BMW: Münchner Werk spart täglich 65 Tonnen Sondermüll

- München - "Wenn der Chef im 18. Stock des Vierzylinder-Hochhauses seine Hand auf den Tisch legt, kann er die Schläge des Presswerks auf dem angrenzenden Fertigungsgelände fühlen." Diesen Spruch geben Münchner BMW-Mitarbeiter oft zum Besten. Gespür hat der Autokonzern vor allem in punkto Nachhaltigkeit bewiesen: Die Produktion wurde Zug um Zug umweltfreundlicher. Die Konkurrenz hat sich einiges abgeschaut.

<P>In der Lackiererei des BMW-Werks setzt die Karosserie gerade zum so genannten Delfinsprung an. Bevor die Farbe auf das Auto kommt, wird das Stahlblech behandelt. Damit die Bäder aus Wasser oder Säuren auch den kleinsten Winkel am Metall erreichen, neigt sich der Körper und taucht in die Lösung ab. Dabei dreht er sich einmal um die eigene Achse. "Im Durchschnitt haben unsere Modelle 90 Quadratmeter innere und äußere Oberfläche", sagt Manfred Heller, Umweltschutzleiter bei BMW.<BR><BR>Die Bäder werden erst nach einem Jahr komplett ausgetauscht. Dazwischen erhalten die geschlossenen Systeme immer wieder die notwendigen Chemikalien. Früher, so Heller, sei dies bereits nach wenigen Wochen geschehen.<BR>Auf das Stahlblech kommt eine Zink-Phosphatschicht, dann folgt ein kathodischer Tauchlack: Die positiv aufgeladene Karosserie nimmt die gewünschten Stoffe aus der negativ geladenen Flüssigkeit auf.<BR><BR>Schließlich schlägt die große Stunde der Roboter: Präzise öffnen zwei metallische Greifarme die Türen, neigen sich blitzschnell, sprühen mit Luftdruck ein silbriges Grau in die letzte Nische. Wie zwei riesige Arme hantieren die Roboter und arbeiten dabei äußerst umweltfreundlich. "Früher gingen 70 Prozent der Farbe am Auto vorbei", sagt Heller. "Wir mussten die Gitter am Boden und die Scheiben ständig reinigen lassen." Heute verschwinden nur noch 20 Prozent der Farbe im Auffangsystem.<BR><BR>Nach jedem zwanzigsten Auto werden die Sprühköpfe gereinigt. Dazu vergrößert sich der Abstand zwischen den Karosserien auf der Lackierstraße von sechs auf acht Meter. "Der Roboter holt sich die neue Farbe aus dem Keller", sagt BMW-Mitarbeiterin Doris Lönner. Eine zweite Schicht zieht es magnetisch auf das Blech, es folgen Infrarot-Trockner und Klarlack.<BR><BR>Jeden Tag entstehen auf dem Münchner Werksgelände am Olympiapark 800 Autos - Dreier Kompakt und Dreier Limousinen. Dazu 1200 Motoren, etwa für die Modelle M3 und M5. In der Produktion fallen bei jedem Fahrzeug 18 Kilo Sondermüll an - weniger als ein Fünftel der 100 Kilo, die noch vor zwanzig Jahren weggekarrt werden mussten. BMW spart so jeden Tag 65 Tonnen ein.<BR><BR>"Image und Etikette sind ganz gewiss der falsche Ansatz für Nachhaltigkeit", sagt BMW-Vorstand Norbert Reithofer. "Nur wenn ein Unternehmen ökologisch und gesellschaftlich verantwortungsvoll handelt, wird es profitabel bleiben und seine Zukunftskompetenz sichern." Und so hatte BMW 1997 als erster Autobauer Pulverklarlack eingesetzt, der weder Wasser noch Lösungsmittel benötigt. Bei diesem Arbeitsschritt ist der Wasserverbrauch um 25 Prozent gesunken. Insgesamt erfordert der 16-stündige Bau eines Autos 1 m3 Wasser.<BR><BR>In Halle 140 liegt unterdessen ein Patient auf dem Operationstisch. Unzählige Schläuche ragen aus dem Motor eines Dreier. Zu hören ist nicht viel. Der Sechs-Zylinder läuft zwar auf Hochtouren - allerdings ohne Benzin. "Früher wurden die Motoren mit Benzin gefüllt und zwanzig Minuten angelassen", sagt Doris Lönner. Inzwischen sind die Autobauer zum so genannten Kalttest übergegangen: Drei Minuten lang wird ein Elektromotor mit 50 PS angeschlossen. Damit lässt sich genauso gut feststellen, ob alles läuft - nur umweltfreundlicher.</P>

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