„Halbleere Fabriken“: Prof. Ferdinand Dudenhöffer warnt vor verfrühtem Optimismus.
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„Halbleere Fabriken“: Prof. Ferdinand Dudenhöffer warnt vor verfrühtem Optimismus.

Staatshilfe für krisengeschüttelte Automobil-Industrie

Autopapst macht drastischen Vorschlag: „Das würde Mercedes, BMW, Audi und Porsche wirklich helfen“

  • Thomas Schmidtutz
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Vor dem Autogipfel am Dienstag läuft die Debatte über weitere Hilfen für die krisengebeutelte Industrie auf Hochtouren. Jetzt schaltet sich Autopapst Prof. Dudenhöffer ein - mit einem drastischen Vorschlag.

  • Am Dienstag ist der nächste Autogipfel.
  • Neben Bundeskanzlerin Angela Merkel und einigen Ministerpräsidenten sind auch die Chefs der Autobauer dabei.
  • Die Lage sei ernst, warnt Autopapst Prof. Ferdinand Dudenhöffer, weitere Hilfen für die Branche unabdingbar.

München - Der Chef des Center for Automotive Research (CAR), Prof. Ferdinand Dudenhöffer, hat sich für eine drastische Senkung der Mehrwertsteuer ausgesprochen. Ein dauerhafter Mehrwertsteuersatz von zehn Prozent auf alle Produkte ab 10.000 Euro würde bei Mercedes, BMW, Audi und Porsche „wirklich Nachfrage-Impulse“ auslösen, sagte Dudenhöffer im Vorfeld des Autogipfels am Dienstag Merkur.de*.

Im Kampf gegen die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie hatte die Bundesregierung zum 1. Juli die Mehrwertsteuer bis zum Jahresende auf 16 Prozent gesenkt. Ab 2021 soll wieder der frühere Mehrwertsteuersatz von 19 Prozent gelten.

BMW, Audi, Mercedes: Dudenhöffer - Annahme einer schnellen Erholung der Autoindustrie war „naiv“

Dies hält Dudenhöffer für fatal. Annahmen vieler Wirtschaftsforschungsinstitute und des Sachverständigenrats, wonach sich die deutsche Wirtschaft nach der Corona-Pandemie schnell wieder erholen könnte, seien „naiv“. Viele Fabriken seien halbleer. Es werde „lange dauern, bis die Branche wieder ihre früheren Niveaus“ erreichen könne, sagte der CAR-Chef am Montag.

Erst am Wochenende hatte der bayerische Ministerpräsident Markus Söder (CSU) erneut Stützungsmaßnahmen für die Automobil-Industrie ins Spiel gebracht. Danach sollten Käufer eines Neuwagens staatlich gefördert werden. „Denkbar wäre ein Recycling-Modell: Alt gegen neu mit Hilfsmaßnahmen zu begleiten, wenn es zur Reduktion von CO2 führt - unabhängig vom Antrieb“, hatte Söder in einem Interview mit der dpa gesagt.

BMW, Audi, Mercedes: Dudenhöffer - Tauschprämie in Corona-Krise nicht der richtige Weg

Eine Nachfragestützung wäre „sehr wichtig“, sagte auch Dudenhöffer. Allerdings wandte er sich gegen den Vorschlag einer Tauschprämie. Erheblich wirksamer sei eine Reduzierung der Mehrwertsteuer um neun Prozentpunkte.

Mit der im Frühjahr beschlossenen Verdoppelung der staatlichen Kaufprämie ging Dudenhöffer hingegen hart ins Gericht. Das Programm sei „ein großer Fehler“. Insgesamt erreiche der Bund mit der E-Auto-Prämie in „der größten Konjunkturkrise seit dem Zweiten Weltkrieg weniger als zehn Prozent des Markts“. Zudem habe die E-Autoprämie „nichts als lange Lieferzeiten“ produziert, die zum Teil deutlich über einem Jahr lägen.  

Die deutsche Automobil-Industrie steckt wegen der Corona-Pandemie in einer tiefen Krise. Von Januar bis August sind die Absatzzahlen um rund 29 Prozent eingebrochen. Am schlimmsten hat es die Zulieferer erwischt. Erst vor wenigen Tagen hatte Continental eine Verschärfung des geplanten Sparprogramms angekündigt. Alleine in Deutschland stehen statt der ursprünglich angekündigten 7000 Stellen jetzt 13.000 Jobs auf der Kippe.   

*Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

Der neue vollelektrische ID.3 von VW kam bei der Fachpresse nicht gut an - auch Elon Musk zeigte sich wenig begeistert.

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