Block-Bildung der Billigflieger

München - Der Reiseveranstalter Tui und die Lufthansa wollen ihre Billigfluglinien zusammenbringen. Damit würde es nur noch zwei Lager unter Deutschlands großen Flugunternehmen geben. Die Zeit der extrem niedrigen Preise ist wohl vorbei.

Europas größter Reisekonzern und die größte deutsche Fluggesellschaft wollen der wachsenden Konkurrenz der Billigflieger Paroli bieten. Deshalb haben sie eine Absichtserklärung zu einer Fusion der Tui-Tochter Tuifly sowie der beiden Gesellschaften der Lufthansa-Familie Germanwings und Eurowings unterschrieben, wie gestern mitgeteilt wurde. Einzelheiten müssten noch verhandelt werden. So würde ein Gegengewicht zur stark expandierenden Air Berlin geschaffen. Die großen deutschen Flugunternehmen wären komplett in nur noch zwei Lager aufgeteilt.

Noch vor wenigen Jahren gab es sechs größere Billigflieger in Deutschland: Air Berlin, DBA, LTU, HLX, Hapagfly und Germanwings. Die DBA wurde ebenso wie die LTU von Air Berlin übernommen. Damit bildet Air Berlin einen mächtigen Block im deutschen Flug-Geschäft, zumal das Unternehmen im Februar 2009 auch die Mehrheit an der Chartergesellschaft Condor erwerben wird, nachdem die Lufthansa ihr Vorkaufsrecht hier nicht ausgeübt hat.

Den anderen Block bilden nach dem Willen von Tui und Lufthansa künftig Tuifly - die wiederum aus HLX und Hapagfly entstanden war - zusammen mit Germanwings und dem Regionalflieger Eurowings.

Die Zeit der besonders niedrigen Flugpreise dürfte in Deutschland vorbei sein. "Es wird wohl keinen so harten Preiswettbewerb mehr geben", urteilt Uwe Weinreich, Analyst der Unicredit in München. Ohnehin seien die Preise zuletzt wegen des teuren Öls und verringerter Flugkapazitäten geklettert. Zwar gibt es auch noch internationale Konkurrenz - etwa durch Ryanair und Easyjet ­, doch die sei in Deutschland verglichen mit den beiden großen Blöcken nicht stark.

Für Tui ist der Schritt überfällig: Tuifly hatte schon seit längerem nach einem Partner gesucht. Allein wurden der Gesellschaft in einem Markt, wo alle anderen Partner gefunden haben, kaum noch Überlebenschancen eingeräumt. So meinte etwa die Expertin der Nord/LB, Martina Noß: "Für Tuifly ist es der einzige Weg, wieder in die schwarzen Zahlen zu kommen."

Die Lufthansa könnte mit dem Gemeinschaftsunternehmen ihr Engagement auf dem Billigflugsektor ausbauen. "Diesem Trend kann sich auch die Lufthansa nicht verschließen", sagt Noß. Die größte deutsche Linie könnte damit auf das Streckennetz des früheren Tui-Billigfliegers HLX zurückgreifen. Und da gibt es wenig Überschneidungen mit dem eigenen Ableger Germanwings. Beide Gesellschaften sind kurz nacheinander entstanden und sind sich bei Festlegung von Schwerpunktzielen in ihren Flugplänen bewusst aus dem Weg gegangen. Umso besser können sie sich jetzt ergänzen.

Doch die Motive der Lufthansa liegen nicht ganz so klar auf der Hand. Die Trennung von Condor - gegen Proteste aus der Belegschaft - war als Aufgabe des Freizeitsegments und Konzentration auf das Kerngeschäft gesehen worden. Doch nun beteiligt sich Lufthansa voraussichtlich doch wieder an einer Gesellschaft, die in Teilen direkt für Reiseveranstalter fliegt. Immerhin: Zumindest verhindere Lufthansa damit, dass sich ein anderer Mitbewerber mit Tuifly zusammenschließt und Lufthansa oder Germanwings damit Konkurrenz macht, meint Weinreich.

Rätselhaft ist noch die Rolle des Eurowings-Mehrheitseigentümers Albrecht Knauf. Er hatte vor einiger Zeit der Lufthansa über eine spezielle Vertragskonstruktion gestattet, die unternehmerische Führung von Eurowings komplett zu übernehmen. Allerdings dürfte Eurowings für Knauf ohnehin nicht im Zentrum seiner Geschäfte stehen: Der Dortmunder Unternehmer ist vor allem in der globalen Baustoffzulieferer-Industrie aktiv.

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