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Auf der Suche nach neuen Antriebskonzepten: BMW-Chef Norbert Reithofer neben dem BMW Vision Efficient Dynamics, einem 356 PS starken Hybrid-Konzeptauto.

BMW: Ein Traditionskonzern bricht Tabus

München - BMW erschließt sich strategisch völlig neue Perspektiven. Künftig soll es Wagen der weißblauen Marke auch mit Frontantrieb geben. Damit bricht der Münchner Konzern ein Tabu.

Es war ein ehernes Gesetz: In Fahrzeugen der Marke BMW sitzt der Motor vorn. Angetrieben wird die Hinterachse. Der notwendige Kardantunnel beschränkt systembedingt den nutzbaren Raum. Doch das nahm BMW in Kauf, weil das Konzept bei sportlicher Fahrweise Vorteile hat. Doch das Gesetz hat nun Konzernchef Norbert Reithofer mit einem Satz beiseitegefegt. „Es wird künftig in den kleineren Fahrzeugklassen BMW mit Frontantrieb geben“, sagte er bei der Bilanzpressekonferenz. Das Grundkonzept des künftigen Mini wird damit auch unter der Blechhaut eines neuen BMW-Kleinwagens zu finden sein.

Damit zielt BMW auf den Konkurrenten Audi. Der greift mit seinem neuen A1 vor allem den britischen BMW-Ableger Mini an. Mit einem neuen kleinen BMW könnten die Münchner diesen Angriff elegant kontern. Gleichzeitig können sie mit wachsenden Stückzahlen der Mini-Plattform und sinkenden Stückkosten den Kostenvorteil des Ingolstädter Konkurrenten relativieren. Der darf sich billig in den Teileregalen des Volumenherstellers VW bedienen.

Doch der Tabubruch reicht weiter: Zwar wird sowohl der 3er- als auch der 1er-BMW der nächsten Generation mit Heckantrieb gebaut. Doch für die fernere Zukunft schloss BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Draeger den Vorstoß des Frontantriebs auch in diese Fahrzeugkategorien nicht aus. Bereits der neue frontgetriebene Mini Countryman reicht mit seinen 4,10 Metern Länge nahe an den 1er (4,24 Meter) heran.

Damit eröffnen sich BMW vor allem strategisch ganz neue Perspektiven. Bisher waren die Möglichkeiten zur Zusammenarbeit mit anderen Herstellern wegen des Münchner Sonderwegs Heckantrieb (auch in den kleinen Klassen) weitgehend versperrt. Nun könnte beispielsweise eine Kooperation wie mit Peugeot über den bisher gemeinsam gebauten Motor deutlich hinausgehen. Eine derartige Öffnung der Mini-Plattform allerdings sieht Draeger als Zukunftsmusik.

Im Augenblick versucht BMW Kostensenkung auf Basis von gemeinsamen Fensterhebern mit Mercedes – und ähnlichen für den Kunden unsichtbaren Teilen. Dies dürfte sich mit Fahrzeugen auf Basis der neuen Plattform ändern, die nach Draeger ab 2014 gebaut werden sollen.

Selbst ein Fahrzeug mit „raumfunktionalem Konzept“ hält der Entwicklungschef für möglich. Die Wortschöpfung steht bei BMW für das, was sonst Van genannt wird. Damit konnte man sich bisher nicht anfreunden. Nun fällt also ein weiteres Tabu.

Doch an einem hält Reithofer weiterhin fest: BMW will auf keinen Fall Abstriche bei der Fahrdynamik machen. Hohe Motorleistung und möglichst geringer Verbrauch sollen unter einen Hut gebracht werden. Dabei soll der bereits erreichte Flottenverbrauch des Konzerns von 150 Gramm CO2 pro Kilometer um weitere 25 Prozent gesenkt werden. Das entspräche einem Verbrauch von 4,75 Litern Benzin oder 4,25 Litern Diesel auf 100 km.

Diesen Wert wird noch im Frühjahr 2010 mit dem 320d als „Efficient Dynamics Edition“ erstmals ein Fahrzeug der Mittelklasse unterschreiten. Selbst der größere 5er könnte unterhalb dieser Marke liegen – wenn von ihm 2011 eine Hybridvariante erscheint.

Noch in diesem Jahr will BMW mit 17 neuen oder überarbeiteten Modellen auf den Markt und deutlich profitabler werden als 2009. Da hat sich der Konzern (bei einem operativen Verlust von 261 Millionen Euro im Autobereich) mit einem Vorsteuerergebnis von 413 Millionen Euro gerade so in der Gewinnzone gehalten. Ohne ein konkretes Ergebnisziel fürs laufende Jahr zu nennen hält Reithofer an dem Profitabilitätsziel für 2012 von acht bis zehn Prozent Umsatzrendite fest.

Auch bei den Stückzahlen will Reithofer die Überholspur nicht für den ehrgeizigen bayerischen Konkurrenten Audi freimachen. Er plant, bis 2020 jährlich rund zwei Millionen Autos zu verkaufen. 2009 waren es 1,29 Millionen.

Martin Prem

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