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Am Standort München (im Bild die Konzernzentrale) wurde lange zwischen Arbeitnehmervertretern und Firmenleitung um die Niederlassungen von BMW gerungen. Der befürchtete Stellenabbau scheint nun aber auszubleiben.

Schutz vor Gehaltseinbußen

BMW: München und Nürnberg werden zusammengelegt

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München - BMW hat seine bayerischen Niederlassungen zusammengelegt. Eine Betriebsvereinbarung schützt die Mitarbeiter vor spürbaren Einschnitten beim Gehalt. Und auch Sorgen wegen eines möglichen Stellenabbaus scheinen bislang unbegründet.

Die Befürchtungen der zuletzt 1530 Mitarbeiter der Münchner BMW-Niederlassung wegen eines möglichen Stellenabbaus oder Lohneinbußen waren noch im Mai groß. Damals hatte der Münchner Merkur erstmals über die Pläne des Autobauers berichtet, seine beiden bayerischen Niederlassungen zusammenzulegen. Am 1. Oktober machte der Konzern nach Informationen des Münchner Merkur Ernst – seither gehören die Vertretungen in der Frankenstadt und die an der Isar als Verbund Süd zusammen.

„Bislang ist das aber ein rein formaler Zusammenschluss“, erläutert ein mit dem Vorgang vertrauter Arbeitnehmervertreter. In den kommenden Wochen gelte es nun, die organisatorischen Strukturen der beiden Niederlassungen tatsächlich zusammenzulegen. Das Unternehmen erhoffe sich wohl auch Synergieeffekte bei der Beseitigung möglicher Doppelstrukturen in den Niederlassungen, heißt es aus dem Betriebsrat.

So habe ein laut Arbeitnehmervertretern ursprünglich von BMW erwogenes Referenzmodell für die Zusammenlegung angeblich einen Überhang von gut 90 Stellen vorgesehen. Ob es zu einem Stellenabbau etwa in der Verwaltungsspitze oder zentralen Einkauf komme, werde sich in den kommenden Monaten zeigen. „Das Unternehmen muss hier erst noch mit konkreten Plänen auf uns zukommen“, berichtet ein Betriebsrat. Auch ein hochrangiger bayerischer Arbeitnehmervertreter sagt: „Wir sind ganz entspannt.“ Er gehe nicht davon aus, dass es durch die Fusion zu größeren Einschnitten auf Kosten der Belegschaft komme. Noch zu Beginn des Sommers hatten sich Belegschaftsvertreter dagegen äußerst besorgt gezeigt. Die Münchner Betriebsratsspitze forderte bei einer Mitarbeiterversammlung einen Sozialplan für die bayerischen Standorte. Sogar die Androhung rechtlicher Schritte stand, wie unsere Zeitung erfuhr, im Raum. Schließlich sei das Zusammenlegen zweier Niederlassungen ja eine Betriebsänderung, argumentierte der Betriebsrat damals.

Das Säbelrasseln des von der IG Metall dominierten Belegschaftsgremiums hat sich ausgezahlt. Im September haben BMW und der Betriebsrat der Niederlassung eine Betriebsvereinbarung abgeschlossen. Entsprechende Informationen unserer Zeitung bestätigte ein BMW-Sprecher. Das Dokument bringt den Mitarbeitern ein hohes Maß an Jobsicherheit. „Zudem darf kein Mitarbeiter im Rahmen der Zusammenlegung abgruppiert werden“, sagt ein Betriebsrat. Wenn also aufgrund der Fusion ein Mitarbeiter eine andere Stelle zugewiesen bekomme, weil sein bisheriger Arbeitsplatz aufgrund von Synergien wegfalle, müsse er in der gleichen Gehaltsgruppe bleiben. Auch dürften ihm keine bislang vereinbarten Boni gestrichen werden.

Darüber hinaus hat sich BMW verpflichtet, sämtliche Auszubildenden zu übernehmen, falls diese ausreichende Leistungen erbringen. „In der Praxis wechseln neun von zehn Lehrlingen in die Stammbelegschaft“, freut sich ein Betriebsrat. Zudem habe sich der Hersteller von Premiumautos in der Vereinbarung explizit vom Referenzmodell und dem darin angeblich angedachten Stellenabbau distanziert, lobt er.

Im Münchner Betriebsrat rechnet man erst im kommenden Jahr mit einer Einigung über Details der Zusammenlegung. Klar sei aber schon heute, dass die bisherige Nürnberger Niederlassung künftig nur mehr den Status einer besseren Filiale haben werde. Die Leitung des Verbunds solle von der Landeshauptstadt aus erfolgen. Bei BMW in Nürnberg waren im September 342 Angestellte beschäftigt. Die Schließung oder der Verkauf einzelner bayerischer Filialen gelten, wie es aus dem Unternehmensumfeld heißt, als unwahrscheinlich. Tatsächlich lebt BMW nicht zuletzt vom guten Service seiner Filialen.

Wie bereits im Mai berichtet, strukturiert BMW seinen Vertrieb nicht nur in Bayern um. „Die BMW AG arbeitet kontinuierlich an der Effizienz und Profitabilität seiner Handelsorganisation in Deutschland“, sagt ein Sprecher. In diesem Zusammenhang bilde das Unternehmen aus seinen heute noch 20 Niederlassungen sechs Verbünde. Dadurch würden Abläufe und Strukturen verbessert. „Entstehende Kapazitäten werden auf Service- und Kundenorientierung fokussiert.“ Der Sprecher bestätigte, dass der Verbund Süd die Niederlassungen in München und Nürnberg umfasst.

Dass der Abbau von Niederlassungen nicht unbedingt negative Folgen für die Belegschaft haben muss, zeigt ein Beispiel. So wurde die Saarbrücker Niederlassung Anfang 2013 der Stuttgarter Vertretung zugeschlagen. Damals entstanden sogar neue Jobs, heißt es aus dem dortigen Betriebsrat. „Diesmal könnte es ähnlich laufen.“

Tobias Lill

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