Zukunftsfähig durch Innovation: Audi-Produktion in Ingolstadt
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Zukunftsfähig durch Innovation: Audi-Produktion in Ingolstadt.

Studie

Audi, BMW und Co.: In diesen zwei Bereichen müssen die bayerischen Konzerne künftig noch besser werden

  • Martin Prem
    vonMartin Prem
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Wie sind die Perspektiven für den Autostandort Bayern? Gut, sagt eine Studie, wenn sich die Branche dem Strukturwandel stellt. Der Knackpunkt lautet Zukunftstechnologien.

München – Bayern mit BMW, Audi, MAN und vielen bedeutenden Zulieferbetrieben ist ein Autoland. 5,8 Prozent aller Erwerbstätigen im Freistaat hängen direkt oder indirekt am Automobil oder – wie es heute oft heißt – am „Auto-Cluster“. Doch wie entwickelt sich das in der Zukunft? Je mehr sich Bayern dem Wandel stellt, mit Elektromobilität, automatisiertem Fahren und Vernetzung, umso besser.

Das ergab eine Studie des arbeitgebernahen Instituts IW Consult und des Fraunhofer-Instituts für Arbeitswirtschaft und Organisation im Auftrag der Vereinigung der Bayerischen Wirtschaft (vbw). Je nach Szenario ist bis 2030 ein durchschnittliches Wachstum von 6,7 Prozent im Jahr drin. Es könnte aber auch zu einer Schrumpfung von jährlich im Schnitt 1,7 Prozent kommen.

Bayerns Autoindustrie: Große Kompetenz bei Automatisierung und elektrische Antriebe

Den günstigsten Fall kann Bayern aus eigener Kraft gar nicht erreichen. Er tritt ein, wenn das eigene Auto gesellschaftlich an Bedeutung verliert und dafür innovative Dienstleistungen, also Fahrdienstleister oder Car-Sharing entsprechend zulegen. Die Forscher Karl Lichtblau, Florian Hermann und Florian Albert sprechen vom MaaS-Szenario (MaaS steht für Mobilität als Dienstleistung). In diesem Fall gibt es zwar weniger Autos, die aber sind höherwertig, weil elektrisch und weitgehend automatisiert. Auf diesen Feldern ist Bayern gut gerüstet.

Doch auch wenn die Entwicklung nicht in Richtung MaaS-Szenario verläuft, steht Bayern gut da. Auch in diesem Fall werden die stärksten Zuwächse bei Automatisierung und elektrischen Antrieben erreicht. „Die bayerischen Unternehmen haben auf den Feldern überdurchschnittlich hohe Marktanteile, in denen weltweit die höchsten Wachstumsraten erreicht werden“, heißt es in der Studie. 5,5 Prozent durchschnittlicher Zuwachs sind dann bis 2030 zu erwarten.

Hier könnte Bayern aber noch eine Schippe drauflegen, indem es beim Wechsel zu Zukunftstechnologien an Tempo zulegt. Im Szenario „Bayern ist Vorreiter“ werden die Mühen mit einem durchschnittlichen Wachstum von 6,3 Prozent belohnt. „Für das bayerische Auto-Cluster gibt es eine klare Botschaft: Ein schnellerer Wandel hin zu elektrifizierten und hochautomatisierten Fahrzeugen führt zu höheren Marktvolumen“, so die Studie.

Autoindustrie in Bayern: Gleichbleibender Antriebsmix auch in der Zukunft? Unwahrscheinlich

Man kann es aber auch anders machen: Der Antriebsmix bleibt gleich und auch bei der Automatisierung wird der Stand von heute eingefroren. Als „wenig realistisch“ bezeichnen die Studien-Autoren eine solche Entwicklung unter dem Motto „Bayern bleibt stehen“. Das Szenario „soll kein Zukunftsleitbild beschreiben, sondern im Gegenteil zeigen, wie hoch die Kosten eines verweigerten Strukturwandels wären“. Lediglich 2,6 Prozent mehr im Jahr prognostizieren die Forscher.

Man kann aber auch zurückfallen. So haben die Studienautoren auch ein Szenario betrachtet, bei dem Bayern bis zum Jahr 2030 immerhin 40 Prozent seiner weltweiten Marktanteile verliert. Dann erleidet der bayerische Auto-Cluster Jahr für Jahr einen Rückgang um durchschnittlich 1,7 Prozent.

Autonomes Fahren vermutlich auch im Jahr 2030 noch nicht massentauglich

Die Studie ist ein Update zu einem zwei Jahre alten Papier, das schon einmal die automobilen Megatrends analysiert und nun fortschreibt. „Die Ergebnisse zeigen, dass das Umfeld schwieriger geworden ist“, sagt vbw-Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. Bayern profitiere aber nach wie vor davon, dass die bayerischen Unternehmen stärker auf die wachsenden Segmente ausgerichtet sind. „Das ist allerdings keine Position, auf der wir uns ausruhen können“, warnt Brossardt.

Dass 2030 die ganze Welt elektrisch fährt und der Fahrer derweil ein Nickerchen machen kann, ist nicht zu erwarten. Die Studie geht zwar davon aus, dass weltweit die Zahl der produzierten batterieelektrischen Autos bis 2030 von 1,5 auf 22,4 Millionen Autos steigt. Aber immer noch fahren dann mehr als doppelt so viele – 56,2 Millionen – Neuwagen mit Verbrennungsmotor. Und der Marktanteil von Autos, die keine Fahrer brauchen, steigt laut der Studie auf 1,5 Prozent.

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