Billiges Geld - Was heißt das für Verbraucher?

Frankfurt/Main- Die EZB hat zwei Tage nach dem Amtsantritt von Präsident Mario Draghi die Zinsen im Euroraum überraschend gesenkt. Doch was bedeutet ein solcher Schritt für Verbraucher?

Wem nutzen niedrige Zinsen?

Wenn die Zinsen sinken, verbilligen sich tendenziell Kredite: Unternehmen können also mehr investieren, Verbraucher können mehr kaufen, was sie nicht sofort aus eigener Tasche bezahlen können oder wollen. Beides wiederum kann die Konjunktur ankurbeln.

Aktuell dürften niedrige Zinsen insbesondere hochverschuldeten Staaten im Euroraum wie Griechenland, Portugal, Irland, Spanien oder Italien zu Gute kommen. In diesen Ländern, den sogenannten PIIGS-Staaten, bremsen derzeit teils rigide Sparauflagen die Konjunktur. Sie können also zusätzliche Wachstumsimpulse gut gebrauchen.

Was ist schlecht daran, wenn das Geld billig ist?

Billiges Geld kann zu Inflation und zur Überhitzung der Wirtschaft führen. Die Volksbanken und Raiffeisenbanken mahnen denn auch prompt, die EZB müsse die Entwicklung der Verbraucherpreise im Euroraum sehr sorgfältig beobachten. Und Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker warnte einst: “Inflation ist wie Zahnpasta: Sie drückt sich leicht aus der Tube raus, aber sehr schwer wieder rein.“

Inflation steht für Geldentwertung. Das heißt: Je mehr das Geld entwertet wird, desto weniger Waren und Dienstleistungen können Verbraucher kaufen. Die Kaufkraft sinkt also, ebenso der Wert der Ersparnisse. Auf der anderen Seite zehrt Inflation aber auch Schulden auf.

Das kann vor allem bei hoch verschuldeten Staaten dazu führen, dass sie die Geldentwertung nicht unbedingt als großes Problem betrachten. Von Inflation sollte aber nur dann gesprochen werden, wenn die Preise auf längere Zeit auf breiter Front steigen und sich die Teuerungsrate entsprechend längerfristig über der Zwei-Prozent-Marke bewegt. Die EZB sieht bei einer Inflationsrate bis knapp unter 2,0 Prozent die Preisstabilität gewahrt.

Werden jetzt Kredite auch für Verbraucher billiger?

Grundsätzlich ja. Allerdings geben Finanzinstitute in der Regel höhere Leitzinsen bei Krediten schneller an ihre Kunden weiter als niedrige. Ein Sonderfall sind Hypothekenkredite. Sie orientieren sich hierzulande meist weniger am Leitzins als vielmehr an den langfristigen Zinsen am Kapitalmarkt.

Bekomme ich bald weniger Zinsen auf dem Sparbuch?

Zinssenkungen werden in der Regel recht schnell an die Kunden weitergereicht. Zwar untersagte der Bundesgerichtshof (BGH) den Instituten Willkür bei der Zinsgestaltung. Dennoch machen Verbraucherschützer die Erfahrung, dass Banken eine Leitzinssenkung schneller umsetzen als eine Erhöhung, wenn es um Produkte zugunsten der Kunden geht. Verbraucher sollten daher Angebote genau vergleichen. Schnelle Wechsel sind vor allem bei Tagesgeld und Sparverträgen möglich.

dpa

Rubriklistenbild: © dpa

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