Billigflieger in Bewegung: Tausche Deutsche BA gegen Käsesemmel

- München - Eine Käsesemmel und ein Kaffee an Bord der Deutschen BA kosten sieben Euro. Die Deutsche BA mit all ihren Käsesemmeln und Flugzeugen kostet einen Euro. Dem Textilunternehmer Hans Rudolf Wöhrl scheint da ein Schnäppchen gelungen zu sein. Der neue Eigentümer traut sich zu, aus der schon immer hoch defizitären Airline ein fliegendes Sparschwein zu machen. Die Branche schaut genau hin.

<P>Das Steuer will Wöhrl am 1. Juli selbst übernehmen, die Richtung hat er schon vorgegeben: bloß weg von Billig-Spielchen mit Lockangeboten, hin zu einer europaweit fliegenden, gut ausgelasteten Airline. Die rund 800 Arbeitsplätze sind nach Angaben der DBA, Nummer zwei am Flughafen München, gesichert. Wöhrl will so schnell wie möglich in die schwarzen Zahlen fliegen - für die Mitarbeiter der regelmäßig für tot erklärten Airline wäre das eine neue Erfahrung.<BR><BR>Schwer wäre das in der umkämpften Branche der Billigflieger, unmöglich aber nicht, wie das Beispiel Ryanair zeigt. Im Ende März abgelaufenen Geschäftsjahr verbuchten die Iren einen Rekordgewinn. Innerhalb der nächsten drei Jahre will man Lufthansa und British Airways überholen - bei sinkenden Flugpreisen im wachsenden Netz. In Deutschland sind zwei neue Drehkreuze geplant. München ist wohl nicht dabei, hier sind die Gebühren zu hoch.<BR><BR>Für Wöhrl haben die Iren nur ein mildes Lächeln übrig: Die anderen Billigflieger im deutschen Markt kämpften untereinander und nicht gegen Ryanair, solange sie ihre Kosten nicht senken könnten. Neben der DBA und Ryanair sind Air Berlin und Germanwings auf dem deutschen Markt vertreten. Auch Hapag-Lloyd Express fliegt billig (und auf ersten Strecken profitabel) übers Land.<BR>Hobbypilot Wöhrl dürfte sich also zunächst den Kosten zuwenden. Da gebe es hohe Senkungspotenziale, sagt Experte Guido Haarmann von Accenture. Wenn das genutzt wird, hält er für Low-Cost-Carrier ein Wachstum von 25 Prozent für möglich.<BR><BR>Analysten bescheinigen Wöhrl einen guten Griff. Es sei richtig, die Strategie der Lockangebote aufzugeben, sagt Luftfahrt-Experte Uwe Weinreich von der HypoVereinsbank: "Es ist gut, dass er vom Billigheimer-Ansatz weggeht." Tickets für 9 Euro seien "einfach nicht kostendeckend". Wöhrl sei gut beraten, die DBA europaweit einzusetzen. National lohnten sich lediglich die Verbindungen von München nach Hamburg, Berlin und Düsseldorf.<BR><BR>"Gut, dass er vom Billigheimer-Ansatz weggeht."<BR>HVB-Analyst Uwe Weinreich<BR><BR>"Der Preis von nur einem Euro zeigt, dass der Käufer ein hohes Risiko eingeht", sagt Landesbank-Experte Ulrich Horstmann. Die Strategie, die Deutsche BA ohne überzogene Lockangebote als Billigfluglinie zu positionieren, sei die einzige Chance, in die schwarzen Zahlen zu kommen. Der Analyst traut Wöhrl einen Erfolg zu.<BR></P><P>HVB-Experte Weinreich rechnet mit mehr Bewegung in der Branche. Es gebe zu viele Niedrigpreis-Anbieter: "Davon wird eine ganze Menge verschwinden." Recht gute Überlebenschancen gibt Weinreich nur Germanwings.<BR><BR>Auf Dauer ist auch Wöhrls Zugriff nicht ausgerichtet. Er setzte sich gegen fünf Mitinteressenten durch. Branchenkenner rechnen damit, dass er die DBA in die schwarzen Zahlen bringt und weitergibt. "Er wird die Airline wohl durchreichen", heißt es.<BR></P><P> </P>

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