Bio-Lebensmittel: Basic kämpft ums Vertrauen der Kunden

München - Basic braucht eine neue Basis. Die Bio-Supermarktkette muss gegen den Trend der Branche erstmals Stellen abbauen und auch sonst auf die Kostenbremse treten.

­ Bio boomt. Die Nachfrage nach biologisch erzeugten Lebensmitteln ist hierzulande seit Jahren so stark, dass heimische Erzeuger mit ihrem Angebot nicht mehr nachkommen und immer mehr Ware importiert werden muss. Im Handel wie bei der in Deutschland hinter Alnatura zweitgrößten Bio-Supermarktkette Basic müsste das eigentlich für reißenden Absatz und gute Stimmung sorgen. Das Gegenteil ist der Fall. "Wir bauen von 850 auf 780 Stellen ab und führen mit unseren Lieferanten Gespräche über verlängerte Zahlungsziele", sagt Basic-Chef Josef Spanrunft. Die Umsatzziele habe man 2007 verfehlt und müsse nun auch die Kosten bremsen.

Vor einem Jahr hatte sich das noch ganz anders angehört. Basic mit seinen bundesweit 26 Filialen hatte ehrgeizige Wachstumspläne. 25 bis 50 neue Bio-Supermärkte sollten per annum in Deutschland eröffnet werden und die Schwarz-Gruppe als Großaktionär einsteigen, um das zu finanzieren. Was folgte, war ein Boykott von Lieferanten und Kunden, die ein Tabu gebrochen sahen. Denn zu Schwarz gehört der Discounter Lidl. Bio und Discount ist für viele so unvereinbar wie Feuer und Wasser.

Die Basic-Miteigner und Gründungsaktionäre Georg Schweisfurth und Richard Müller zogen die Notbremse. Basic-Finanzvorstand und Mitbegründer Johann Priemeier, der den Schwarz-Deal eingefädelt hatte, musste unter der Macht des Käuferstreiks gehen. Schwarz stieg wieder aus. Priemeier, der selbst noch 22 Prozent an Basic hält, wurde Hausverbot im eigenen Unternehmen erteilt und von Basic auf Schadenersatz verklagt. Erst vor wenigen Tagen wurde der Streit beigelegt.

Was bleibt, sind die Folgen des verhinderten Schwarz-Engagements. Zusätzlich zum Stellenabbau und den Stundungsgesprächen mit Lieferanten wird die Filialgröße künftig von heute maximal 1300 auf noch höchstens 800 Quadratmeter beschränkt und das Sortiment entsprechend angepasst, sagt Spanrunft. Mehr bieten will er künftig im Premium-Segment, um sich von Discountern abzuheben. Die Filialexpansion setze man dieses Jahr aus und nehme sie 2009 in deutlich reduziertem Umfang wieder auf. Zwei bis fünf neue Bio-Supermärkte sollen dann bundesweit pro Jahr eröffnet werden, also nur ein Zehntel früherer Pläne.

Neuer Basic-Großaktionär ist jetzt die Schweizer Asi Nature Holding, die keine großen Sprünge finanziert. Als Einzelschicksal sieht der Basic-Chef seine Kette nicht. Zwar seien die Umsätze 2007 mit 91 Millionen Euro prozentual einstellig unter Plan geblieben. Seit Ende des Vorjahres sei aber die gesamte Branche der Bio-Supermärkte ohne neu eröffnete Läden von Umsatzrückgang getroffen, weil Kunden wegen im Schnitt um fünf Prozent gestiegener Preise für Bio-Ware erstmals die Geschäfte meiden.

Nicht nachvollziehen kann das der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (Bölw). Es sei zwar richtig, dass Discounter, die Bio für sich entdeckt haben, höheres Wachstum damit hätten, sagt ein Bölw-Sprecher. Auch Bio-Supermärkte würden aber anhaltend zweistelliges Wachstum melden. Insgesamt lag das Branchenwachstum 2007 bei 15 Prozent auf bundesweit 5,3 Milliarden Euro Umsatz. Das Münchner Ifo-Institut erwartet für Bio-Lebensmittel hierzulande 2008 einen neuen Schub von rund 20 Prozent.

Auch im eigenen Unternehmen werden Spanrunfts Äußerungen teils skeptisch beurteilt. "Es ist widersprüchlich", meint eine Mitarbeiterin. Der vorjährige Kundenschwund sei noch nicht verdaut und der Sparkurs extrem. Auch firmenfremde Experten sprechen von einer anhaltenden Krise bei Basic. "Bio ist ein Vertrauensmarkt", sagt einer von ihnen. Mit dem Schwarz-Debakel habe Basic viel Vertrauen verloren und bekomme das nicht über Nacht zurück.

Zudem müsse Basic die großen Expansionspläne rückabwickeln, was wohl nicht billig komme. Wie sich das in der Bilanz 2007 auswirkt und ob Basic rote Zahlen schreibt, will Spanrunft nicht sagen. Das werde man zuerst den Aktionären zur Hauptversammlung Ende Juli mitteilen.

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