+
BMW galt bislang als vergleichsweise unbescholten im von VW ausgelösten Diesel-Abgasskandal. Foto: Peter Kneffel

Eigene Tests

BMW will fraglichen 3er-Diesel auf Abgas-Verdacht prüfen

Bekommt nun auch das Saubermann-Image von BMW im Diesel-Skandal Risse? Entwicklungschef Klaus Fröhlich wehrt sich dagegen. Eigene Tests sollen die Vorwürfe der Deutschen Umwelthilfe als Unterstellungen entlarven.

München (dpa) - Der Autobauer BMW will den von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) wegen mutmaßlich hoher Stickoxid-Emissionen beanstandeten Diesel-3er selbst auf Unregelmäßigkeiten testen.

"Wir konnten das von der DUH getestete Fahrzeug ausfindig machen und werden dieses auf dem Rollenprüfstand sowie auf der Straße ausgiebig und professionell gemeinsam mit einer neutralen Institution vermessen, um die Unterstellungen der DUH zu überprüfen", sagte BMW-Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich im Interview der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Die Deutsche Umwelthilfe hatte dem Münchener Hersteller nach Fahrtests vorgeworfen, in einem Diesel-BMW 320d womöglich eine sogenannte Abschalteinrichtung zu verwenden. Eine solche Vorrichtung erkennt, wenn das Auto auf dem Prüfstand steht, drosselt die Abgasreinigung aber unzulässig, wenn es im Realbetrieb auf der Straße gefahren wird.

Fröhlich kritisierte die Messmethoden der DUH. "Für uns sieht es so aus, als ob die DUH in Bereichen mit hohen Drehzahlen, aber bei niedrigen Lasten gefahren ist. Sie müssen sich das so vorstellen, dass der Motor so laut aufheult, dass man eigentlich intuitiv schon lange höher geschaltet hätte", sagte der Manager. "Durch solche erzwungenen und untypischen Fahrweisen im Randbereich kann man plakative Emissionswerte konstruieren, die keine wirkliche Aussagekraft haben."

BMW galt bislang als vergleichsweise unbescholten im von VW ausgelösten Diesel-Abgasskandal. Immer wieder hatte Konzernchef Harald Krüger betont, bei BMW werde nicht manipuliert, die Motoren entsprächen den gesetzlichen Bestimmungen.

Die DUH wirft BMW jedoch vor, dass die Abgasrückführung im 320d ab einer Drehzahl von 2500 Umdrehungen pro Minute heruntergeregelt und ab 3500 Umdrehungen komplett ausgeschaltet wird. Die Abgasrückführung ist eines von mehreren Systemen zur Reduktion gesundheitsschädlicher Abgase wie Stickstoffmonoxid.

Autohersteller rechtfertigen die teilweise oder komplette Abschaltung der Abgasrückführung unter bestimmten Bedingungen meist mit dem Motorschutz. "Physikalisch muss die Abgasrückführung an die Motordrehzahlen angepasst werden, um sowohl erhöhte Partikelemissionen als auch thermische Schäden an den abgasführenden Bauteilen zu verhindern", sagt BMW-Chefentwickler Fröhlich. "Das ist keine Verschwörung, sondern das weiß jeder Ingenieur, der sich mit Verbrennungsmotoren auskennt, aus dem Effeff."

Fröhlich beanstandete vor allem, dass die DUH-Tester den betreffenden BMW vom Typ 320d nicht so gefahren seien wie der normale BMW-Fahrer. "Statistische Auswertungen zu Kundenfahrprofilen zeigen uns, dass das Fahrzeug bei normaler Nutzung grundsätzlich im Bereich der aktiven Abgasrückführung bewegt wird und nicht in die Randbereiche kommt, in die die DUH das Fahrzeug offenbar durch gezielte Schaltvorgänge gezwungen hat", kritisierte Fröhlich. "Übrigens weist das Auto in solchen Fällen im Display auch darauf hin: 'Bitte hochschalten'."

Der BMW-Vorstand wies die Vorwürfe der DUH insgesamt zurück. "Diese ganzen Unterstellungen sind für uns unseriös und an den Haaren herbeigezogen, und wer so etwas willentlich macht, dem könnte man auch Absicht vorwerfen." Die Frage sei, ob man ein komplettes Bild aufzeigen wolle oder bewusst Sachverhalte unter den Tisch fallen lasse, um einer eigenen Darstellung Aufmerksamkeit zu verschaffen. "Dann wäre es doch zumindest fahrlässig, uns wider besseren Wissens ein Defeat Device zu unterstellen", so Fröhlich.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Siemens darf weiter auf Milliarden-Auftrag im Irak hoffen
Ausbau der Stromnetze im Irak - solch ein Auftrag ist milliardenschwer. Trump versuchte, ihn mit politischem Druck in die USA zu holen. Aber auch Siemens darf weiter …
Siemens darf weiter auf Milliarden-Auftrag im Irak hoffen
Milliarden-Auftrag für Siemens im Irak rückt näher - Chancen gegen GE
Aufatmen bei Siemens. Nach einer längeren Zitterpartie sind die Münchner einem möglichen Zuschlag für ein Milliarden-Geschäft im Irak einen wichtigen Schritt …
Milliarden-Auftrag für Siemens im Irak rückt näher - Chancen gegen GE
Flowtex-Insolvenzverfahren vor Abschluss
Der Skandal des Bohrmaschinen-Händlers Flowtex brach in jeder Hinsicht Rekorde: größter deutscher Betrugsfall seit 1945, über 120 Ermittlungsverfahren, …
Flowtex-Insolvenzverfahren vor Abschluss
Wasserstand in Flüssen stellt Wirtschaft vor Probleme
Es ist so trocken in Deutschland wie selten, die Natur braucht dringend Regen. Auch die Wirtschaft würde sich freuen über Niederschlag, dann würden die Pegel steigen - …
Wasserstand in Flüssen stellt Wirtschaft vor Probleme

Kommentare