Digitale Währung

Bitcoins: Gold 2.0 oder Cyberkrimi?

München - Bitcoins sollen eine Alternative zu gängigen Währungen sein. Doch was genau sind Bitcoins? Wie bezahlt man damit und wie sicher sind sie?

Es gab eine Zeit, da hatten Banken genauso viel Geld wie Gold eingelagert. Das sollte die Stabilität der Währung garantieren und hatte den Vorteil, dass ein realer Tauschwert existierte. Inzwischen stabilisieren Staaten, Zentralbanken und andere Finanzinstitute eine Währung. Dass aber ihre Mechanismen nicht immer zuverlässig greifen, mussten viele während der Weltfinanzkrise schmerzlich feststellen. Als mögliche Lösung dafür wurde 2009 der erste Bitcoin von Satoshi Nakamoto – ob dahinter eine Person oder ein Kollektiv steht, ist unklar – generiert. Bitcoins sollen einen von Banken und Regierungen unabhängigen Zahlungsverkehr ermöglichen.

Was sind Bitcoins?

Es handelt sich um digitales Geld, das im Internet mit Algorithmen erzeugt wird. „In der Szene spricht man von ,minen‘, zu deutsch: schürfen. Deshalb findet sich auch die Bezeichnung Gold 2.0“, sagt Carl-Ludwig Thiele, Vorstandsmitglied der Bundesbank. Allerdings: „Bitcoins haben keine physische Entsprechung, sie existieren rein digital“, sagt Claudio Müller vom Magazin „Chip“. Sie können wie Euro und Dollar gehandelt und schnell und direkt überwiesen werden. Das Bitcoin-System ist dezentral. Keine staatliche Überwachung, keine Transaktionssteuern und Besitzer bleiben – rein theoretisch – anonym. Soviel zu den angeblichen Vorteilen. Nun die Risiken.

Sind Bitcoins sicher?

Man kann sie zwar in reales Geld umtauschen. Aber: „Sieht man Bitcoins nur als Geldanlage, ist diese rein spekulativ einzuordnen“, sagt Thiele. Das liegt an den hohen Währungsschwankungen. Ende 2013 knackte der Bitcoin erstmals die 1000 Dollar Marke. Ende Februar 2014 war er kurzfristig nur noch 83 Euro wert. Grund: Hacker. Sie hatten sich Zugang zur Onlinebörse Mt. Gox verschafft und 850 000 Bitcoins im Wert von 473 Millionen Dollar entwendet. Das Geld? Weg. Wenig später kurzes Aufatmen. Mt. Gox hatte 200 000 Bitcoins wiedergefunden. In einer virtuellen Geldbörse irgendwo im digitalen Äther.

Ein weiteres Risiko ist der nicht vorhandene Einlagenschutz. In der Regel sind rechtliche Ansprüche bei fehlerhaften Zahlungen mit gängigen Währungen geklärt. Der rechtliche Rahmen für digitale Währungen aber ist noch sehr schwach, das Geld im Falle der Insolvenz einer Bitcoin-Börse nicht sicher. Viele Bitcoinbörsen warnen sogar auf ihrer Seite vor den hohen Risiken. Außerdem: Es gibt keine öffentliche Regulierung durch Zentralbanken wie bei staatlichen Währungen. Wer Bitcoins kauft, kann schlimmstenfalls viel Geld verlieren. Thiele rät: „Nur, wer die Risiken verstanden hat und die eingesetzte Summe verschmerzen kann, sollte sich an Bitcoins wagen. Bitcoins sind kein Zahlungsmittel, sondern ein hoch spekulatives Finanzinstrument.“

Woher kommen sie?

Bitcoins werden in komplizierten Rechen-Prozessen auf Computern erzeugt, können aber auch im Internet mit Währungen wie Dollar oder Euro gekauft werden. „Um Bitcoins erstellen zu können, kann sich der Nutzer eine Software herunterladen. Sie generiert eine Art virtuellen Briefkasten für die Bitcoins“, sagt Thiele. Der Briefkasten – auch Wallet (zu deutsch Brieftasche) genannt – hat eine Adresse, die der Nutzer öffentlich macht. Sie besteht aus einer Zahlenkombination, die mit Algorithmen errechnet wird. Man kann sich das wie den Schlüssel durch eine Haustür zum Briefkasten vorstellen. Der jeweilige Briefkasten bekommt aber auch einen privaten Schlüssel nur für den Besitzer.

Wie verschwinden sie?

„Alle generierten Bitcoins sind in einem Verzeichnis, der sogenannten Blockchain, registriert. Normalerweise können sie nicht einfach verschwinden und wieder auftauchen, alle warten deshalb gespannt auf die Erklärung von Mt. Gox“, sagt Müller. In der Blockchain wird immer vermerkt, wenn ein Bitcoin den Besitzer wechselt, beispielsweise bei einer Transaktion. Im Fall von Mt. Gox fanden die Hacker eine Sicherheitslücke in der Software. So bekamen sie Zugang zu den privaten Briefkästen der Nutzer und konnte die Geldbörsen darin leerräumen.

Wie viele gibt es?

Die Anzahl an Bitcoins wird auf 21 Millionen beschränkt sein. Noch sind nicht alle geschürft. Wer aber glaubt, er könne sie selbst zuhause generieren, hat sich zu früh gefreut. Zu den Anfängen der digitalen Währung war das möglich. Inzwischen sind die Algorithmen aber hochkompliziert. Der Rechenaufwand ist zudem sehr energieaufwändig. „Für eine Privatperson ist das keine Option mehr“, sagt Müller.

Wer nimmt Bitcoins?

Bislang kann man vor allem im Internet mit Bitcoins bezahlen. Die Website www. bitcoin.map bietet einen Überblick. Inzwischen akzeptieren aber auch immer mehr Offline-Shops die Bezahlungsmethode. Vom Café in Heidelberg bis zum Antiquitätenhändler in Mainz ist – auch international – so ziemlich alles dabei. Die Bezahlung ist, glaubt man Befürwortern, sicher und einfach: An der Kasse QR-Code – das ist die Briefkastenadresse des Shops – mit dem Handy scannen, Summe eintippen, bestätigen, fertig.

Realität oder Fiktion?

Der Diebstahl bei Mt. Gox ist nur einer von vielen Skandalen. Sie lesen sich wie Episoden eines Cyberkrimis. Ein paar Auszüge: In den USA ließen Ermittler 2013 die illegale Internetseite Silk Road hochgehen. Sie funktionierte im Prinzip wie Amazon. Aber statt Büchern und Musik gab es dort Drogen und Waffen. Bei den Ermittlungen stellte das FBI Bitcoins im Wert von 150 Milliarden US-Dollar sicher. Mitte Februar nahm die Polizei in Deutschland und den Niederlanden den Online-Schwarzmarktplatz Utopia hoch, auf dem Transaktionen mit Bitcoins durchgeführt wurden. Anfang März starb die 28-jährige Chefin einer Bitcoin Börse in Singapur unter mysteriösen Umständen.

Haben sie Zukunft?

„Aus Sicht der Bundesbank ist die Vorstellung von virtuellen Währungen als vielfach genutztem Zahlungsmittel zurzeit völlig undenkbar“, sagt Thiele. Zahlungsverkehr funktioniert nur, wenn viele mitmachen und das geht nur, wenn Vertrauen da ist. Dieses könne laut Thiele nur durch ein Kontrollorgan hergestellt werden.

Katharina Selle

Rubriklistenbild: © dpa

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