Billigtarife sollen Telekom wieder auf Kurs bringen

Schwache Geschäftszahlen: - Bonn -­ Telekom-Chef René Obermann hat Grund zur ernsten Miene. "Wir segeln knapp über Grund", sagte der neue Vorstandschef des Konzerns bei der Präsentation schwacher Geschäftszahlen. "Wir müssen was tun, um nicht auf Grund zu laufen." Dreieinhalb Monate nach seiner Ernennung Mitte November hat Obermann ein Zukunftskonzept vorgestellt, mit dem er die Telekom für den immer härteren Wettbewerb flott machen will.

Die Pläne bedeuten in weiten Teilen einen massiven Strategiewechsel. Die wesentliche Rolle für künftiges Wachstum spielen nach Einschätzung von Obermann Breitbanddienste und das mobile Internet. Letzteres sei "der Megatrend der Zukunft", meinte Obermann. Ob mit Handy oder Laptop ­- die Kunden wollten von überall schnellen und einfachen Zugang zum Internet, E-Mails empfangen und senden sowie Fernsehprogramme sehen können. Die Telekom will zudem vom Web-2.0-Trend profitieren, der "persönlichen sozialen Vernetzung" durch von den Nutzern selbst ins Netz gestellte Inhalte.

Zwei Millionen herkömmliche Festnetz-Telefonanschlüsse -­ analog und ISDN -­ hat die Telekom im vergangenen Jahr an die Konkurrenz und an den Mobilfunk verloren. Dieser Trend werde sich so schnell nicht bremsen lassen, meinte Obermann. Heuer rechnet er erneut mit millionenfacher Kundenflucht. Insbesondere Billiganbieter jagen dem Ex-Monopolisten die Kundschaft ab.

Darauf reagiert Obermann jetzt. Zur Urlaubszeit komme eine eigene Billigmarke der Telekom, erklärte Obermann. Den Namen verheimlichte er. Die "unabhängige Zweitmarke" soll "mit einfachen Angeboten beziehungsweise Festnetz- und Mobilfunk-Bündeln zu äußerst wettbewerbsfähigen Preisen sehr preisbewusste Kundengruppen ansprechen". Der Auftritt der "normalen" Telekom soll zugleich übersichtlicher werden. Das bedeutet das Aus für gut zwei Dutzend unterschiedliche Marken, deren Wiedererkennungswert trotz hoher Werbeetats teils recht gering sei. Künftig gilt T-Mobile für alles um den Mobilfunk und T-Home für den Rest. Darunter sollten "nicht verwirrende" Bezeichnungen die verschiedenen Produkte des Unternehmens unterscheiden.

Neues Wachstum sucht die Telekom auch im Ausland. Obermann will weitere Mobilfunkunternehmen zukaufen, auch in Regionen, wo die Telekom bisher nicht aktiv ist. Nähere Einzelheiten nannte er allerdings nicht. Obermann bekräftigte zugleich, dass die Kosten für den Service sinken müssten. Bei der Konkurrenz lägen sie bis zu 50 Prozent niedriger. Obermann will Kundendienst und Call-Center in ein neues Unternehmen auslagern und für etwa 50 000 Mitarbeiter längere Arbeitszeiten und niedrigere Löhne aushandeln.

Während der Umsatz der Telekom im Jahr 2006 um 2,9 Prozent auf 61,35 Milliarden Euro stieg, sank der Gewinn auf 3,2 Milliarden Euro. Er soll praktisch vollständig in eine Dividende von 72 Cent pro Aktie fließen.

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