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Bitcoin: Kryptowährungen auf Talfahrt – „maximale Katastrophe“

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Von: Lisa Mayerhofer

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Bitcoin-Münzen
Kryptowährungen wie Bitcoin mussten im Laufe der Woche massive Kursverluste hinnehmen. (Archivbild) © Paulo Lopes/Imago

Kryptowährungen wie Bitcoin mussten im Laufe der Woche massive Kursverluste hinnehmen. Fachleute vergleichen den Kurssturz mit der Finanzkrise 2008.

New York – Auf einen Schlag Millionär – Kryptowährungen wie Bitcoin können das möglich machen. So wie bei dem Schweizer Dadvan Yousuf, der mit elf Jahren sein erstes Geld in Kryptowährungen steckte und zum Multimillionär wurde. Aus armen Verhältnissen stammend – seine Familie musste aus dem Irak fliehen – schaffte er es im vergangenen Jahr auf die prestigeträchtige Schweizer Forbes-Liste „30 unter 30“. Kein Wunder, dass sich zahlreiche Anleger in den vergangenen Jahren auf den Markt der Kryptowährungen stürzten. Die bekannteste Dgitalwährung Bitcoin verbuchte Höhenflüge – so lag sie am 10. November 2021 bei 68.789,63 Dollar (etwa 66.200 Euro) pro Coin.

Bitcoin und andere Digitalwährungen verzeichnen massive Kursverluste

Doch nun herrscht Krisenstimmung: Am Donnerstag mussten viele Digitalwährungen erneut erhebliche Kursverluste hinnehmen. Der Bitcoin fiel auf der Handelsplattform Bitfinex mit 26.591 US-Dollar (25.591 Euro) auf den tiefsten Stand seit Ende 2020. Allein auf Sicht eines Monats hat der Bitcoin ein Drittel seines Werts eingebüßt. Seit Jahresanfang sind es gut 40 Prozent. Für so manche Anleger bedeutet das, dass zwei Jahre finanzielle Gewinne innerhalb kürzester Zeit verschwunden sind.

Auch andere Digitalwerte gaben im Kurs weiter nach. Der nach Bitcoin zweitgrößte Digitalwert Ether fiel deutlich unter die Marke von 2000 US-Dollar. Ether hat seit Jahresbeginn etwa die Hälfte seines Werts verloren. Der Marktwert aller rund 19.400 Kryptoanlagen beträgt derzeit rund 1,1 Billionen Dollar. Der Rekordwert von fast drei Billionen Dollar, erreicht im November vergangenen Jahres, ist weit entfernt.

Bitcoin-Kursverfall: Fachleute schwanken zwischen Abwarten und Panik

Die News York Times spricht von einem „Der Moment der Panik“, der dem bisherigen schlimmsten Rückschlag für Kryptowährungen gleichkomme, als Bitcoin im Jahr 2018 um 80 Prozent einbrach. Doch dieses Mal sei vieles anders: Mehr Menschen und Institutionen seien nun von den fallenden Preisen betroffen.

Während einige Fachleute den Kurssturz für überfällig halten und erst einmal abwarten wollen, vergleichen andere den Kurssturz der Digitalwährungen mit dem Beginn der Finanzkrise 2008. „Das ist wie die maximale Katastrophe“, sagte Dan Dolev, ein Analyst, der Kryptounternehmen und Finanztechnologie bei der Mizuho Group abdeckt, gegenüber der New York Times.

„Es ist schwer zu sagen: ‚Ist das Lehman Brothers?‘“, sagte Charles Cascarilla, ein Gründer des Blockchain-Unternehmens Paxos, in Bezug auf das zu Beginn der Finanzkrise 2008 in den USA in Konkurs gegangene Unternehmen. „Wir werden noch etwas Zeit brauchen, um das herauszufinden. Man kann nicht mit dieser Geschwindigkeit reagieren.“

Kryptowährungen: US-Finanzministerin fordert Regulierungsmaßnahmen

Fachleute führen die Kursverluste vor allem auf zwei Gründe zurück: Zum einen sorgt die Aussicht auf vielerorts steigende Leitzinsen für Skepsis am Kryptomarkt. Digitalanlagen werfen keine laufenden Erträge ab, zinstragende Anlagen wie festverzinsliche Wertpapiere werden beliebter. Und Kryptowährungen werden damit für Anleger und Anlegerinnen immer weniger interessant.

Als zweiter Grund gelten Turbulenzen bei einer bekannten Kryptowährung namens TerraUSD oder UST. Dabei handelt es sich um einen sogenannten „Stable Coin“, der sich in Abgrenzung zu anderen Digitalwerten durch besondere Wertstabilität auszeichnen soll. TerraUSD will dies durch einen speziellen Algorithmus erreichen, der die Kryptowährung in einem stabilen Verhältnis zum US-Dollar halten soll.

In den vergangenen Tagen hat sich der UST-Kurs aber von seiner Anbindung an den Dollar gelöst und ist erheblich unter Druck geraten. Mit diesem Vorfall beschäftigt man sich auch im US-Finanzministerium: „Wir brauchen einen Regulierungsrahmen“, sagte US-Finanzministerin Janet Yellen laut New York Times am Donnerstag über Kryptowährungen bei einer Anhörung im Kongress. „In den letzten Tagen haben wir erlebt, wie hoch die Risiken sind.“ Stablecoins würden die gleichen Risiken mit sich bringen, „die wir seit Jahrhunderten im Zusammenhang mit der Bankenpanik kennen“, fügte sie hinzu. Die Bankenpanik bezeichnet den Ansturm der Kunden auf eine Bank, um Anlagen abzuheben, was die Bank dann wiederum in die Insolvenz stürzt.

Etwas Vergleichbares könnte dem Unternehmen von Terra USD passiert sein, als sich der UST-Kurs vom Dollar löste – die Gründe sind aber noch nicht ganz klar. Der Vorfall wirft aber ein schlechtes Licht auf den ohnehin angekratzten Ruf vieler Digitalwährungen. Sie gelten als energieintensiv und anfällig für kriminellen Missbrauch. Außerdem schwanken sie oft stark im Wert, was sie als Anlage für Kleinanleger eher ungeeignet erscheinen lässt. (lma/dpa)

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