Bitterer Tag für Opel

- Rüsselsheim - Bei Opel Deutschland sollen nach Informationen des Betriebsrats 10 000 Arbeitsplätze abgebaut werden. Davon entfielen nach Vorstellungen des Vorstands jeweils 4000 Stellen auf die Standorte Bochum und Rüsselsheim.

Das sagte der stellvertretende Betriebsratsvorsitzende des Werks Bochum, Rainer Einenkel, am Donnerstag. In Bochum sollten bereits im kommenden Jahr 3000 Arbeitsplätze abgebaut werden, sagte Einenkel. Weitere 1000 sollten nach den Vorgaben der Unternehmensführung bis 2007 reduziert werden. Davon seien alle drei Opel-Werke in Bochum betroffen. In Rüsselsheim solle der Abbau von 4000 Stellen etwa bis zum Jahr 2008 erfolgen. <P>Der schwedische Autohersteller Saab verliert im Zuge der Sanierungsmaßnahmen 500 Stellen. Das sagte Saab-Chef Peter Augustsson am Donnerstag. Die Stellen würden jeweils zur Hälfte in Produktion und Entwicklung wegfallen. Saab beschäftigt am Standort Trollhättan 5600 Mitarbeiter. Vor einem Jahr seien bereits 1400 Jobs gekürzt worden, betonte Augustsson. </P><P>Der Gesamtbetriebsrat von General Motors hat angesichts des geplanten drastischen Stellenabbaus einen europaweiten Aktionstag für den kommenden Dienstag angekündigt. Dabei gehe es nicht nur um Widerstand, sondern auch um Verhandlungen über ein Konsolidierungskonzept, das zukunftsfähig sei, sagte Reinhard Kuhlmann vom Europäischen Metallgewerkschaftsbund (EMB), am Donnerstag in Frankfurt. Das Wort Streik wolle er nicht benutzen. Den von GM vorgelegten Kürzungsvorschlag mit dem Abbau von 12 000 Jobs nannte er substanzlos.</P><P>Der Opel-Mutterkonzern General Motors hatte zuvor angekündigt, dass in Europa in den nächsten beiden Jahren insgesamt 12 000 Stellen verschwinden sollen. Auch Kündigungen werden nicht ausgeschlossen. Die jährlichen Strukturkosten sollen bis 2006 um etwa 500 Millionen Euro pro Jahr sinken. Im nächsten Jahr würden bereits 90 Prozent des Stellenabbaus umgesetzt, hieß es.</P><P>GM teilte in Detroit mit, in Deutschland würden sowohl Produktion als auch Entwicklung betroffen sein. Etwa 1000 Stellen sollten in bereits ausgelagerten Bereichen abgebaut werden. "Wir werden mit den Betriebsräten konstruktiv an einer Lösung der jetzigen Aufgabe arbeiten", sagte GM-Europa-Chef Frederick Henderson. "Hier geht es nicht um Werksschließungen, dies sind kurzfristige Maßnahmen."</P><P>Zur Zukunft des Bochumer Opel-Werk sagte GM-Europe-Vize Carl-Peter Forster: "Wir müssen Bochum auf ein wettbewerbfähiges Kostenniveau bringen - sonst sieht die Zukunft düster aus." Opel zahle in Deutschland übertarifliche Löhne. Angesichts der Konkurrenzsituation in Europa sei dies "unhaltbar".</P><P>General Motors schließt Kündigungen bei der Sanierung seines Europa-Geschäfts nicht aus. "Aber wir versuchen, andere Lösungen zu finden", sagte Forster. Auch zur mittelfristigen Schließung eines Werks wollte das Unternehmen keine konkrete Stellung nehmen. "Wir können gar nichts ausschließen", sagte Henderson. Zunächst gehe es bei dem Stellenabbau jedoch um kurzfristige Maßnahmen.</P><P>Hintergrund für das Sanierungspaket seien die flaue Nachfrage, der zunehmende Wettbewerb und eine verschärfte Preissituation. "Wir haben den schwachen Markt nicht vorausgesehen", sagte Forster. Die Menschen würden zu wenig ausgeben, die Autohersteller müssten daher hohe Rabatte gewähren. </P><P>Auf GM kämen wegen der Stellenstreichungen 2005 und 2006 Abfindungszahlen zu, deren Höhe und Zeitpunkt von den Verhandlungen mit den Arbeitnehmern abhingen. GM erwirtschaftet seit Jahren hohe Verluste bei seinen europäischen Töchtern Opel, Saab und Vauxhall.</P>

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