Minus 27 Prozent

Bitcoin: Kryptowährung fällt ins Bodenlose – Das sind die Gründe

  • Jonas Raab
    vonJonas Raab
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Nach Elon Musk stellt sich nun auch die chinesische Notenbank gegen den Bitcoin. Das sorgt für einen historische Kurssturz bei der Kryptowährung.

Peking - Der Botcoin und das große China-Chaos: In der Nacht zum Mittwoch rutschte der Kurs der Kryptowährung erst unter die Marke von 40.000 Dollar und fiel zeitweilig um bis zu 27 Prozent auf unter 31.000 Dollar. Der Bitcoin ist innerhalb weniger Wochen auf gut die Hälfte des erst Mitte April erzielten Jahreshochs von 64.895 Dollar geschrumpft. Auch andere Kryptowährungen wie Ether brachen zweistellig ein, der Markt verlor binnen Wochenfrist um ein Viertel an Wert. Grund ist eine folgenschwere Ansage aus dem Reich der Mitte zur Unzeit.

Die chinesische Notenbank erklärte am Dienstag Kryptowährungen zu „unechten Devisen“, warnte Investoren vor „Spekulationen“ und rief Finanzinstitute dazu auf, Kryptowährungen als Zahlungsmittel weder zu akzeptieren noch zu benutzen. Die Notenbank begründete ihren Aufruf unter anderem mit dem im Ausland zuletzt stark schwankenden Kurs virtueller Währungen und sprunghaft steigender Spekulationen rund um das digitale Geld.

Bitcoin nach Ansage aus China im Sturzflug: „Sicherheit der Güterversorgung gefährdet“

Kryptowährungen würden das weltwirtschaftliche Gefüge durcheinanderbringen und die Sicherheit der Güterversorgung gefährden, warnte die chinesischen Notenbank in einer Mitteilung. Bereits 2019 hatte China aus Sorge um das Finanzsystem und die soziale Stabilität Zahlungen mit digitalen Währungen für illegal erklärt. Laut Nachrichtenagentur AFP arbeitet China allerdings an einer eigenen Kryptowährung.

Wie anfällig der Bitcoin für öffentliche Äußerungen ist, zeigte sich erst kürzlich am Fall Tesla: Zunächst investierte der E-Autobauer kräftig in Bitcoin. Zugleich kündigte Tesla-Chef Elon Musk an, die Kryptowährung als Zahlungsmittel zu akzeptieren und sorgte damit für einen Bitcoin-Boom. Nachdem Tesla jedoch vermeldete, man werde Bitcoin nun doch nicht mehr akzeptieren und Musk bei Twitter einen Verkauf seiner Bitcoin-Bestände andeutete, ging die Kryptowährung auf Talfahrt.

Chinesische Bitcoin-Kritik kommt zur Unzeit: „Musk hat den Stein ins Rollen gebracht“

Als Grund für den Bitcoin-Rückzieher nannte Musk Umweltbedenken. „Wir sind besorgt über die schnell zunehmende Nutzung fossiler Brennstoffe für das Schürfen von Bitcoin und die damit verbundenen Transaktionen, vor allem von Kohle, die die schlimmsten Emissionen aller Brennstoffe hat“, schrieb der Tesla-CEO. Tatsächlich verbraucht das sogenannte Mining - also die Generierung von Bitcoins über extrem komplexe Rechenaufgaben in riesigen Rechenzentren - laut Cambridge University derzeit etwa 151,16 Terrawattstunden (TWh) pro Jahr - so viel wie ganze Länder.

„Musk hat den Stein ins Rollen gebracht. Es dürfte ein Weile dauern, bis sich Investoren von diesem Schock erholt haben“, prognostiziert Marktanalyst Timo Emden im Handelsblatt. Seit dem jüngsten Kursrutsch in Reaktion auf die Ansage aus China liegt der Bitcoin wieder auf dem Niveau vor dem Tesla-Einstieg. Es ist nicht der erste Rücksetzer der volatilen Kryptowährung in diesem Jahr, aber der heftigste. Wenngleich sich der Bitcoin bisher immer von den Rückschlägen erholen konnte und anschließend Rekorde verbuchte, wagen Analysten heute nur ungern Prognosen: „Das bleibt auch nach den Verlusten der letzten Tage meines Erachtens nicht viel mehr als ein Bauchgefühl“, sagte Sören Hettler, Analyst bei der DZ-Bank, dem Handelsblatt.

Rubriklistenbild: © Thiago Prudencio via www.imago-images.de

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