Blühende Blüten-Saison in Europa: Fälscher so aktiv wie noch nie

- München - Ein druckfrischer 1000-Euro-Schein, eine 300Euro-Banknote mit lasziv dreinblickender Nackter, 20 Euro in rosa - vor Monaten war in Euroland mit plumpen Fälschungen noch Geld zu ergaunern. Inzwischen sind die Menschen wachsamer geworden - und die Fälschungen besser. Experten bestaunen ein deutliches Blüten-Wachstum.

<P>Erst die ausführliche Überprüfung im Spezialgerät schafft Klarheit: Das Wasserzeichen der Euro-Note hebt sich im UV-Licht ab, ebenso der Sicherheitsfaden - es ist tatsächlich ein falscher Fünfziger. "Wenn man diese Note in der Hand hat und nicht mit einer echten vergleichen kann, tut man sich sicher sehr schwer", räumt Falschgeldexpertin Annemarie Winkler ein. Mittlerweile bekommen die Kriminalhauptkommissarin im Bayerischen Landeskriminalamt (LKA) in München und ihre Kollegen täglich an die 100 zweifelhafte Banknoten zur Prüfung auf den Tisch.</P><P>"Der Euro ist ein lohnenderes Ziel als die Mark." Eduard Liedgens, Landeskriminalamt</P><P>Bei seiner Einführung hatten die Banker den Euro als fälschungssicher gepriesen, doch längst hat er die D-Mark in der Zahl der Fälschungen überflügelt. "Wir haben heute mehr Fälschungen von Euro-Noten als früher von D-Mark-Scheinen", bilanziert der Leiter des LKA-Falschgelddezernats, Eduard Liedgens, zwei Jahre nach der Einführung der neuen Währung.<BR><BR>Auch die Bundesbank registriert einen deutlichen Anstieg der Fälschungen. Schon ein Jahr nach der Euro-Einführung war nach Angaben der Hauptverwaltung München mit zehn Fälschungen pro eine Million echte Banknoten dasselbe Niveau wie bei der Mark erreicht. Im ersten Halbjahr 2003 kletterte die Zahl weiter auf 15 Fälschungen pro Million Scheine. Noch ist die Entwicklung nicht dramatisch, aber muss beobachtet werden, sagt Bundesbank-Sprecher Franz Benedikt.<BR><BR>Mittels moderner Techniken in Serie hergestellte Blüten erreichen Deutschland in immer höherer Auflage. Allein in Bayern erntete die Polizei heuer Blüten im Nennwert von 600 000 Euro, bevor sie in den Zahlungsverkehr gelangten. Im ersten Eurojahr waren es nur wenige Tausend Euro gewesen. Die Zahl der Falschgeldverfahren stieg in diesem Jahr auf 4700 und hat sich damit fast verdoppelt.<BR><BR>Seit Neuestem tauchen neben den gängigeren falschen 50-Euro-Scheinen verstärkt auch große Noten auf. Seit einigen Wochen kursieren zunehmend 100er und 200er, die vermutlich aus osteuropäischen Werkstätten stammen. "Der Euro ist ein lohnenderes Ziel als die Mark - er ist eine Weltwährung", sagt LKA-Experte Liedgens. Die Reproduktionstechniken sind mittlerweile so gut, dass man genau hinschauen muss, um Fälschungen zu erkennen. Scanner, Bildbearbeitungsprogramme und Drucker mit exzellenter Auflösung erlauben den Kriminellen qualitativ hochwertige Fälschungen.<BR><BR>Allerdings steckt in einer guten Blüte auch viel Handarbeit: Silberstreifen und Hologramme müssen eigens aufgebügelt werden, für die je nach Betrachtungswinkel wechselnde Farbe der Zahl auf der Rückseite der Noten muss teure Spezialfarbe verwendet werden. So hat die Euro-Einführung auch in Fälscherkreisen die Preise nach oben getrieben. Rund 40 Prozent des Nennwertes verlangen kriminelle Großhändler laut Liedgens für das Falschgeld - bei der Mark waren es noch unter 10 Prozent.<BR><BR>In den ersten Monaten nach der Einführung der neuen Währung hatte mancher Fälscher auf die Unwissenheit der Verbraucher vertraut. Die meisten der damals bundesweit sichergestellten Blüten waren schlicht am Farbkopierer oder Computer hergestellt und stammten meist von Bastlern und Amateuren.<BR><BR><BR></P>

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Gewinnmitnahmen sorgen für leichtes Minus im Dax
Frankfurt/Main (dpa) - Der Dax hat eine turbulente Handelswoche leicht im Minus beendet. Nachdem der klare Ausgang der französischen Parlamentswahl und die Rekordjagd an …
Gewinnmitnahmen sorgen für leichtes Minus im Dax
Streit um Alnatura-Markenrechte beigelegt
Bickenbach/Karlsruhe (dpa) - Der Dauerstreit um die Rechte an der Bio-Marke Alnatura ist beigelegt. Der Gründer der Drogeriekette dm, Götz Werner, hat eine entsprechende …
Streit um Alnatura-Markenrechte beigelegt
Niedrigere Schienen-Maut soll Güterzüge voranbringen
Wie kommt mehr Frachtverkehr von den überlasteten Autobahnen auf die umweltfreundlicheren Bahnschienen? Der Bund gibt nun einen finanziellen Impuls.
Niedrigere Schienen-Maut soll Güterzüge voranbringen
Studie: Mütter arbeiten nach Elternzeit schneller wieder
Vor zehn Jahren wurde das Elterngeld eingeführt. Seitdem scheint es vor allem für Mütter attraktiver geworden zu sein, in Elternzeit zu gehen. Arbeitgeber und …
Studie: Mütter arbeiten nach Elternzeit schneller wieder

Kommentare