Bitte zurücktreten: Bei der Bahn sollen bald mehrere Köpfe rollen

- München - Die Bahn bremst - rollen jetzt Köpfe? Weil die finanziellen Ziele im Fernverkehr weit verfehlt wurden, wackeln die Stühle der verantwortlichen Top-Manager Christoph Franz und Hans-Gustav Koch. Federführend hatten die beiden das neue Preissystem entwickelt, das die erhofften Erfolge nicht brachte. Mit ihnen steht wohl auch die Tarifreform auf der Kippe.

<P>Schon heute will der Aufsichtsrat des bundeseigenen Unternehmens die Personalfragen beraten, heißt es in Unternehmenskreisen. Die Räte werden in ihren Vorlagen unschöne Daten finden. Nach offiziell nicht bestätigten Zahlen soll im Fernverkehr im 1. Quartal ein Betriebsverlust von 130 Millionen Euro angefallen sein. Der Umsatz ist demnach um 14 Prozent eingeknickt, die Passagierzahl um zehn Prozent.<BR><BR>Die Ziele waren andere. Mit dem neuen, deutlich vereinfachten Preissystem, das Frühbuchern und Gruppenreisenden Rabatte einräumt, wollte die Bahn mehr Fahrgäste locken. Gelungen ist das nicht. Die Bahn schiebt das auf die humpelnde Konjunktur und nimmt das System offiziell in Schutz.<BR><BR>Der Aufsichtsrat mag das anders sehen. Laut "Manager Magazin" ist die Ablösung der Vorstände Koch und Franz bereits beschlossen. Sie hatten, von der Lufthansa kommend, bei der Bahn das Fluglinien-ähnliche Preissystem erdacht. Man äußere sich nicht zu diesen Personalspekulationen, sagte ein Bahnsprecher in München.<BR><BR>Es gilt jedoch als sehr wahrscheinlich, dass mit der Personalie die neue Tarifsystematik ins Wanken käme. Bisher will die Bahn die Ergebnisse der Umstellung abwarten und frühestens nach einem Jahr grundlegend nachbessern. Allenfalls bei Vorliegen ausreichender Daten seien einige Veränderungen früher möglich, wurde zuletzt ein wenig eingelenkt.<BR><BR>Für die groß angelegte Preisreform hatte sich das Unternehmen zum Teil heftige Kritik eingefangen - von Fahrgastverbänden, Verbraucherschützern und der Politik. Sie sehen sich in ihrer Schelte bestätigt. "So furchtbar erfolgreich scheint das Preissystem nicht zu sein", spottet Karl-Peter Naumann von Pro Bahn. Den Umsatz-Rückgang begründet er vor allem mit dem Frust der Bahncard-Inhaber. Die Talsohle sei nicht erreicht, sagte Naumann unserer Zeitung.<BR><BR>Bahn-Boss Hartmut Mehdorn steht unter Druck - mehr denn je. Das allseitige Tarifnörgeln traf zusammen mit einer technischen Pannenserie, Streiks, Verspätungen und Konsumzurückhaltung seiner Kunden. Mehdorns ehrgeiziges Ziel, heuer die Wende einzuleiten, 2004 Gewinne einzufahren und dann grünes Licht für die Fahrt Richtung Börse zu bekommen, ist mehr als gefährdet. Vor 2008 geht wohl nichts.<BR><BR>Weniger gefährdet dagegen dürfte Mehdorns Position sein. Zwar ist es etwas ruhiger geworden um den sonst gern austeilenden Bahnchef. Sorgen um einen vorzeitigen Abgang muss sich der fast 61-Jährige aber nicht machen. Schließlich gibt es keinen geeigneten Nachfolger für den Schleudersitz.<BR><BR>Wenigstens ein Lichtblick für ihn ist der Nahverkehr, der mehr als das Doppelte als der Fernverkehr und etwa die Hälfte des Gesamtumsatzes von etwa 16 Milliarden Euro einfährt. Die Nahverkehrstochter DB Regio erzielte 78 Millionen Euro Betriebsgewinn. Auch im Güterverkehr lag die Bahn - trotz Konjunkturflaute - über dem Vorjahresumsatz. Den Herren Koch und Franz dürfte das allerdings wenig helfen - sie sind für Fernverkehr zuständig.<BR></P>

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