Bioland: Einstieg ins Tankstellengeschäft

- München - Reines Pflanzenöl könnte der neue Ersatzkraftstoff in Bayern werden. Nach Berechnungen des Landwirtschaftsministeriums könnten bei optimaler Ausnutzung der Ressourcen 265 000 Pkw mit Dieselantrieb im Freistaat mit naturbelassenem Pflanzenöl - meist aus Raps gewonnen - fahren. Das entspricht fast 17 Prozent aller 1,6 Millionen in Bayern zugelassener Diesel-Pkw. Der Anbauverband "Bioland" möchte im Großraum München jetzt sogar Öl aus ökologisch angebauten Sonnenblumen auf den Markt bringen.

Bayerns Landwirte pflanzen schon heute auf rund 150 000 Hektar - ungefähr sieben Prozent der gesamten Ackerfläche in Bayern - Raps an. Pro Hektar könne ein Ertrag von bis zu 1200 bis 1500 Liter Öl erzielt werden. "Wir gehen davon aus, dass Ölpflanzen auf bis zu 400 000 Hektar angebaut werden könnten" glaubt Rupert Schäfer, Referent für nachwachsende Rohstoffe im Landwirtschaftsministerium. Eine Untersuchung habe ergeben, dass selbst die dann produzierten Mengen problemlos abgesetzt werden könnten. Nötig sei allerdings der Aufbau eines Netzes von Ölmühlen und Pflanzenöl-Tankstellen, um die umgerüsteten Motoren (siehe Kasten) der Diesel-Autos mit dem heimischen Treibstoff zu versorgen.

Die Preise für einen Liter Pflanzenöl-Treibstoff liegen zurzeit bei 70 bis 75 Cent. Der große Preisunterschied zu Dieselkraftstoff aus Mineralöl resultiert aus der Steuerbefreiung des Raps-Produktes, die nach der geltenden Gesetzeslage bis mindestens 2009 beibehalten werden soll.

Nicht verwechselt werden darf der Pflanzenöl-Treibstoff mit verestertem, chemisch aufwändig verändertem Biodiesel, dessen Steuerbefreiung von der neuen schwarz-roten Bundesregierung aufgehoben werden wird. Außerdem werde es durch die zunehmend höheren Umweltstandards immer schwieriger, veresterten Biodiesel in herkömmlichen Motoren einzusetzen, warnt Schäfer. Dem Einsatz von Pflanzenöl gehöre die Zukunft, glaubt der Ministerialbeamte.

Nicht auf Raps, sondern auf Sonnenblumen setzt "Bioland", das mit seinem Münchner Partner "Greencity Energy" Pflanzenöl auf den Markt bringen will. Raps sei eine für Krankheiten sehr anfällige Pflanze, die sich für ökologischen Landbau überhaupt nicht eigne, erläutert Dirk Vollertsen von der "Bioland-Markt GmbH". Sonnenblumen seien da besser geeignet. Die Produktion pro Hektar liege bei einem ökologisch wirtschaftenden Betrieb nur bei 500 bis 600 Liter. Doch könne ein Landwirt zusätzlich zu den Ölpflanzen eiweißreiche Futterpflanzen anbauen und seinen Hektar-Ertrag so auf über 1000 Euro jährlich steigern, rechnet Vollertsen vor.

Im kommenden Frühjahr wollen "Bioland" und "Greencity Energy" die erste Zapfsäule im Norden Münchens eröffnen. "Dort kann man Pflanzenöl tanken und wie bei Shell oder Aral mit EC-Karte zahlen", stellt Markus Hollemann von "Greencity Energy" die Geschäftsidee vor. Die Partner streben an, bis Ende 2006 in München vier Tankstellen zu betreiben und monatlich zwischen 10 000 und 15 000 Liter zu verkaufen. Im Jahr 2007 sollen dann vier weitere Zapfsäulen an Verkehrsknotenpunkten im Umland dazukommen. Öffentliche Pflanzenöl-Tankstellen anderer Firmen im südlichen Oberbayern gibt es bereits in Garching und Pfaffenhofen.

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