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BMW: Autobauer setzt auf Öko-Stahl vom Polarkreis

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Von: Martin Prem

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Roboter arbeiten an der Karosserie von verschiedenen BMW-Modellen im Stammwerk.
BMW will bei künftigen Fahrzeugen auf Öko-Stahl setzen. (Symbolbild) © Sven Hoppe / dpa

Wasserstoff statt Kohle und ausschließlich Ökostrom als Energie – BMW setzt bei Stahl für künftige Fahrzeug-Generationen auf Klimaneutralität.

München – Der Autoverkehr ist einer der größten Verursacher von Treibhausgasemissionen – hinter Energieerzeugung und Industrie. Und innerhalb der Industrie sind die Stahlerzeuger einer der größten Emittenten von Kohlendioxid (CO2).

Bei der Herstellung von einer Tonne Stahl entweichen vier Tonnen CO2 in die Luft. Damit sind Elektroautos, selbst wenn sie ausschließlich mit Ökostrom geladen werden, alles andere als klimaneutral. Das soll sich ändern.

BMW: Ökologischer Stahl vom Polarkreis

Um den Öko-Fußabdruck bei der Herstellung zu reduzieren, setzt BMW* auf Stahl aus Nordschweden, der mit Grünstrom und Wasserstoff hergestellt wird. In der Provinz Norrbotten nahe am Polarkreis baut das Start-Up H2 Green Steel ein gigantisches Stahlwerk, das weitgehend klimaneutral sein soll. Für 2030 ist eine Produktion von fünf Millionen Tonnen vorgesehen. Zum Vergleich: Europas größter Stahlstandort Duisburg kommt auf rund zwölf Millionen Tonnen im Jahr.

Alles was man für eine ökologische Stahlproduktion braucht ist in der Umgebung reichlich vorhanden. Erzlagerstätten, 15 Wasserkraftwerke und in der Nähe entsteht der weltweit größte Windpark an Land. Kostengünstige Energie ist auch dringend nötig. Um den notwendigen Wasserstoff zu erzeugen, wird am Werk von H2 Green Steel der größte Wasserstoffelektrolyseur der Welt errichtet. Er soll das Werk mit gewaltigen Mengen des Gases versorgen.

BMW setzt bei Stahlproduktion auf Wasserstoff und grünen Strom

Warum Wasserstoff? Üblicherweise wird in der Stromproduktion Koks eingesetzt. Der darin enthaltene Kohlenstoff dient vor allem dazu, den im rostroten Eisenerz verbundenen Sauerstoff zu entziehen. Das Problem: So entstehen pro Tonne Stahl vier Tonnen CO2.

Den Sauerstoff kann unter anderen Umgebungsbedingungen auch Wasserstoff aus dem Erz herauslösen. Als Abgas entsteht bei diesem Prozess prinzipiell kein Kohlendioxid, sondern vergleichsweise harmloser Wasserdampf. Eine umweltschonende Alternative, auf die auch andere Autohersteller setzen.

BMW: Nach und nach mehr Ökostahl

Nun kann BMW nicht von heute auf morgen seine langfristigen Lieferbeziehungen aufkündigen. Erst nach und nach fließt mehr und mehr Ökostahl in die Produktion ein. Der Stahl aus Schweden* soll ab 2025 geliefert werden, und für die „neue Klasse“ eingesetzt werden, die geplante Basisarchitektur für batterieelektrische Fahrzeuge von BMW. So soll der Klimafußabdruck nicht nur beim Betrieb, sondern auch in der Produktion sinken. Künftig werden dafür auch andere Lieferanten zur Verfügung stehen. Alle europäischen Stahlproduzenten wollen schnellstmöglich weg von Koks und CO2.

Der Einsatz hat auch Auswirkungen auf die Organisation der Fahrzeugproduktion. Denn Blechreste, die etwa beim Ausstanzen der Türen anfallen, werden wieder nach Schweden gebracht, wo sie dringend gebraucht werden. 60 Prozent Schrott und nur 40 Prozent Erz sind für die klimaneutrale Stahlproduktion notwendig. Und der Schrott muss möglichst sortenrein sein – und am besten aus dem gleichen Werk stammen. Denn Sekundärstahl, der aus unterschiedlichen Legierungen zusammengemischt wird, gilt als minderwertig.

BMW: Klimaneutrale Stahlproduktion in Schweden

Das bedeutet aber auch: Die Variantenvielfalt bei den Stählen muss deutlich zurückgefahren werden. Denn eines ist sicher: Stahl wird auch für Autos der Zukunft unentbehrlich sein. Er wird, so sagt BMW-Einkaufsvorstand Andreas Wendt, „auch für künftige Fahrzeuggenerationen nicht an Bedeutung verlieren“.

Eigentümer von H2 Green Steel sind mehrere Investoren rund um die Vargas-Holding, die auch Hauptanteilseignerin bei Northvolt ist. Northvolt baut derzeit ebenfalls in Nordschweden eine nur mit Grünstrom und Wasserstoff betriebene Gigafactory, aus der BMW ab 2024 Batteriezellen beziehen wird. (mp) *Merkur.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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