Billigflieger folgt der Bahn: Tickets als Schnäppchen im Supermarkt

- München - Nach dem spektakulären Erfolg der Bahn war es nur eine Frage der Zeit. Sechs Wochen nach dem Ansturm auf eine Million Zugfahrkarten beim Discounter Lidl zieht nun der erste Billigflieger nach: In den Filialen der Supermarkt-Kette Penny locken morgen 100 000 Ticket-Gutscheine der Fluggesellschaft Air Berlin. Der Preis: 29 Euro inklusive Steuern und Gebühren.

Im Unterschied zu den Blanko-Tickets der Bahn gelten bei den Air-Berlin-Tickets allerdings eine Reihe von Einschränkungen. Die Konkurrenz beobachtet den Ausgang des Experiments dennoch sehr genau. Im Ringen um die Kunden waren die Billigflieger schon bisher um keinen Werbegag verlegen - ob Flüge zum Nulltarif oder Sonder-Angebote zum Muttertag. Auch Überlegungen für den Ticket-Verkauf an der Supermarktkasse gab es in der Branche schon. Nur war die Bahn damit schneller. "Die Idee hätte von uns sein können", sagt Germanwings-Geschäftsführer Joachim Klein. Denn zwischen den Lebensmittelregalen sind neue Kunden zu erreichen, die selten oder gar nicht ins Flugzeug steigen.

Nach dem Erfolg der Bahn bei Lidl erwarten nun alle, dass auch die Air-Berlin-Gutscheine bei Penny bald vergriffen sein werden - zumal es pro Filiale im Durchschnitt gerade mal 50 Tickets gibt. Im Unterschied zur Aktion der Schienen-Konkurrenz ist das Angebot von vornherein auf einen einzigen Tag begrenzt. Außerdem sind zu denselben Konditionen am Donnerstag noch jeweils 100 000 Tickets in Reisebüros und im Internet zu haben.

Auch deshalb dürften die ganz langen Schlangen in den bundesweit mehr als 2000 Penny-Filialen wohl ausbleiben. Zudem gilt es vor dem Kauf der 29-Euro-Gutscheine einiges zu beachten: Sie gelten nicht für alle Air-Berlin-Routen, sondern nur für neun europäische Städteverbindungen. Außerdem können damit nur Flüge gebucht werden, die ohnehin nicht mehr als 79 Euro kosten würden. Und schließlich muss der Reisetermin zwischen dem 1. November und dem 18. Dezember liegen - eine Zeit, in der die Maschinen eher schwach ausgelastet sind.

Bei Deutschlands zweitgrößter Fluggesellschaft (2004: zwölf Millionen Passagiere, eine Milliarde Euro Umsatz) spricht man offen von einer "Marketingmaßnahme", um neue Kunden zu gewinnen. Der Gang zum Discounter soll aber eine Ausnahme bleiben. "Eine solche Aktion kann man von Zeit zu Zeit wiederholen", sagt Air-Berlin-Sprecher Peter Hauptvogel. "Aber wir werden sicherlich nicht dauerhaft Flüge im Supermarkt verkaufen."

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