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Weltpremiere des BMW i3: BMW enthüllt sein Milliarden-Projekt zeitgleich in New York, London und Peking.

Konzern stellt den i3 vor

Elektro-Revolution bei BMW

London/München - Mit dem i3 stellt BMW erstmals ein Auto in drei Kontinenten gleichzeitig vor. Nun muss sich das neue Elektroauto am Markt behaupten. Doch eines hat der i3 schon erreicht: Er hat den Münchner Konzern verändert.

Noch nie wurde ein Auto mit so viel Aufwand der Öffentlichkeit vorgestellt. Scheibchenweise lüftete BMW in den letzten Jahren den Schleier über dem Megacity Vehicle i3, das in Leipzig schon in Serie vom Band lief, während die fertigen Fahrzeuge noch immer mit Resten an Tarnfolie dekoriert wurden. Auch große Teile des Innenraums blieben dem Licht der Öffentlichkeit – durch Planen verdeckt – bisher weitgehend verborgen.

Seit gestern ist die Geheimniskrämerei beendet. Zeitgleich stellten die BMW-Vorstände Norbert Reithofer und Peter Schwarzenbauer in New York, Herbert Diess und Ian Robertson in London und Friedrich Eichiner in Peking das Fahrzeug vor, das ab Herbst für 34 950 Euro zu kaufen sein wird. 800 Millionen Euro hat der Konzern, so Diess, allein in die Produktionsketten für die Karosserie aus Karbonfasern in Moses Lake (USA), Wackersdorf, Landshut und Leipzig investiert. Elektro-Antriebsstrang, Steuerungselektronik und andere Neuerungen kommen noch dazu. Auf zwei bis drei Milliarden Euro schätzen Experten die gesamten Entwicklungskosten. Das sind Zahlen, zu denen BMW eisern schweigt.

Aber die geleisteten Entwicklungsarbeiten dienen nicht nur diesem Auto, sagt Entwicklungsvorstand Diess. Die elektrischen Komponenten werden bald in Plugin-Hybrid-Varianten der normalen BMW-Baureihen zu kaufen sein. Und Karbonfasern werden künftig auch in Standard-Baureihen eingesetzt.

Allerdings wird es eine komplette weitere Karosserie aus Karbonfasern nach dem i3 und dem im nächsten Jahr kommenden Sportwagen i8 vorerst nicht geben. Und damit auch kein neues „i“-Modell. „Wir gehen jetzt nicht so schnell in weitere Derivate“, sagt Diess. Immerhin habe sich der Konzern von i1 bis i9 alle denkbaren Namens-Varianten sichern lassen. Mit dem viersitzigen i3 seien Anforderungen an die Mobilität der Zukunft abgedeckt. Und der i8 werde „den Sportwagenbau revolutionieren“, so Diess.

Nun wird erst einmal abgewartet, wie die Kunden die Revolution aufnehmen. Ein Problem glaubt BMW den Fahrern zumuten zu können: Die rein elektrische Reichweite von nur 130 bis 160 Kilometern. Den meisten reicht das sogar für mehrere Tage, sagt Vertriebsvorstand Robertson. Dennoch wird der i3 mit einem kleinen Zusatz-Benzinmotor angeboten, der unterwegs die Batterie nachlädt und so die Reichweite verdoppelt.

Wegen des Reichweiten-Problems haben sich andere Autohersteller von rein elektrischen Konzepten verabschiedet (siehe Kasten). Vorschnell, wenn man Diess glaubt. Er spricht beim i3 von einem „Gesamterlebnis, das schwer zu kopieren sein wird“. Den Vorsprung, den sich BMW in der Elektromobilität erarbeitet hat, beziffert er auf mehrere Jahre. Man habe das Auto gewissermaßen neu erfunden, sagt der Chefentwickler des Konzerns, der vor allem als Motor für den Einsatz der Karbonfasertechnologie gilt, deren Gewichtsvorteile die Nachteile der schweren Batterie ausgleichen sollen. „Kein Stein wurde dabei auf dem anderen gelassen.“

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Unabhängig vom kommerziellen Erfolg des neuen Fahrzeugs hat dieses nach Einschätzung des Entwicklungschefs den Konzern, der in drei Jahren 100 Jahre alt wird, grundlegend verändert. Nie vorher hatten Entwickler so viel Freiraum, neue Ideen einzubringen. Und trotzdem habe sich da kein Unternehmen im Unternehmen gebildet. „Alle sind in der Organisation verankert“, sagt Diess über die i3-Teams. Die mit dem i3 entwickelte enge Anbindung des Autos an Smartphone-Technologie, im BMW-Jargon „Connected Drive“ genannt, soll Schritt für Schritt in den Alltag auch der Fahrzeuge ohne „i“ einziehen.

Auch die Vertriebsprozesse, mit denen BMW für das neue Auto Neuland betritt, werden sich im Windschatten des Elektroautos in Richtung Internet bewegen. Die Revolution, von der Konzernchef Reithofer sprach, wurde gestern nicht abgeschlossen. Sie soll jetzt erst richtig losgehen.

Martin Prem

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