Billig-Öl für Arme in den USA

- New York - Öl ist bekanntlich eine Waffe, und die nutzt zurzeit Hugo Chavez, der Präsident von Venezuela, im Propagandakrieg mit den USA besonders geschickt. Während Chavez US-Präsident George Bush als Terroristen abstempelt, Kubas Diktator Fidel Castro seinen Freund nennt und den Vormarsch der Linken in Lateinamerika kräftig fördert, blamiert er Bush mit gezielt sozial eingesetzten Petro-Dollars.

"Wie Venezuela die Öfen in Massachusetts am Brennen hält", prangte in dicken Lettern auf ganzseitigen Anzeigen überregionaler US-Zeitungen. Citgo, US-Tochter der verstaatlichen Ölgesellschaft Venezuelas, feierte damit sich selbst. Als einziges Unternehmen hatte Citgo auf einen Appell von US-Politikern reagiert, verbilligtes Öl für Arme zur Verfügung zu stellen. Rund 100 000 Haushalte bekommen Citgo-Öl zum Heizen mit einen Nachlass von 40 Prozent, darunter viele in Indianer-Reservaten in Maine oder im New Yorker Stadtteil Bronx.

Venezuelas linke Führung nutzt dies ungeniert zur Propaganda: "Wir wollen ein Wirtschaftssystem, das nicht nur auf der Idee basiert, Profit zu machen, sondern das auch für die Menschen sorgt", verkündete Botschafter Bernardo Alvarez in Washington. Er sei überrascht zu sehen, dass es im entwickelten Norden die gleichen Probleme gebe wie in Südamerika, fügte er hinzu. Tatsächlich sorgten nur spärlich fließende Bundesmittel dafür, dass in vielen Staaten die Heizölkostenzuschüsse für Arme kaum ausgezahlt werden konnten.

Bisher waren es ausschließlich die Gouverneure demokratisch regierter US-Bundesstaaten, die das Angebot des Bush-Feindes Chavez annahmen. "Das ist keine politische Angelegenheit", sagen einige. Allerdings haben andere Probleme mit der "Großzügigkeit" von Chavez und Skrupel, dessen "humanitäre Hilfe" anzunehmen: John Lynch, der demokratische Gouverneur von New Hampshire, hat nach Berichten lokaler Zeitungen ernsthafte Vorbehalte, mit dem autokratisch regierten Ölförderland zu handeln. Die Opposition im eigenen Land sprach bei der Entwicklungshilfe durch das Schwellenland von einer "Schande".

Ganz ohne venezolanisches Öl läuft in den USA ohnehin nichts mehr. Denn immerhin rund 10 Prozent der Ölversorgung der Vereinigten Staaten kommen aus dem südamerikanischen Förderland, das auf diese Weise von den hohen Ölpreisen profitiert. Auch an dieser Front macht Venezuela Druck. Ölminister Rafael Ramirez drängt darauf, dass die Opec im März ihre Fördermengen kürzt. Auf ihrer heutigen Sitzung allerdings will die Opec laut Ramirez die Mengen nicht verändern.

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