Wo Bio-Ware punktet ­- und wo nicht

München - Bio-Lebensmittel haben einen guten Ruf. Ob sie dem auch gerecht werden, prüfte die Stiftung Warentest. Das Ergebnis: Wo "Öko" draufsteht, steckt nicht immer mehr drin als in konventionellen Produkten.

Grundlage des Ergebnisses sind 54 Lebensmitteluntersuchungen, die die Stiftung Warentest von Januar 2002 bis August 2007 durchführte und bei denen auch Bio-Produkte getestet wurden.

Noten-Gleichstand

Wenig berauschend waren die Ergebnisse der getesteten Lebensmittel - ob konventionell oder Bio - insgesamt: Nur ein Prozent der konventionellen und vier Prozent der Biowaren erhielten die Note "sehr gut", nicht einmal jedes zweite Produkt beider Sparten schnitt mit dem Urteil "gut" ab. Gleichstand auch auf den hinteren Rängen: Je rund 30 Prozent der ökologischen und konventionellen Lebensmittel wurden lediglich mit "mangelhaft" oder "ausreichend" bewertet.

Große Unterschiede

Auffallend: Die Qualität der Bioprodukte variierte in ein und demselben Test oft extremer als bei konventionellen Produkten: Die Bio-Sparte stellte häufig sowohl den Test-Sieger als auch den Verlierer. So überzeugte etwa ein Öko-Olivenöl als einziges mit der Note "sehr gut", gleichzeitig fiel ein anderes Bio-Öl durch Weichmacher und sensorische Fehler mit "mangelhaft" auf.

Geschmack: Ähnlich

Im Allgemeinen schmecken Bioprodukte den Testern zufolge ähnlich wie konventionelle. Allerdings könnten intensiv verarbeitete Bioprodukte (wie Margarine, Püree, Capuccinopulver) meist geschmacklich nicht überzeugen. Gehe es jedoch um naturnahe Produktion, setze Bio-Ware meist Qualitätsstandards.

Die Verwendung ökologischer Zutaten allein führe nicht wie erwartet zu einem "sensorisch optimalen Endprodukt". Über die Qualität der Lebensmittel entscheide letztlich die "Sorgfalt" in der gesamten Produktion - von Verarbeitung, Abpackung, Lagerung bis Transport. Damit täten sich manche Betriebe schwerer als andere - bei Öko- genau wie bei konventionellen Betrieben.

Mehr Keime

Ein Nachteil von Biowaren liegt der Untersuchung zufolge darin, dass Bakterien und Hefen in ihnen häufiger vorkommen als in konventionellen Lebensmitteln. Als Stolperstein erwies sich hierbei vor allem das Mindesthaltbarkeitsdatum, das von den Herstellern oft zu lang angesetzt werde. Da auch auf Konservierungsstoffe weitgehend verzichtet wird, komme es vor, dass Keime dem Produkt geschmacklich schaden.

Kaum Pestizide

Als "erfreulich pestizidfrei" stuft Stiftung Warentest Öko-Obst, -Gemüse und -Tee ein. Generell seien Bio-Produkte weitgehend frei von Pestiziden - ein "klarer, gesundheitlicher Vorteil" gegenüber konventionellen Produkten. Außerdem reichert sich Nitrat in Biogemüse "tendenziell weniger an" als in herkömmlichem Gemüse. Auf Bio-Äckern wird weitaus weniger nitrathaltiger Stickstoffdünger eingesetzt. Nitrat ist zwar ein natürlicher Pflanzenbestandteil, der jedoch zu Nitrit umgewandelt werden kann, aus dem wiederum krebserregende Nitrosamine entstehen können.

Hoher "Ethik-Faktor"

Bio kostet - und das aus gutem Grund: Schließlich ist die Öko-Landwirtschaft sehr arbeitsintensiv, aber weniger ertragreich, da auf Monokulturen und Massentierhaltung weitgehend verzichtet wird. Was den "Ethik-Faktor" angeht, schnitten die Biohersteller "vorbildlich" ab: Viele engagieren sich stark für Umwelt- und Tierschutz. Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Ulrike Höfken, kritisierte, die Stiftung Warentest berücksichtige zu wenig die Qualität, die sich aus der Nachhaltigkeit des Herstellungsprozesses ergebe. "So trägt der Biolandbau zur Erhöhung der Lebensqualität der gesamten Bevölkerung durch den Verzicht auf Spritzmittel und leichtlösliche Stickstoffdünger bei."

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