Ein Schild mit der Aufschrift "BMW Group" zeigt auf den Eingang der BMW Zentrale München. Die Münchner Staatsanwaltschaft hat am Dienstag die BMW-Zentrale durchsucht und Ermittlungen wegen Betrugsverdachts bei der Abgas-Reinigung eingeleitet.
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BMW Zentrale in München: In den vergangenen Wochen klauten Diebe zahlreiche Fahrzeuge der Bayern mit einem einfachen Trick.

Nach Hackerangriffen

BMW: Diebe nutzen Sicherheitslücke und klauen Luxuskarossen - User schimpfen: „Grob fahrlässig, Mist, Skandal“

  • Thomas Schmidtutz
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BMW hat Probleme mit ihren Keyless-Go-Systemen. In den vergangenen Wochen nutzten Diebe eine Sicherheitslücke in den Funkschlüsseln und klauten die Autos ohne großen Aufwand.

  • Der bayerische Premium-Hersteller BMW ist ins Visier von Diebesbanden geraten.
  • Immer wieder nutzen Hightech-Banden eine Sicherheitslücke im Keyless-Go-System.
  • Im Netz sorgt das für heftige Kritik.
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Update vom 14. Dezember, 16.01 Uhr – Warnungen der Polizei über verstärkte Diebstähle von Fahrzeugen der Marke BMW via Keyless Go haben im Web für Aufregung gesorgt. Viele User weisen darauf hin, dass es die Probleme mit geknackten Funkschlüsseln schon seit Jahren gebe. Doch bis heute hätten es Hersteller wie BMW versäumt, ihre Keyless Go-Systeme vor Hacker-Angriffen zu schützen.

Die Untätigkeit der Hersteller sei ein „Skandal“, schreibt etwa ein User auf Merkur.de. Es sei verwunderlich, das bis heute noch kein Autohersteller wegen der unzureichend gesicherten Technik verklagt worden sein, schreibt ein anderer. Die „Keyless-Systeme laden zum Diebstahl ein“. Dies sei „eigentlich grob fahrlässig“. Ein anderer User fordert auch die Versicherer auf, den Druck auf die Hersteller zu erhöhen. Bei der Berechnung der Kasko-Prämien sollten Keyless-Go-Systeme berücksichtigt werden. Dies wäre „fair gegenüber umsichtigen Autofahrern“, heißt es.

Bei den Attacken auf die Fahrzeuge verlängern Diebe kurzerhand das Funksignal der Keyless-Go-Schlüssel, und entsprerren die Autos fast mühelos. Um die Angriffe zu verhindern, hatten viele Hersteller ihre Systeme zuletzt mit neuen Bewegungssensoren ausgestattet. Sie unterbrechen das Funksignal nach einer vorgegebenen Zeitspanne und lassen sich damit nicht angreifen. Allerdings halten Experten auch diese Systeme nicht für sicher. Es bleibe eine Spanne von zwei Minuten, um das Signal zu knacken, sagte etwa ADAC-Experte Arnulf Thiemel am Montag gegenüber Merkur.de.

BMW-Diebe klauen Nobelkarossen mit Supertrick – Polizei München schlägt nach unheimlicher Serie Alarm

Erstmeldung vom 11. Dezember, 14.14 Uhr - Wenn es um Komfort und Zusatzausstattung geht, gehen die Premium-Hersteller gern in die Vollen. Schließlich bringen Extras wie Massage-Funktion und fette Sound-Systeme den Herstellern richtig Geld. Das ist bei BMW nicht anders. Doch zuletzt hat der Konzern wachsenden Ärger mit einer Sonderausstattung.

Anfang November stahlen Diebe im Großraum München gleich fünf Autos der Marke BMW – via Keyless Go. Das ist eine Art Funkschlüssel, bei dem ein Chip eine Verbindung mit dem Auto aufbaut und es entriegelt, sobald man in der Nähe ist. Viele Autofahrer finden das ziemlich praktisch. Denn der Funkschlüssel kann beim Einsteigen getrost in der Tasche bleiben und verriegelt das Auto zudem automatisch, wenn man sich nach dem Aussteigen ein paar Meter entfernt hat.

Doch jetzt häufen sich die Fälle, in denen Diebe das Funksignal ausnutzen und teure Nobelkarossen scheinbar mühelos knacken. Laut Polizei München waren im November binnen drei Wochen fünf Fahrzeuge der Marke BMW geklaut worden. Der Schaden habe satte 500.000 Euro betragen. Bei allen Autos habe es sich um „M-Modelle gehandelt und alle verfügen über Keyless-Go“, erklärte ein Polizeisprecher gegenüber Merkur.de.

BMW: Hightech-Banden nehmen Edelkarossen ins Visier

Nun sind in Thüringen die nächsten BMWs geknackt worden. Innerhalb weniger Tage hätten Diebe im Raum Heilbad Heiligenstadt rund 60 Kilometer nördlich von Erfurt einen X5 und einen X6 gestohlen, berichtet die Thüringische Allgemeine. Beide waren ebenfalls mit Keyless Go ausgerüstet. „Die Polizei warnt nun Autobesitzer, die dieses System nutzen, da es sehr anfällig für Diebstähle sei“, berichtet die Zeitung.

Laut Polizei München suchten die Hightech-Diebe bevorzugt Wohngebiete, in denen „die Fahrzeuge relativ einfach einzelnen Häusern“ zugeordnet werden könnten, etwa auf Gehwegen oder Grundstückseinfahrten. Die Banden setzten darauf, dass die Fahrzeug-Schlüssel nahe an der Haustür abgelegt würden und verlängerten kurzerhand das Funksignal, um die Autos zu öffnen.

Die nötige Hardware ist laut Polizei im Internet einfach zu bestellen. Technik-affine Bastler könnten sich „entsprechende Geräte auch selbst zusammenbauen“, sagte ein Sprecher.

BMW: Konzern setzt auf neues Keyless Go-System ein

Bei BMW ist das Problem durchaus bekannt. Zur „Erhöhung der Diebstahlsicherheit“ statte man neue Baureihen seit März 2018 mit einer überarbeiteten Generation von Funkfernbedienungen aus, erklärte ein BMW-Sprecher auf Anfrage. Bei den Keyless-Go-Systemen sei ein Sensor integriert, der das Funksignal abschaltet, sobald der Schlüssel länger als zwei Minuten nicht bewegt werde. Auf diese Weise sei das System „durch Funkwellenverlängerung nicht mehr angreifbar“, versichert der Autobauer.

Die neuen Keyless-Go-Systeme seien in den Fahrzeugen der 5er, 6er, 7er, 8er-Serie, den Baureihen X3, X4, X5, i3 und i8 sowie den „neuen Modell-Generationen von 3er und Z4 nach und nach in Serie gebracht worden“. Seit Frühjahr 2019 würden auch die Derivate X1, X2, 2er Active Tourer, 2er Gran Tourer und die MINI Modelle mit der neuen Funkfernbedienung ausgestattet. Für zahlreiche ältere Modelle bietet der Münchner Autobauer zudem eine Nachrüst-Option an.

BMW ist aber längst kein Einzelfall. Erst Ende November hatten Forscher der Katholischen Universität (KU) Leuven in Belgien eine gravierende Sicherheitslücken im schlüssellosen Zugangssystem des Tesla Model X entdeckt und das Auto mit Technik für knapp 180 Euro gehackt.

BMW Keyless Go: Das rät die Polizei

Wer ein mit Keyless Go ausgerüstetes Auto vor Funk-Angriffen schützen will, sollte sein Fahrzeug „nach Möglichkeit in einer Garage deutlich abgesetzt zur Wohnung“ parken, empfiehlt die Polizei. Die entsprechenden Funkschlüssel sollten außerdem auch nicht in der Nähe von Fenstern oder Türen abgelegt werden. Außerdem könne man sich auch mit einem weiteren einfachen Trick behelfen: „Deponieren Sie ihre Fahrzeugschlüssel in einer Metalldose“. So lasse sich das Signal abschirmen, rät die Kripo.

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