Autoindustrie

BMW vor Einigung: Kürzere Pausen, mehr Jobs

Der Betriebsrat trotzt BMW bei den Verhandlungen um das Sparpaket Gegenleistungen ab. Der Autobauer schafft neue Stellen und investiert massiv in seine bayerischen Werke. Dafür müssen die Mitarbeiter etwas länger arbeiten.

Noch ist es nicht ganz sicher: Doch offenbar scheinen die seit Monaten dauernden zähen Verhandlungen zwischen den Arbeitnehmervertretern bei BMW und der Konzernführung um das mehrere hundert Millionen Euro umfassende Sparprogramm in den deutschen Werken unmittelbar vor dem Abschluss zu stehen.

Nachdem sich der Autobauer bereits mit den Betriebsräten in Dingolfing und Regensburg auf Kürzungen bei den Sonderleistungen für die Mitarbeiter geeinigt hat, zeichnet sich nun auch in München eine Lösung ab: Wie ein Sprecher des dortigen BMW-Betriebsrats mitteilte, habe man im Streit um die Pausen eine Lösung erzielt (wir berichteten). Auf Nachfrage unserer Zeitung teilte der Betriebsrat heute mit, künftig würden statt 50 nur mehr 45 Minuten bezahlt. Zudem muss die Belegschaft ein weiteres Opfer bringen: Wie unsere Zeitung aus dem Unternehmensumfeld erfuhr, gibt es Pläne, die Bezahlung von Feiertagen, die nicht in die Vier-Tagesschichten fallen, künftig anders zu berechnen. Dies könnte spürbare Einbußen für die betroffenen Kollegen zur Folge haben. „In diesem Punkt ist aber noch nichts Definitives entschieden“, sagte ein Betriebsrat.

Alles in allem war der monatelange Widerstand der Münchner Betriebsräte aber offenbar erfolgreich: Schließlich hatte der Konzern laut Arbeitnehmervertretern ursprünglich sehr viel weitergehende Forderungen. So plante das Unternehmen Arbeitnehmervertretern zufolge, Sonderleistungen in den Werken wie etwa bezahlte Erholungs- und Brotzeitpausen deutlich zu reduzieren oder gleich ganz abzuschaffen. In der Landeshauptstadt standen neben den bezahlten Ruhepausen beispielsweise offenbar auch Samstagszuschläge im Visier des Konzerns.

Für die eher geringen Zugeständnisse bei den Pausen soll der Münchner Betriebsrat eine Reihe von Gegenleistungen erhalten. „Mindestens 700 Millionen Euro werden in das BMW Stammwerk München in den kommenden Jahren investiert“, sagt dessen Sprecher Erwin Thoma. Hierdurch entstünden neben den 7400 bestehenden weitere 400 Arbeitsplätze. Das Geld werde in einen modernen Rohbau, in die Erweiterung des Karosseriebaus, in den Ausbau der Montage und in eine neue Lackiererei investiert. „Ein klares Bekenntnis von BMW zum Stammwerk München“, freut sich Münchens IG-Metall-Boss Horst Lischka.

Allerdings ist der Kompromissvorschlag für eine Betriebsvereinbarung noch nicht unterschrieben. Wie es aus Unternehmenskreisen heißt, sind noch einige Detailfragen ungeklärt. „Wir sind aber auf der Zielgerade“, so BMW-Sprecher Jochen Frey. Er wollte sich zu Einzelheiten der möglichen Vereinbarung nicht äußern, sagte aber: „Wir werden in den kommenden Jahren eine dreistellige Millionensumme in das Münchner Werk investieren.“

An den anderen bayerischen Standorten gab es weit mehr Kritik an den abgeschlossenen Vereinbarungen. Zwar will BMW auch in Dingolfing und Regensburg hohe Millionensummen investieren, um beide Werke fit für die nun zugesagten neuen Produktionsreihen zu machen. Doch das Spardiktat traf die dortige Belegschaft so wie es jetzt aussieht weit härter als ihre Münchner Kollegen. Demnach wird der Autokonzern den Regensburger Mitarbeitern künftig die tägliche 15-minütige Brotzeitpause nicht mehr bezahlen.

Und auch in Dingolfing werden ab 2015 sieben Minuten weniger an Pausenzeiten vergütet. Hinzu kommen weitere Einsparungen, weshalb die örtlichen Betriebsräte von „schmerzhaften“ Einschnitten sprechen. Und das, obwohl im 9000 Mitarbeiter zählenden Regensburger Werk in den kommenden zwei Jahren immerhin 750 neue Stellen geschaffen werden sollen – deutlich mehr als in München. In Dingolfing dürften als Folge des Sparprogramms sogar gut 1000 Jobs entstehen. Mit den beschlossenen Kürzungen bei den Personalkosten wird BMW ab 2015 allein in Dingolfing und Regensburg Betriebsräten zufolge jährlich einen mittleren zweistelligen Betrag einsparen.

Insgesamt hatte der Konzern hochrangigen Arbeitnehmervertretern zufolge zu Beginn der Verhandlungen Einsparungen von etwa 100 Millionen Euro jährlich in seinen deutschen Werken verlangt. Auch wenn der Konzern nun wohl spürbar unter dieser Marke bleiben dürfte, gibt es in der Belegschaft darüber Unmut, dass überhaupt Opfer gebracht werden sollen. Schließlich eilt BMW von einem Verkaufsrekord zum nächsten. Im August setzte der Autokonzern 145 902 Autos ab. Das waren nach Angaben von BMW 4,5 Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum.

VON TOBIAS LILL

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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