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Biosprit: Alkohol bleibt steuerfrei

- München - Neuer Anlauf für den Biosprit: Nachdem Biodiesel und Pflanzenöl als Öko-Treibstoff für Selbstzünder durch die bevorstehende Besteuerung vor dem Aus stehen, setzen Anhänger der nachwachsenden Rohstoffe nun auf Bio-Ethanol für Benzinmotoren. Der bleibt vorerst steuerbefreit.

Während die große Politik auf gesetzliche Zwangsbeimischungen zum herkömmlichen Benzin oder Diesel setzt, sieht die einschlägige Branche in echtem Biosprit die bessere Lösung. Denn auf diese Weise bleibt nach Ansicht ihrer Vertreter auch für den Fiskus mehr hängen als durch eine Steuer. Denn wenn Alkohol als Benzinzusatz oder der Biodiesel-Zusatz für Selbstzünder von den großen Ölkonzernen beigemischt werden muss, kaufen diese möglicherweise billig im Ausland ein.

Dagegen setzten die Befürworter von Biosprit pur auf einheimische Ware und Regionalvermarktung und fordern den Erhalt von Steuervorteilen: "Wertschöpfung im ländlichen Raum steht und fällt mit der Mineralölsteuer", sagt Thomas von Tucher vom Verband Bayerischer Landwirtschaftlicher Brennereien. Denn die gesamte Infrastruktur für das Tanken nachwachsender Rohstoffe ist bereits vorhanden. Allerdings brennen Bayerns Bauern bisher vor allem für die Spirituosenindustrie.

Bio-Ethanol - das ist reiner Alkohol - kann durch vergleichsweise einfache Umrüstung von Benzinmotoren (neben dem normalen Benzin, das weiterhin getankt werden darf) verkraftet werden. Mit Leistungseinbußen ist nicht zu rechnen, im Gegenteil: "Umweltorientierung und Fahrspaß schließen sich nicht aus", sagt Thomas Dietz vom Autobauer Saab. Denn Biosprit mobilisiert in einem "Bio-Power"-Modell des schwedischen Herstellers 30 zusätzliche Pferdestärken.

Neben Saab hat in Deutschland Ford entsprechende Modelle im Angebot. Volvo, VW und Fiat könnten schnell nachziehen, weil sie für amerikanische Märkte oder für Schweden bereits Alkohol-Motoren liefern. Doch diese Hersteller wollen in den Markt erst einsteigen, wenn es den Sprit an den Zapfsäulen gibt. Und die großen Tankstellenbetreiber warten auf alkohol-taugliche Automodelle.

Deshalb haben sich von der BayWa bis zu Südzucker Interessenten in der Initiative "Mobil ohne Fossil" zusammengetan, um dem Bio-Sprit zum Durchbruch zu verhelfen. Auf 60 bis 70 Tankstellen in Süddeutschland und 1500 Fahrzeuge hofft Stefan Welter von Ford. Das werden eher die kleinen Anbieter sein. "Wir sind gezwungen, nach entwicklungsfähigen Nischen zu suchen", sagt Dietmar Possart vom Verband der freien Tankstellen. Auch in Oberbayern sind Tankmöglichkeiten für Bio-Ethanol in Vorbereitung.

Allerdings könnte auch die Entwicklung von Bio-Ethanol zurückgeworfen werden, falls Finanzminister Peer Steinbrück darin eine möglicherweise sprudelnde Einnahmequelle entdeckt. Denn die Rechnungen der Regionalvermarkter gehen nur auf, wenn Alkohol von der Mineralölsteuer verschont bleibt. Derzeit kostet ein Liter davon rund 82 Cent. Da aber auch der Verbrauch bei Alkohol um etwa 20 Prozent steigt, ergibt sich gegenüber Benzin nur ein relativ bescheidener Preisvorteil.

Allerdings ist das Entwicklungspotenzial noch nicht ausgereizt. Bisher wird Alkohol nur aus besonders stärkereichen Feldfrüchten geerntet. Das ist Weizen, das sind Kartoffeln oder auch Zuckerrüben. Theoretisch aber lassen sich auch Holzabfälle, Baumrinde oder Stroh in Alkohol verwandeln. Dann könnte Ersatz für die Opec-Importe aus einheimischen Abfällen entstehen - wenn man der Branche finanziellen Spielraum für entsprechende Entwicklungen lässt.

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