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Hoffen auf ein Ende der Durststrecke: Das auf Antikörper-Forschung spezialisierte Biotech-Unternehmen Morphosys – im Bild eine Antikörperbibliothek – steht noch vergleichsweise gut da. Zuletzt legte der TecDax-Konzern überzeugende Quartalszahlen vor.

Biotech-Branche leidet unter Geldmangel

München - Nach dem Hoch kommt die Ernüchterung. Die Stimmung in der bayerischen Biotechnologie ist gedämpft. Sichtbare Erfolge sind rar, die Finanzierungslage ist katastrophal. Die Branche leidet unter akutem Geldmangel.

Suche Investor, biete hohe Rendite – oder Totalverlust. Viele Unternehmen aus der Biotech-Branche sind auf der Suche nach Geldgebern, die in ihre Ideen investieren. Doch das gestaltet sich immer schwieriger. Das Problem bringt Horst Domdey, Chef der Münchner Standortfördergesellschaft Bio-M, auf den Punkt. „Die Venture-Capital-Szene in Deutschland ist tot“, sagt er. Unter Venture-Capital (deutsch: Wagniskapital) versteht man Geld, mit dem sich ein Investor an einer als besonders riskant geltenden Unternehmung beteiligt.

Die Entwicklung von Medikamenten ist so eine besonders riskante Unternehmung. Investoren brauchen einen langen Atem. Die Entwicklung dauert oft zehn bis 15 Jahre. Die Ausfall-Quote ist hoch. Scheitert der Wirkstoff, droht der Totalverlust. Schafft es das Medikament durch die klinischen Tests bis zur Marktreife, winkt allerdings eine dicke Rendite. „Blockbuster“ nennen das die Fachleute – der große Durchbruch.

Knapp 70 Millionen Euro Wagniskapital sind im vergangenen Jahr in die bayerische Biotech-Branche geflossen. Ein geringer Betrag in der Welt der Biotechnologie. „Wir fangen bei 50 Millionen Euro erst zu denken an“, sagt Horst Domdey. Dabei galt München in den 1990er-Jahren als das Venture-Capital-Zentrum Europas. Fonds und Privatinvestoren rissen sich um die Unternehmen und ihre Ideen. Noch vor wenigen Jahren flossen mehr als 300 Millionen Euro Wagniskapital in die bayerische Biotechnologie – rund 275 Millionen Euro davon allein in den Raum München. Hier sitzen 80 Prozent der bayerischen Biotech-Unternehmen.

Trotz Geldmangel wächst die Biotech-Branche in Bayern immer noch – allerdings hat sich das Wachstum verlangsamt. Die Zahl der Unternehmen ist im vergangenen Jahr nur noch leicht gestiegen. 2011 waren in Bayern 334 Firmen im Bereich Biotechnologie und Pharma tätig, 2012 waren es 338. Zehn Firmen wurden gegründet – sechs Unternehmen eröffneten eine Niederlassung in Bayern. Zwölf Biotechs sind dagegen von der Bildfläche verschwunden. Einige sind abgewandert, andere wurden aufgekauft – ein paar mussten schließen.

„Die meisten Investoren haben die Geduld verloren“, sagt Georg Kääb, Sprecher von Bio-M. Heute investieren vor allem einige wenige vermögende Einzelpersonen in die deutsche Biotechnologie – zum Beispiel die Hexal-Gründer Thomas und Andreas Strüngmann oder Dietmar Hopp, Gründer des Softwarekonzerns SAP. Sie glauben nach wie vor an die deutsche Biotechnologie – auch wenn die Stimmung im Moment eher flau ist.

Dabei sind in der Gründerszene um München viele gute Ideen vorhanden. Der Konkurrenzkampf um Investoren ist hart. „Nur wenige Ideen wurden in letzter Zeit finanziert“, sagt Enno Spillner von der 4SC AG mit Sitz in Martinsried. 4SC erforscht und entwickelt seit 1997 Medikamente zur Behandlung von Autoimmunerkrankungen und Krebs. „Gründer müssen ihre Ideen heute sehr gut aufbereiten und sich nach anderen Finanzierungsmodellen umsehen“, sagt Spillner.

Eines dieser alternativen Finanzierungsmodelle: Wagniskapital aus dem Ausland. In den USA ist die Lage auf dem Venture-Capital-Markt weitaus besser als in Europa. „Wir überlegen, ob wir ein Büro in den USA eröffnen, um dort Zugang zu Venture Capital zu bekommen“, sagt Domdey. Als eines der Zentren der Biotechnologie in den USA gilt Boston. Hier sitzen bereits einige bayerische Biotech-Unternehmen. Hier soll die Niederlassung entstehen. Momentan laufen diesbezüglich Gespräche mit dem Wirtschaftsministerium. Domdey würde sich außerdem die Auflage eines neuen Venture-Capital-Fonds in Deutschland wünschen, der in bayerische Biotech-Start-Ups investiert. Auch in diesem Bereich ist Bio-M momentan im Gespräch mit verschiedenen Fondsmanagern.

Ob in Zukunft Medikamente in Bayern entwickelt werden, hängt maßgeblich von der Finanzierungslage ab, betont Kääb. Hier müsse auch die Politik bessere Rahmenbedingungen schaffen. „Im Ausland sind die Konditionen momentan besser“, findet er. Ein Beispiel: der Verlustvortrag. Wenn ein Wagniskapitalgeber in ein Biotech-Unternehmen einsteigt, findet in der Regel ein Eigentümerwechsel statt. Das führt in Deutschland dazu, dass die Verlustvorträge der Firma aus früheren Jahren verloren gehen. Damit fällt der Wert eines Unternehmens bei Finanzierungsrunden. „So treiben wir Venture-Capital-Fonds aus Deutschland raus“, so Kääb. „Wir brauchen europaweit einheitliche Regelungen.“

Von Manuela Dollinger

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