Biotechbranche zurück in der Zukunft

- München - Die deutsche Biotechnologie hat ihre Zukunft zurückgewonnen. Nach dem Börsencrash Anfang des Jahrzehnts waren Geldgeber abgesprungen, Firmen Pleite gegangen. Der Glaube an die Zukunfts-Branche schien gebrochen. Doch nun blüht die Biotech-Industrie auf. In Deutschland steht die Branche vor dem Durchbruch, heißt es im neuen "Biotechnologie-Report" der Wirtschaftsberatung Ernst & Young. Und dabei spielt das oberbayerische Biotech-Zentrum Martinsried eine entscheidende Rolle.

Die Branche habe auf den Pfad des Erfolges gefunden, stellt Ernst & Young fest. "Auf diesem Weg zurück in die Zukunft hat die deutsche Biotech-Industrie an Fahrt gewonnen und dies auf einer solideren Basis mit mehr Substanz", heißt es in der Studie. Demnach sind hierzulande 375 Biotech-Unternehmen aktiv, die mehr als 9500 Mitarbeiter beschäftigen. Zwar entspricht das einem Rückgang gegenüber dem Vorjahr, doch ist das kein negatives Zeichen. Zum einen ist die Zahl dadurch verzerrt, dass Betriebe aus der Statistik fielen, die von Unternehmen außerhalb der Biotech-Branche gekauft wurden. Zum anderen spiegelt sich darin wider, dass es innerhalb der Branche zu zahlreichen Fusionen und Übernahmen kam. Und die sind eine Voraussetzung für langfristigen Erfolg.

Etwa 80 Prozent der deutschen Biotech-Betriebe beschäftigen weniger als 30 Mitarbeiter. Vielen fehlt die kritische Masse. Durch Zusammenschlüsse wird diese erreicht. "Es bilden sich mehr größere und schlagkräftigere Unternehmen, die auch die notwendige Finanzkraft haben, um auf Dauer im Wettbewerb bestehen zu können", urteilt die Autorin der Studie, Julia Schüler. Und darauf legen die Investoren Wert.

Geldgeber aus dem In- und Ausland konzentrieren sich laut der Studie auf "reifere Unternehmen mit attraktiven Produktentwicklungen". Und da bietet die Branche inzwischen viel - insbesondere in Oberbayern. "Wir hatten einen Aufwärtstrend im vergangenen Jahr", bestätigt eine Sprecherin der Bio-M AG, die Standortmarketing für die Region München betreibt. In Martinsried im Landkreis München befinden sich 40 Biotechs, darunter einige der erfolgreichsten Deutschlands. Medigene ist nicht nur das erste einheimische Unternehmen der Branche, das mit der Krebs-Arznei Eligard ein Medikament auf den Markt brachte. Es steht auch vor der Zulassung eines zweiten Präparats: Polyphenon.

Und heuer soll Medigene - als eines von wenigen Biotechs weltweit - Gewinne erzielen. Auch die benachbarte GPC Biotech fiebert der Zulassung ihres ersten Medikaments entgegen. Das Prostatakrebs-Mittel Satraplatin soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen. Insgesamt gibt es in Deutschland derzeit über ein Dutzend Präparate, die das Endstadium der klinischen Tests oder den Zulassungsprozess für die Markteinführung erreicht haben. "Der echte Durchbruch" der deutschen Biotechnologie sei "in den nächsten zwei bis drei Jahren abzusehen", prophezeit Schüler.

Darauf setzen auch die Geldgeber. Erstmals haben Wagniskapitalgeber im vergangenen Jahr mehr Mittel in die deutsche Biotech-Branche fließen lassen als in die britische, nämlich 326 Millionen Euro. Und selbst der Rückstand Europas gegenüber den USA, die 20 Jahre Vorsprung in der Biotechnologie haben, nimmt ab. In Europa gingen mehr Biotech-Unternehmen an die Börse (23 gegenüber 13). Und sie sammelten mehr Geld ein (560 Millionen Euro gegenüber 507 Millionen Euro). Bei Ernst & Young ist man sich sicher: "Das Vertrauen in die Zukunft der Branche ist wieder zurückgekehrt." Und das zeigt sich auch in den Unternehmen. Über 60 Prozent von ihnen wollen heuer neue Mitarbeiter einstellen.

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