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„Bio“ ist nicht gleich „Bio“ - Was Sie beim Kauf im Supermarkt beachten müssen

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Nicht nur Naturkostläden und Bio-Bauernhöfe, auch Supermärkte und Discounter bieten immer mehr Bio-Lebensmittel an. Dabei ist „Bio“ allerdings nicht gleich „Bio“. Wir erklären, was hinter den verschiedenen Bio-Siegeln steckt – und wie gut Billig-Bio wirklich ist.

München - Sechs Bio-Eier für 2,19 Euro? Oder doch den teureren Sechserkarton von Naturland? Die „Unser Land“-Variante läge preislich dazwischen. So mancher Verbraucher kommt an der Eier-Ecke im Supermarkt ins Grübeln. Und nicht nur dort: Längst sind Bio-Lebensmittel kein Nischenprodukt mehr. Supermärkte und Discounter bauen ihr Sortiment stetig aus. Es gilt: Ob Milch, Käse, Gemüse, Brot oder eben Eier – die Grundnahrungsmittel gibt es heute beinah überall auch in der ökologischen Variante. Der Verbraucher hat die Wahl. Er kann nach wie vor zu Lebensmitteln aus konventioneller Landwirtschaft beziehungsweise konventioneller Tierzucht greifen – oder er entscheidet sich für eines der zahlreichen Bio-Produkte, die mit verschiedenen Siegeln gekennzeichnet sind. Dabei steht jedes Bio-Siegel für andere Standards.

Mindeststandards

Der Handel bietet Bio-Ware mittlerweile oft als Eigenmarke an – meist die kostengünstigste Bio-Variante. Das zahlt sich aus: Discounter verkaufen mittlerweile mehr Bio-Ware als Bio-Läden selbst. Die Produkte erfüllen gewisse Mindeststandards, was Erzeugung, Verarbeitung, Kennzeichnung und Kontrolle angeht. Auf diese haben sich die EU-Staaten in der EG-Öko-Verordnung geeinigt. Alle Produkte, die der EG-Öko-Verordnung entsprechen, dürfen Bezeichnungen wie „biologisch“, „ökologisch“ oder ähnliche tragen. Auch Wortkombinationen wie „organisch-biologisch“ oder „kontrolliert biologischer Anbau“ sind erlaubt. Die Verbraucherzentrale warnt jedoch: Begriffe wie „umweltgerecht“, „naturgedüngt“, „unbehandelt“ oder „kontrollierter Anbau“ sind kein Hinweis auf ökologische Erzeugung. Zu erkennen sind Öko-Lebensmittel, die den Mindeststandards entsprechen, an dem sechseckigen grünumrandeten europaweit geltenden Zeichen oder dem Sterne-Blatt.

Agrarminister Schmidt: „Bio“ kein Nischenprodukt mehr

Anbauverbände

Die Bio-Siegel von nationalen Anbauverbänden wie Demeter, Bioland oder Naturland verweisen auf Standards, die über die Anforderungen der EG-Öko-Verordnung hinausgehen. „Für den EU-Biostandard ist auch eine Teilumstellung des Betriebes auf ökologische Landwirtschaft möglich. Bei den Anbauverbänden muss der gesamte Betrieb umgestellt werden“, erläutert Kevin Smith-Weißmann vom Bund Ökologischer Landwirtschaft (BÖLW).

-Tierzucht: Besonders deutlich werden die Unterschiede laut BÖLW in der Tierhaltung: So dürfen nach EU-Siegel pro Hektar zum Beispiel 230 Legehennen, 580 Masthähnchen oder 14 Mastschweine gehalten werden. Bei den Verbänden sind es 140 Hennen, 280 Masthähnchen, zehn Mastschweine oder zwei Milchkühe. Auch bei der Fütterung gibt es Unterschiede: Laut EG-Öko-Verordnung ist ganzjährige Silagefütterung möglich, Fischmehl als Futterbestandteil bei Geflügel und Schweinen ist zudem zulässig. Bei den Anbauverbänden ist im Sommer dagegen mindestens 50 Prozent Grünfutter Pflicht – in der Regel stehen Kühe dann auf der Weide. Fischmehl ist generell verboten. „Die Verbände erlauben außerdem maximal vier Stunden Fahrzeit – maximal 200 Kilometer – bei Tiertransporten“, erklärt Smith-Weißmann. Bei EU-Bio gebe es hier keine strengere Regelung als das gesetzlich Erlaubte.

-Obst und Gemüse: Im Pflanzenbau liegt ein entscheidender Unterschied zwischen EU-Bio und den Regeln der Verbände im Saatgut, das verwendet werden darf. So ist laut BÖLW zum Beispiel die Verwendung von Hybrid-Sorten in der EU-Öko-Verordnung nicht geregelt. „Die Verbände machen hier deutlich mehr Einschränkungen. Auch die Menge und Art der Düngung ist deutlich strenger vorgegeben als in der EU-Öko-Verordnung“, so Smith-Weißmann. So seien beispielsweise in der EU-Verordnung Tiermehl, Blutmehl und Knochenmehl als organischer Dünger zugelassen, bei den Verbänden nicht.

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Regionalität

Zur Regionalität machen weder die EU-Öko-Verordnung noch die Anbauverbände Vorgaben. Und so werden Produkte mit Bio-Zertifikat oft um die halbe Welt transportiert. Schon deshalb, weil die heimischen Bio-Bauern, den Bedarf bei weitem nicht decken können (siehe Kasten). Wer Wert auf ökologische Erzeugung und Regionalität legt, sollte beim Einkauf zu saisonaler Bio-Ware greifen. Auch das Bio-Siegel „Unser Land“ garantiert Lebensmittel aus der Region. Bei „Unser Land“ gelten die Mindeststandards der EU-Öko-Verordnung, darüber hinaus gibt es Richtlinien für verschiedene Produktgruppen. Seit 2016 gibt es zudem das Bayerische Biosiegel, initiiert von Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner. Ihm liegen die Bestimmungen der EG-Öko-Verordnung in Kombination mit höheren Qualitätskriterien zugrunde. So muss zum Beispiel in der Tierzucht auch das Futter aus der Region kommen.

Im Fall der Eier-Ecke im Supermarkt gilt also: Alle Bio-Eier erfüllen die Standards der EG-Öko-Verordnung. Die Unterschiede zwischen Eiern mit und ohne Verbandszertifizierung liegen in der Betriebsgröße, in der Haltung und Fütterung der Legehennen. „Unser Land“ bietet Bioqualität aus der Region.

*tz.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerkes

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