man erst nehmen", sagte Dominik Kruchen, Obermeister der Zahntechniker-Innung für den Regierungsbezirk Düsseldorf. Allerdings werde der neue Wettbewerber "bedrohlicher angesehen, als er ist". Zahnersatz aus dem Ausland gebe es seit 20 Jahren. Ob das McZahn-Angebot auf Dauer funktioniert, sei fraglich. Die Südbayerische Zahntechniker-Innung warnte vor dem Modell: "Das ist ein Ausfluss der Geiz-ist-geil-Mentalität. Aber wir stellen fest, dass man im Gesundheitsbereich andere Maßstäbe setzen muss", erklärte ein Sprecher der Innung. Die beste Versorgung erhielten Patienten dort, wo Arzt und Techniker eng zusammenarbeiten könnten. Zudem warnt die Innung vor Arbeitsplatzverlusten. Die Preise für Kassenleistungen seien ohnehin knapp kalkuliert. "Wenn wir weiteren Kostendruck bekommen, ist das für die Betriebe nicht mehr machbar."

"Es ist die Frage, ob es genügend Kunden gibt, die auf diese Art und Weise behandelt werden möchten", erklärte der Bundesvorsitzende des Freien Verbands Deutscher Zahnärzte, Karl-Heinz Sundmacher. Man sehe das Vertrauensverhältnis zwischen dem Patienten und dem Arzt im Vordergrund. Darauf verweist auch die Kassenzahnärztliche Vereinigung Bayerns, will aber die mögliche Konkurrenz nicht recht ernst nehmen. "Ein Textilgroßhändler und der Betreiber eines Peking-Restaurants haben sich zusammengetan, um jetzt Zahnersatz aus China zu verkaufen. Man wird sehen, ob dieses Geschäftsmodell erfolgreich ist", sagte eine Sprecherin mit Blick auf die Gründer von McZahn, Werner Brandenbusch und Pai Mao Yeh.

Während Brandenbusch laut dem Nachrichtenmagazin "Spiegel" schon im Zementhandel aktiv war und eine Butler-Schule betrieben hat, besitze Yeh ein China-Restaurant in Krefeld und erfreue sich nach eigener Aussage der Unterstützung hoher chinesischer Parteifunktionäre. Das Startkapital in zweistelliger Millionenhöhe soll von einem anonymen Geldgeber stammen. Die Verbraucherzentrale NRW begrüßte das neue Angebot. Dass die Qualität des Zahnersatzes aus Fernost schlechter sei als aus heimischen Laboren, könne man nicht prinzipiell sagen. Preisbewusste Patienten sollten Angebote vergleichen.

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