Biotech zieht Pharma-Giganten nach München

Merck: - München -­ Wenn deutsche Manager im Gehalt Zurückhaltung üben, kann das durchaus Vorteile bringen. Moderate Löhne für Führungskräfte sind ein Grund für den US-Arzneimittelriesen Merck, um seine Zentrale für Europa, den Mittleren Osten, Afrika und Kanada nach München zu verlegen.

"München wurde aufgrund der Gesamtattraktivität des geschäftlichen Umfelds, der Kostenstruktur, der Verkehrsanbindung und der Qualität der Schulbildung ausgewählt", sagt der vom Deutschland-Chef zum Vorsitzenden über die neue Europazentrale aufgestiegene Manager Stefan Oschmann.

Dadurch entstehen bis Ende 2007 rund 30 neue Managerjobs. Das klingt bescheiden, ist aber mehr als ein Imagegewinn. Denn Merck gilt als angeschlagen und baut weltweit rund 7000 Stellen ab. In Deutschland bleibt die Belegschaft von 1400 Frauen und Männern, die bei der Tochter MSD mit zuletzt 560 Mio. Euro Jahresumsatz arbeiten, stabil, sagt Oschmann.

Dazu kommt nun die Europazentrale, von der aus etwa ein Viertel aller Merck-Umsätze gesteuert wird. Durchgesetzt hat sich München immerhin gegen London, Zürich, Brüssel, Amsterdam sowie Wien und das, obwohl Oschmann für Arzneimittelforschung hier zu Lande wegen der aktuellen Gesundheitspolitik ein eher schwieriges Klima sieht. "Wir hoffen jedoch, dass Deutschland langfristig die Bedeutung von modernen Medikamenten erkennt", sagt Oschmann. Seine Branche und auch Biotechnologie-Unternehmen könnten ein Wachstumsmotor sein.

Die große Anzahl aufstrebender Biotechs war ein weiterer Grund, warum die Wahl auf Bayern fiel. Über 100 solcher forschenden Startups haben sich um den Biotech-Cluster in Martinsried angesiedelt. Mit ihnen will Merck verstärkt kooperieren. Denn der US-Konzern hat, was den Kleinfirmen fehlt: Geld und Marktmacht. Diese wiederum könnten mit neuen Medikamenten helfen, den sich bei Merck abzeichnenden Mangel an Kassenschlagern zu verhüten. Demnächst läuft der Patentschutz wichtiger Arzneien aus. Zwei erfolgversprechende Medikamente kamen vor kurzem aus deutschen Labors, betont Oschmann. Beim einen handelt es sich um ein Diabetes-Medikament, dem Fachleute Milliardenumsätze voraussagen. Das andere ist ein Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs. Entsprungen ist der Impfstoff dem Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg. Vermarktet wird er nun durch Merck und die britische Glaxo Smith Kline, was als Beleg für die "deutsche Krankheit" gilt.

Erforscht und erfunden wird demnach hier zu Lande vom Videorekorder bis zur MP3-Technologie viel und erfolgreich. Erkannt werde das Potenzial vielfach von den Managern ausländischer Konzerne, die daraus marktfähige Produkte machen.

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