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Die Zahl der Leiharbeiter ist bei BMW seit Jahren höher als bei vielen anderen Autobauern.

Im Münchner Stammwerk

BMW baut massiv Leiharbeiterstellen ab

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München - BMW will einen Teil seiner Leiharbeiter im Münchner Stammwerk übernehmen. Nicht wenige müssen dagegen gehen.

BMW wird noch in diesem Jahr die Zahl seiner Leiharbeiter im Münchner Stammwerk deutlich verringern. Das berichten übereinstimmend Arbeitnehmervertreter. Der Premiumhersteller wolle sich von einem Teil seiner Zeitarbeitskräfte trennen, ein anderer Teil soll Festanstellungen angeboten bekommen. Unter dem Strich wird damit der Anteil der Zeitkräfte in der hiesigen Produktion deutlich sinken.

Allein im Werksteil „Technische Montage“ reduziert BMW die Zahl der Zeitarbeiter Betriebsräten zufolge bis Ende des Jahres von derzeit rund 1200 auf etwa 500. Von den 700 Betroffenen würde keiner übernommen, behaupten mehrere Belegschaftsvertreter. Von den verbleibenden 500 Leiharbeitern würden dann 150 eine der begehrten Festanstellungen bekommen. Im technischen Bereich sind laut Arbeitnehmervertretern 2700 bis 2800 fest angestellte Mitarbeiter beschäftigt – Im Sommer seien ihnen dort etwa 1500 Leiharbeiter gegenübergestanden.

Die IG Metall bestätigt, dass „in großem Umfang Leiharbeiter gehen müssen“. Eine Ursache sei die bevorstehende Kürzung der Sonderschichten am Münchner Standort. Diese sei auch Folge von auf hohem Niveau sinkenden Absätzen der in München produzierten Modelle. Im gesamten Werk sind laut Gewerkschaft aber in den kommenden Monaten auch hunderte Übernahmen von Leiharbeitern geplant. Auf das Gesamtjahr 2014 gerechnet gebe es mehr als 1000 Einstellungen, wenn man auch die Altersfluktuation hinzurechne. „Ein großer Teil davon sind ehemalige Leiharbeiter“, sagt Horst Lischka, Chef der IG Metall München. Er lobt die „vielen Übernahmen“. Zugleich findet er deutliche Worte für den geplanten Stellenabbau: „Die Leiharbeiter sind immer die ersten, die bei konjunkturellen Schwankungen gehen müssen.“ Sie müssten jetzt bangen, weil BMW bislang zu wenige von ihnen festangestellt habe.

Ein Konzernsprecher bestätigt, dass sich die Zahl der eingesetzten Zeitarbeitskräfte im weiteren Verlauf des Jahres verringern werde. „Wir werden im Werk München in diesem Jahr 500 Mitarbeiter zusätzlich fest einstellen“. Wie mit dem Betriebsrat vereinbart seien dies fast ausschließlich bisherige Zeitarbeiter.

Wie viele Leiharbeiter den derzeit etwa 7400 Festangestellten aktuell im Münchner Werk gegenüberstehen und wie viele davon übernommen werden oder den Konzern verlassen müssen, wollte der Sprecher nicht sagen. Klar ist lediglich, dass die Zahl der Leiharbeiter im Münchner Werk vierstellig ist. BMW äußert sich prinzipiell nicht zur Zahl seiner Zeitarbeiter. Einem internen Dokument zufolge, das unserer Zeitung vorliegt, waren am gesamten Münchner Standort, zu dem auch das Forschungs- und Entwicklungszentrum gehört, vor einem Jahr gut 7000 Leiharbeiter beschäftigt.

Nach Angaben des BMW-Sprechers habe der Autobauer 2014 bereits die meisten für das Gesamtjahr geplanten Sonderschichten „gefahren“. Dadurch seien Instandhaltungs- und Umbaumaßmaßnahmen aufgeschoben worden. Diese würden nun vermehrt im letzten Quartal abgearbeitet, weshalb Sonderschichten entfielen.

Betriebsräte betonen allerdings, dass die in vielen Regionen schwieriger werdende Konjunktur erheblichen Einfluss auf die geplante Reduzierung von Sonderschichten und Leiharbeitern habe. Wie unsere Zeitung aus dem Unternehmensumfeld erfuhr, lag die Zahl der in München produzierten Autos im August etwas unter dem sehr hohen Niveau des Vorjahresmonats. Zudem waren im ersten Halbjahr aufgrund eines Modellwechsel weit mehr Schichten und damit auch Leiharbeiter erforderlich. Die Zahl der Sonderschichten in München soll nun jedenfalls, wie es aus dem Betriebsrat heißt, „noch weit deutlicher reduziert“ werden als zuletzt bekannt wurde.

Aus Arbeitgeberkreisen heißt es immerhin, der Anteil der Leiharbeiter, die in die Stammbelegschaft übernommen werden, sei größer als der derjenigen, die den Autobauer bis Jahresende verlassen müssen.

Betriebsratschef Manfred Schoch wollte sich auf Anfrage nicht äußern. Seit Jahren kämpfen Betriebsrat und Gewerkschaft für eine deutliche Verringerung der Leiharbeit, die bei dem Konzern im Vergleich zu anderen Autobauern besonders hoch ist. Betriebsrat und IG Metall haben dem Konzern 2012 abgerungen, dass die Leiharbeitsquote in den deutschen Werken ab 2015 im Jahresdurchschnitt auf verpflichtend maximal zwölf Prozent sinken soll. Zuletzt lag die Quote jedoch weit höher.

Zeitarbeitskräfte verdienen bei BMW allerdings immerhin deutlich besser als bei den allermeisten Betrieben. Zudem ist die Leiharbeitsquote dort auch deshalb so hoch, weil bestimmte Bereiche wie etwa die Sitzeproduktion anders als bei vielen Konkurrenten bislang nicht oder nur teilweise fremdvergeben werden.

Tobias Lill

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