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BMW peilt erneut Rekorde an. Doch die Zahlen fürs zweite Quartal 2012 ernüchterten die Anleger.

BMW-Chef Reithofer warnt vor Euro-Aus

BMW verteidigt den Euro gegen Kritik von vielen Seiten. Eine Rückkehr zur Mark hätte dramatische Folgen für die Exportnation Deutschland, sagte Konzernchef Norbert Reithofer gestern bei der Vorlage der Halbjahreszahlen. Diese wurden an der Börse nicht gut aufgenommen.

Von Martin Prem

München – Der Blick auf Südeuropa macht Norbert Reithofer gar keine Freude: Spanien minus zehn Prozent. Italien minus 12,5 Prozent. Zahlen über Portugal oder gar Griechenland will der BMW-Chef gar nicht erst nennen. Da trösten auch die erfreulichen Zuwächse in den USA sowie in China und anderen Schwellenländern nicht wirklich. „In Europa verkaufen wir immer noch rund die Hälfte unserer Fahrzeuge“, sagt Reithofer. Und deshalb macht er sich um die Zukunft Sorgen. „Wir stehen zu Europa“, sagt er.

Falls die Verwerfungen zwischen Nord und Süd ein Ende der Euro-Zone herbeiführen würden, sieht Reithofer eine Katastrophe über den Kontinent hereinbrechen. „Eine neue Mark würde drastisch aufwerten. Nicht nur gegenüber anderen europäischen Währungen, sondern auch gegenüber dem chinesischen Renminbi und dem US-Dollar.“ Autos aus deutschen Werken könnten im globalen Wettbewerb nicht mehr mithalten. „Der Währungsraum mit 17 Staaten vergrößert unseren Heimatmarkt“, sagt Reithofer.

In Deutschland konnte BMW im ersten Halbjahr 2012 noch 151 280 Fahrzeuge ausliefern, etwas mehr als jedes sechste Auto, das BMW im gleichen Zeitraum gebaut hat. BMW drängt auf die Rettung des Euro. Aber Reithofer macht auch klar, dass dies „nicht zulasten der Geldwertstabilität gehen darf“.

Im innerbayerischen Wettbewerb hat BMW einige Mühe sich den Ingolstädter Konkurrenten Audi vom Leib zu halten. Zwar konnte BMW im ersten Halbjahr 2012 noch einmal um 67 173 Fahrzeugverkäufe zulegen auf den Rekordwert von 900 539. Doch Audi machte den größeren Sprung mit 80 345 auf insgesamt 733 237 Verkäufe und holt damit weiter auf. Auch bei der Marge von 11,6 Prozent liegt BMW nur noch ganz knapp vor Audi (11,5 Prozent).

Als BMW-Finanzvorstand Friedrich Eichiner auch noch die Renditeerwartungen fürs Gesamtjahr von acht bis zehn Prozent nennt, ist er bei vielen Aktionären erst einmal unten durch. Er wiederholt damit nur eine bekannte Prognose. Doch das kommt bei den Anlegern nicht gut an. Sie schicken die BMW-Aktie zeitweise um fünf Prozent nach unten. Zur schlechten Stimmung trägt auch das jüngste – um 19 Prozent gesunkene – operative Quartalsergebnis bei. Da kann Eichiner noch so oft darauf verweisen, dass die 2,8 Milliarden, die BMW im zweiten Quartal 2011 verbuchte, nur durch einen Sondereffekt erreicht wurden und die 2,3 Milliarden 2012 voll im Plan sind – die BMW-Aktie blieb gestern das Schlusslicht im Dax.

Dagegen hatten die BMW-Beschäftigten gestern nicht an schlechten Nachrichten zu kauen. Von Kurzarbeit, wie sie andere Hersteller bereits planen, sei „gar keine Rede“, sagt Reithofer. Die Auslastung in den Werken sei „weiterhin hoch“. Und auch viele Zeitarbeiter können nun mit einer besseren Perspektive rechnen. Die Verhandlungen mit dem Betriebsrat, der möglichst viele davon zu Stamm-Mitarbeitern machen will, laufen noch.

Auch die Zahl der Produktionsstätten nimmt zu. Nachdem das Mini-Werk im englischen Oxford nach mehrfachen Erweiterungen kaum noch wachsen kann und man den Verkaufsrenner Countryman und das Coupé Paceman schon beim österreichischen Auftragsfertiger Magna-Steyr bauen lässt, will BMW für weitere Mini-Modelle einen zweiten Auftragsfertiger an Bord nehmen: Nedcar in den Niederlanden. Dagegen tritt BMW in Brasilien auf der Stelle. Dort soll ein neues BMW-Werk entstehen. Doch die Regierung in Brasilia lässt die Autohersteller mit einem Gesetz über die steuerliche Behandlung von Importfahrzeugen hängen. So gibt es vorerst auch keine Investitionsentscheidung. „Die Gespräche sind konstruktiv“, sagt Reithofer. Eine Floskel, mit der man diplomatisch ausdrückt, dass gerade gar nichts vorangeht.

Auch von der eigenen Bundesregierung wünscht sich Reithofer etwas mehr Ehrgeiz: „Anreize und Impulse für die Elektromobilität“, fordert er. Denn noch weiß keiner, wie die Regierung ihre hochgesteckten Ziele erreichen will. BMW steht bereit. Im nächsten Jahr kommen mit dem i3 und dem i8 die ersten entsprechenden Fahrzeuge. Bisher ist noch nicht klar, wie Elektroautos bei den vorläufig kaum erschwinglichen Kosten für die Batterien den Marktdurchbruch schaffen sollen. Reithofer drängt darauf, hier zu investieren: „Wenn es gelingt, unser Land zur Speerspitze der Elektromobilität zu machen, profitieren wir alle.“

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