Der bizarre Streit um die schwarze Witwe

- München/New York - Auf den Schreibtischen liegt zentimeterdick der giftige Staub. Im Handelssaal im 37. Stock stehen Menschen mit Schutzanzügen. In der ansonsten schwarz verhüllten Fassade klafft ein 14 Stockwerke hohes Loch. "Die Witwe" nennen Anwohner den Wolkenkratzer neben dem zerstörten World Trade Center in New York. Um die Witwe ist ein heftiger Erbstreit ausgebrochen: Der Besitzer Deutsche Bank kämpft gegen den Münchner Allianz-Konzern um jeden Euro Versicherungsleistung.

<P>Als vor zwei Jahren die Doppeltürme des World Trade Centers kollabierten, stürzte ein Teil davon in die Fassade des 40-stöckigen Bankbaus. Die Mitarbeiter kamen mit dem Leben davon, doch die Schäden sind enorm: kaputte Fenster, eingestürzte Zwischendecken, der Dieseltank im Keller ausgebrannt, Schimmelbefall nach dem Einsatz der Sprinkleranlagen. Und überall der Staub, bis zu fünf Zentimeter dick, ein Pompeji der Gegenwart. Die Deutsche Bank will einen Totalschaden geltend machen und abreißen. Mit maximal 1,715 Milliarden Euro soll das Gebäude versichert sein. Ein Bank-Sprecher wollte sich dazu gestern nicht äußern. Die Allianz hingegen behauptet, der Stahl- und Glasbau aus dem Jahr 1974 sei für 170 Millionen Euro zu sanieren. Das wäre deutlich billiger als ein Abriss.<BR><BR>Zunächst hatte die Bank gegen die Stadt geklagt. Über 500 Millionen Dollar wollte das Institut haben - vergeblich. Dann folgte die Klage gegen vier Versicherungen. Mit einer amerikanischen und einer Schweizer Assekuranz einigten sich die Deutschbanker in der Zwischenzeit außergerichtlich. Von 525 Millionen Euro ist die Rede, der Hälfte der Bank-Forderung gegen die Assekuranzen. Allianz und die französische Axa sträuben sich. Die Münchner müssen angeblich für 30 Prozent der Forderungen gerade stehen. Den Rest teilen sich Axa (20), Chubb (30) und Zurich (20).<BR><BR>Die Konzerne stehen derweil unter Druck, ihren bizarren Streit zu beenden: Sollte sich die Auseinandersetzung hinziehen, wären die Pläne für den Wiederaufbau auf Ground Zero gefährdet.</P>

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