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Bio-Mineralwasser vor dem BGH: Deutschlands oberste Richter entscheiden, ob ein Bio-Label bei Wasser erlaubt ist.

Die Bio-Bier-Pioniere kämpfen ums reine Wasser

München – Lammsbräu ist bekannt geworden als Pionier der Bio-Biere. Jetzt stehen bei der Brauerei aus der Oberpfalz aber Bio-Mineralwasser und ein bevorstehendes Gerichtsurteil im Fokus.

„Die Spinner aus der Ökobranche“ – diesen wenig schmeichelhaften Beinamen hört Brauerei-Chefin Susanne Horn immer noch oft, wenn sie über die Ziele der Neumarkter Lammsbräu spricht. Doch die Bio-Brauerei aus der Oberpfalz behauptet sich gegen die Getränke-Riesen, steigerte ihren Umsatz 2011 um 18 Prozent auf 13 Millionen Euro und hofft im Streit um ihr Bio-Mineralwasser auf einen Sieg vor dem Bundesgerichtshof (BGH).

Umsatztreiber waren im vergangenen Jahr vor allem die alkoholfreien Getränke, deren Ausstoß gegenüber 2010 um knapp 60 Prozent auf über 69 000 Hektoliter zulegte. Hier habe die Oberpfälzer Bio-Limonaden-Marke „Now“ für einen kräftigen Schub gesorgt, sagte Horn gestern vor Journalisten in München.

Als dann auch noch das Szene-Getränk Bionade immer mehr seiner Anhänger verlor, nachdem der Oetker-Konzern nach der kleinen Sprudel-Perle aus Unterfranken griff, „konnten wir das entstandene Vakuum für uns nutzen“, sagte Horn. „Im Naturkostbereich haben wir Bionade überholt.“

Aber auch beim Bio-Bier habe man mit plus fünf Prozent auf knapp 62 000 Hektoliter im Vergleich zu den konventionellen Brauereien gut abgeschnitten, meint die Firmen-Chefin. Lammsbräu dominiert mit 60 Prozent Marktanteil den Bio-Bier-Bereich klar. Allerdings machen die „grünen“ Biere nur 0,5 Prozent des Gesamt-Bier-Marktes aus.

Noch kleiner sind die Dimensionen beim Mineralwasser. Gerade mal 2000 Hektoliter verkauften die Oberpfälzer im vergangenen Jahr – doch es ist ein Mega-Projekt. Denn es ist nicht nur simples Mineralwasser, sondern Bio-Mineralwasser. Aber darf man Wasser als „bio“ bezeichnen?

Das muss nun endgültig der Bundesgerichtshof klären. Vor dem Oberlandesgericht in Nürnberg bekam Lammsbräu bereits Recht (wir berichteten). „Das ist für uns kein Werbe-Gag“, betonte Horn. Allein schon deshalb weil die Kosten des Streits erheblich sind – mehrere hunderttausend Euro seien bereits zusammengekommen. „Wir kämpfen nicht für Bio-Mineralwasser, um Millionen zu verdienen, sondern weil Wasser das wichtigste Lebensmittel auf dieser Welt ist.“ Das sieht Horn durch die exzessive, konventionelle Landwirtschaft gefährdet. Pestizide und andere Schadstoffe würden durch die Gesteinsschichten sickern und die Quellen verunreinigen. Sollte sich nichts ändern, werde es in zehn Jahren keinen Brunnen mehr geben, dessen Quelle nicht beeinträchtigt sei.

Deshalb hofft die Brauerei-Chefin nach einem positiven BGH-Urteil möglichst schnell viele Mitstreiter zu finden. Es gebe bereits einige Interessenten in der Branche, die ebenfalls Bio-Mineralwasser auf den Markt bringen möchten, aber noch das höchstrichterliche Urteil abwarten. „Wir sind wieder Pionier“, sagte Horn. Schließlich war Lammsbräu auch die erste Brauerei in Deutschland, die bereits Ende der 70er-Jahre ihre Produktion komplett auf Bio umgestellt hat.

Bis heute haben alle verwendeten Rohstoffe bei Lammsbräu Bio-Qualität. Da sei man streng, ebenso wie bei der Auslegung des traditionsreichen bayerischen Reinheitsgebotes. „Wir gehören zu den wenigen Brauern, die das noch wirklich befolgen“, sagte Horn. Schließlich würden viele konventionelle Betriebe mit Hilfsmitteln arbeiten. So sorgen oftmals künstliche Stabilisatoren für eine feste Schaumkrone oder Färbemalze für den richtigen Schimmer im Glas – das ist legal. „Aber es redet keiner gerne darüber“, meint Horn.

Stefanie Backs

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