Im BMW-Werk Dingolfing gibt es bereits eine Einigung. Gegen Zugeständnisse der Arbeitnehmer sicherte der Konzern zu, dass die Produktion des 6er in Dingolfing bleibt.

Verhandlungen in München abgebrochen?

Tauziehen um Sparplan bei BMW

München – Die Gespräche zwischen BMW und seinen Arbeitnehmervertretern über ein geplantes Sparprogramm in den deutschen Werken verlaufen zäh. Am Münchner Standort sollen die Verhandlungen jüngst sogar abrupt abgebrochen worden sein.

Wie unsere Zeitung bereits Anfang Juni berichtete, plant der Konzern führenden Arbeitnehmervertretern zufolge seine Personalkosten in seinen deutschen Werken ab 2015 jährlich um 100 Millionen Euro zu verringern. Der Autobauer würde dafür gerne auch eine Reihe von Sonderleistungen wie etwa die Bezahlung sogenannter Brotzeitpausen für die Mitarbeiter der Fabriken reduzieren oder gleich ganz abschaffen. Hintergrund für das Sparprogramm ist die Frage, welche Werke aus Unternehmenssicht attraktiv genug sind, um beim Bau künftiger BMW-Modelle zum Zug zu kommen.

Im Münchner Werk soll Arbeitnehmervertretern zufolge ein niedriger zweistelliger Millionenbetrag pro Jahr eingespart werden. Doch die Fronten zwischen Belegschaft und Unternehmensspitze verhärten sich zunehmend. Das geht aus einem internen Newsletter der Münchner IG-Metall-Vertrauensleute bei BMW hervor. In dem Schreiben von Anfang Juli, das unserer Zeitung vorliegt, heißt es, der örtliche BMW-Betriebsrat habe bei der jüngsten Verhandlungsrunde Ende Juni eine Reihe von Gegenforderungen an das Unternehmen gestellt. Eine Voraussetzung für die Zustimmung der Arbeitnehmervertreter zu möglichen Einsparungen sei etwa, dass die Stammbelegschaft bis 2015 vergrößert werde und dieser Personalstand langfristig erhalten bleibe. Eine zusätzliche Forderung des Betriebsrats: Der Premiumhersteller soll schriftlich zusichern, keine weiteren Produktionsbereiche fremd zu vergeben – so ist etwa schon länger eine Auslagerung der Sitzfertigung und der Logistik im Gespräch. „Daraufhin hat das Unternehmen die Verhandlungen abgebrochen“, schreibt der Vertrauenskörperleiter den BMW-Gewerkschaftern.

Bei der IG Metall bestätigt man ein vorläufiges Aussetzen der Gespräche zwischen Betriebsrat und BMW. „Der Betriebsratsvorsitzende Manfred Schoch wird sich zum Verhandlungsstand ausführlich auf der anstehenden Betriebsversammlung äußern“, sagt Münchens Gewerkschaftschef Horst Lischka auf Anfrage. Konzernbeobachter rechnen bei der heute stattfindenden Aussprache mit einem heftigen Schlagabtausch, da dort auch ein Firmenvertreter ausführlich zu Wort kommen soll. Schoch, der gestern für eine Stellungnahme nicht zu erreichen war, soll auf Wunsch seiner Betriebsratskollegen nun direkte Verhandlungen mit dem BMW-Vorstand aufnehmen. „Es geht für die Mitarbeiter um viel“, so der Betriebsrat Murat Yilmaz. In der Landeshauptstadt drohen Arbeitnehmervertretern zufolge nicht nur Einschnitte bei der Bezahlung von Brotzeit- und Erholungspausen. Auch Feiertage, die nicht in die Vier-Tageschichten fallen, sollten bei BMW anders als bislang nicht mehr bezahlt werden. Zudem stehen angeblich auch Zuschläge für die Arbeit an bis zu acht Samstagen pro Jahr im Visier des Konzerns.

Im größten Werk in Dingolfing haben sich der Autobauer und der Betriebsrat derweil bereits auf einen Kompromiss geeinigt: Die Arbeitnehmervertreter konnten einen Teil der BMW-Forderungen erfolgreich abwehren. Künftig sollen die Mitarbeiter des niederbayerischen Standorts nach Informationen unserer Zeitung zwar nur mehr fünf statt zehn Minuten der täglichen Brotzeit-Viertelstunde bezahlt bekommen. Die 30 Minuten langen Erholungszeiten sollen jedoch beinahe unangetastet bleiben. Lediglich zwei Minuten pro Tag von dieser etwa zum Austreten bestimmten Zeit sollen künftig nicht mehr vergütet werden, heißt es aus dem Dingolfinger Betriebsrat. Und weiter: „Die meisten beschlossenen Maßnahmen sind organisatorischer Natur und für die Mitarbeiter nicht spürbar.“

Im Gegenzug soll Arbeitnehmervertretern zufolge auch weiterhin die 6er-Reihe in Dingolfing produziert werden. So könnten gut tausend auf der Kippe stehende Jobs erhalten werden. Zudem würden dadurch in den kommenden Jahren noch einmal etwa die gleiche Zahl an neuen Stellen geschaffen werden. Der Dingolfinger Betriebsratschef Stefan Schmid spricht zwar von einem „schmerzlichen Prozess“. Doch mit dem Kompromiss habe man „aus jetziger Sicht die Zukunft des Standorts gesichert“. Ursprünglich sollten dort 37 Millionen Euro jährlich ab 2015 eingespart werden – über das jetzt beschlossene Sparvolumen beim Personal schweigen sich beide Seiten aus. Ein BMW-Sprecher sagt auf Anfrage, man stehe im konstruktiven Dialog mit den Arbeitnehmervertretern: „Die aktuell in München laufenden Gespräche sind noch nicht beendet.“ Ein tatsächliches Scheitern der Verhandlungen gilt als unwahrscheinlich.

Tobias Lill

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