Bitterer Abschied für 20 000 Mitarbeiter

- Leverkusen - Für 20 000 betroffene Beschäftigte des Bayer-Konzerns ist es ein schmerzhafter Abschied. Mit der geplanten Abspaltung des Chemiegeschäfts bricht der Leverkusener Chemie- und Pharmariese mit einer langen Tradition.

<P>Vorstandschef Werner Wenning sprach von einem "Meilenstein" in der Neuausrichtung des Konzerns. Konzentration auf profitable Geschäfte, auf Wachstum und Innovation, lautet seine Devise. Die Trennung von der Chemiesparte und Teilen des Kunststoff-Geschäfts bedeutet für die betroffenen Mitarbeiter dagegen den Start in eine ungewisse Zukunft.<BR><BR>Die Identifikation der Belegschaft mit dem Unternehmen wurzelt tief. Bei dem Leverkusener Konzern starteten viele Mitarbeiter - wie Vorstandschef Wenning - mit einer Lehre ins Berufsleben und blieben bei Bayer. Das Unternehmen ist für sie eine große Familie. Das weiß auch der Konzernlenker: "Die Trennung von unserem Chemiegeschäft, und damit von einem Großteil unserer historischer Wurzeln, bedeutet eine einschneidende Veränderung für unseren Konzern." Wenning ist sicher, dass sich die Mitarbeiter in den neuen Strukturen bald zu Hause fühlen werden.<BR><BR>Tatsächlich gibt es zu den Plänen des Vorstands angesichts der Konjunkturflaute und des schwachen Chemiegeschäfts kaum eine Alternative. Das wissen auch die Arbeitnehmervertreter. "Das Herz sagt nein, der Kopf sagt ja", beschreibt Betriebsratschef Erhard Gipperich die Gemütslage der Beschäftigten.</P><P> Eine Ablehnung der Pläne hätte noch mehr Arbeitsplätze gekostet, als ohnehin schon auf der Streichliste stehen. Durch das laufende Einsparprogramm steht allein an deutschen Standorten noch der Abbau von 2500 Stellen bevor.<BR><BR>Von der neuen Chemiesparte unter dem vorläufigen Namen "Newco" will sich Bayer komplett trennen. Bis 2005 soll der Bereich an die Börse gebracht werden - entweder durch ein Angebot an die Bayer-Aktionäre oder einen klassischen Börsengang. Vieles spreche derzeit für die erste Alternative, sagte Finanzvorstand Klaus Kühn. Nach der Abtrennung werde das Unternehmen mit Standort Leverkusen im MDax notiert sein. Mit rund 94 500 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von etwa 22 Milliarden Euro verbleiben rund 80 Prozent der bisherigen Konzerngröße.<BR><BR>Die Entscheidung für die Abspaltung war vor dem Hintergrund tiefroter Zahlen im dritten Quartal getroffen worden. Von Juli bis September musste der Konzern einen Verlust von 123 Millionen Euro verbuchen. Gründe seien Restrukturierungskosten und die schwache Konjunktur. Der Konzernumsatz ging vor allem währungsbedingt um 8,4 Prozent auf 6,8 Milliarden Euro zurück.<BR><BR></P>

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