BIP, Ifo und ZEW: Was die Wirtschaftsbarometer verraten

- München ­ Die wirtschaftliche Entwicklung eines Landes wird häufig mit konjunkturellen Kennzahlen beschrieben. Deshalb kann die Veröffentlichung solcher Indikatoren auch zu heftigen Kursschwankungen an den Aktien- und Rentenmärkten führen. Wer die Bedeutung dieser Kennzahlen kennt, kann die Marktbewegungen besser verstehen. Wir stellen Ihnen die wichtigsten deutschen Konjunkturindikatoren vor.

Bruttoinlandsprodukt

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) gilt als die zentrale konjunkturelle Kennzahl eines Landes. Das BIP ist der Wert aller in einer Volkswirtschaft hergestellten Güter und Dienstleistungen innerhalb eines bestimmten Zeitraumes. Vier Mal jährlich wird das BIP im Vergleich zum Vorjahresquartal veröffentlicht. Das zuletzt für Deutschland veröffentlichte Bruttoinlandsprodukt lag bei 0,5 Prozent. Da sich das BIP auf einen Vergangenheitszeitpunkt bezieht, ist es für die nach vorne blickenden Börsen häufig von sekundärer Bedeutung. Die BIP-Entwicklung gilt aber beispielsweise für Steuerschätzungen als eine gute Grundlage.

Ifo-Geschäftsklima

Der Ifo-Geschäftsklima-Index ist der wichtigste konjunkturelle Frühindikator. Er prognostiziert mit einem Vorlauf von etwa neun Monaten die weitere Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts. Zur Ermittlung der Kennzahl befragt das Münchner Institut für Wirtschaftsforschung (Ifo) ein Mal monatlich 7000 Unternehmen nach ihrer aktuellen wirtschaftlichen Lage und ihren Geschäftserwartungen für die nächsten sechs Monate. Daraus wird eine Zahl ermittelt, die dann mit dem Vormonatswert verglichen wird. Ein mehrfach hintereinander steigender Ifo-Index deutet einen wirtschaftlichen Aufschwung an. Von den Finanzmärkten wird dieser Index, der aktuell eine glänzende Stimmung andeutet, sehr genau beobachtet.

ZEW-Indikator

Während der Ifo-Index die Einschätzung von Unternehmen spiegelt, werden für den ZEW-Indikator vom Zentrum für europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) 350 Finanzexperten wie Finanzanalysten oder institutionelle Anleger aus Banken, Versicherungen und Großunternehmen befragt. Der Indikator, der auch als Frühindikator für das BIP gilt, gibt die Differenz der positiven und negativen Erwartungen für die künftige Wirtschaftsentwicklung in Deutschland an. Der aktuelle ZEW-Indikator ist auf dem niedrigsten Wert seit zwei Jahren und prognostiziert eine konjunkturelle Eintrübung. Wegen der hohen Schwankungsbreite ist der Indikator aber bei einigen Experten umstritten.

Auftragseingänge

Eine vielbeachtete Kennzahl sind die Auftragseingänge für das verarbeitende Gewerbe. Sie stellen die Auftragslage der Vorleistungs-, Investitionsgüter- und der Konsumgüterproduzenten dar. Die Auftragseingänge zeigen nicht nur ein Stimmungsbild auf, sie gelten zugleich als Frühindikator für die Industrieproduktion. Die derzeitige Auftragslage unterstreicht mit einem Plus von 15 Prozent die positive konjunkturelle Verfassung.

Konsumklima

Auch wenn die Binnenkonjunktur in Deutschland für die Finanzmärkte keine so bedeutende Rolle spielt wie beispielsweise in Amerika, gibt das Konsumklima eine wichtige Aussage darüber, ob die Verbraucher bereit sind, künftig mehr auszugeben, oder ob Käufe tendenziell zurückgestellt werden. Die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) veröffentlicht alle drei Monate einen entsprechenden Indikator. Der vor wenigen Tagen vorgestellte GfK-Konsumklima-Index erreichte den höchsten Stand seit fünf Jahren. Die Beobachtung dieser Indikatoren spielt für die Geldanlage eine wichtige Rolle. Vor allem die Aktienmärkte, aber auch die Kurse der Anleihen und Währungen reagieren häufig sehr sensibel auf diese Kennzahlen. Neben diesen Daten blicken Marktbeobachter auch auf die Konjunkturindikatoren anderer bedeutender Wirtschaftsregionen wie USA oder Euroland. So ist es durchaus möglich, dass ein schwacher US-Arbeitsmarkt den Dax mehr belastet als ein sich eintrübendes Ifo-Geschäftsklima. Auch das monetäre Umfeld, zu dem Inflationszahlen, Geldmenge und Zinsentwicklung gehören, steht im Fokus der Investoren.

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