Ein Mitarbeiter im Volkswagenwerk in Zwickau komplettiert einen VW ID.4. Volkswagen produziert im Werk in Zwickau das erste reine Elektro-SUV. Hier läuft bereits der ID.3 vom Band.
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Produktion des voll-elektrischen ID.4 bei VW in Zwickau: Im Rennen mit Tesla erhöhen die deutschen Autobauer jetzt den Druck.

Gegenoffensive

Teslas E-Autos: VW, BMW und Audi schlagen mit Wucht zurück - Ein Rivale ist bereits auf der Überholspur

  • Thomas Schmidtutz
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Tesla hat jahrelang ungestört seine Runden bei E-Autos gezogen. Doch jetzt schlagen die deutschen Hersteller mit Macht zurück. Für Tesla-Boss Elon Musk könnte es nun rasch ungemütlich werden.

  • Tesla hat den Markt für E-Autos jahrelange beherzt vorangetrieben.
  • Die etablierten Autobauer haben die Kalifornier lange gewähren lassen. Das hat sich bitter gerächt.
  • Doch nun schlagen BMW, VW oder Daimler mit voller Wucht zurück.

München - Im Rennen um die Vorherrschaft auf dem Markt für Autos mit alternativem Antrieb waren die Rollen lange klar verteilt. Auf der einen Seite die Opa-Fraktion mit etablierten Herstellern wie BMW*, VW* oder Daimler, die den Startschuss lange nicht gehört haben - und auf der anderen Seite die coolen Tesla*-Hipster um ihren omnipräsenten, aber zuweilen etwas überdrehten Multi-Unternehmer-Boss Elon Musk.

Musk hat mit seinem Team ganze Arbeit geleistet. Auf dem Markt für E-Autos waren die Amis der verschlafenen Konkurrenz zwischenzeitlich um Jahre enteilt. Der Vorsprung war vorübergehend so groß, dass einige Beobachter den Konzern bereits für praktisch uneinholbar hielten.

E-Autos: VW, BMW, Audi und Daimler machen Jagd auf Tesla

Doch jetzt schlagen die Platzhirschen mit Wucht zurück. Angeführt wird die Gegenoffensive von Volkswagen. Im vergangenen Jahr haben die Wolfsburger - nicht zuletzt dank satter staatlicher Förderprogramme etwa in Deutschland – insgesamt 231.600 E-Autos verkauft.

Das ist zwar kaum die Hälfte des Vorjahresabsatzes von Tesla, aber der Zuwachs ist gewaltig. Gleich um 214 Prozent steigerten die Niedersachsen ihre Verkaufszahlen im abgelaufenen Jahr. Alleine vom neuen und zum Start durchaus umstrittenen ID.3 in der Golfklasse vertickten die Wolfsburger 56.500 Einheiten. Dazu kamen weitere 41.300 Einheiten des E-Golf und 22.200 E-Ups.

Auch bei der Premium-Tochter Audi zogen die Verkäufe im vergangenen Jahr merklich an. Angeführt wurden die E-Verkaufscharts in Ingolstadt vom bulligen e-Tron mit 47.300 Einheiten. Und selbst die traditionell besonders margenstarke Sportwagen-Tochter Porsche fand für ihren E-Boliden Taycan 20.000 sehr gut betuchte Kunden. Dazu setzte VW konzernweit weitere 190.500 Hybrid-Fahrzeuge ab, ein Sprung von 190 Prozent gegenüber dem Vorjahr.

Kein Wunder, dass beim größten Autobauer der Welt das Selbstbewusstsein wächst. „Wir sind auf einem guten Weg, unser Ziel, Marktführer bei batterieelektrischen Fahrzeugen zu werden, zu erreichen“, erklärte der Chef der VW-Kernmarke, Ralf Brandstätter, am Dienstag. „2020“, resümierte Brandstätter zufrieden, sei ein „Wendepunkt für Volkswagen und ein Durchbruch in der Elektromobilität“, sagte Brandstätter.

Auch bei Daimler und BMW läuft die Aufholjagd auf Hochtouren. Zwar blieben etwa die Bayern mit einem E-Absatzplus von 13 Prozent auf 44.530 Stromer sowie von knapp 40 Prozent auf 148.000 Plug-Ins hinter den VW-Erfolgen zurück. Doch im laufenden Jahr schickt BMW gleich mehrere heiße Modelle an den Start, darunter die beiden Strom-SUVs iX3 und iX sowie den i4.

E-Autos: Daimler-Chef Källenius setzt auf Electric First

Auch Erzrivale Mercedes-Benz will im E-Automarkt nach einem Vorjahresplus von 229 Prozent bei Stromern und Hybriden weiter Boden gut machen. „Wir treiben unsere ‚Electric First‘ Strategie und den weiteren Ausbau unserer elektrischen Modelloffensive voran“, kündigte Daimler-Chef Ola Källenius am vergangenen Freitag bei der Vorlage der Absatzzahlen für 2020 an. Dazu will der Konzern im Jahresverlauf neben dem EQA oder dem EQB auch den S-Klasse-Stromer EQS auf den Markt bringen.

Und Volkswagen bleibt mit neuen Modellen wie dem gerade gestarteten ID.4 oder dem geplanten ID.5 ohnehin den Druck auf Tesla. Das Ziel ist für die Wolfsburger glasglar: Bis 2023, ließ der einflussreiche Betriebsratschef Bernd Osterloh via Interview im September wissen, werde man Tesla überholt haben, „wahrscheinlich schon früher“. *Merkur.de ist Teil des bundesweiten Ippen Digital Netzwerks.

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