BMW-Chef: Den 3er in den USA zu bauen, rechnet sich nicht

- Valencia - BMW hat mit dem neuen Dreier sein wichtigstes Modell erneuert. Wir sprachen zur Vorstellung der neuen Reihe mit Konzernchef Helmut Panke über die Lage des Unternehmens, den starken Dollar und den Standort Deutschland.

<P>Es gibt Probleme mit Zulieferern mit der Qualität von Einspritzpumpen. Kann das die Jahresplanung beeinflussen?<BR><BR>Panke: Nein.<BR><BR>Warum sind Sie so sicher?<BR><BR>Panke: Wenn man mit Ingenieurwissen kompetent rangeht, ist das eine Frage von Tagen. Wir lassen in der Faschingswoche, wo wir geplant hatten, am Mittwoch, Donnerstag und Freitag zu produzieren, in Dingolfing die Produktion ausfallen. Unsere Flexibilität hilft uns, die Produktion nachzuholen.<BR><BR>Sie sind zurückhaltend bei Prognosen über Umsatz und Ertrag. Hängt dies mit dem Dollar zusammen?<BR><BR>Panke: Wir haben immer erst aufbauend auf dem Jahresabschluss, den wir im März präsentieren, angefangen, Prognosen fürs laufende Jahr zu machen.<BR><BR>Haben Sie damit gerechnet, dass der Dollar so lange unter Niveau bleibt?<BR><BR>Panke: Wir sind überrascht, wie stark der Dollar durch die Spekulation getrieben wird. Mehr als 80 Prozent des gehandelten Währungs-Geschäftsvolumens sind nicht durch Warenhandel unterlegt. Wenn diese Spekulanten sagen, wir brauchen einen starken Dollar, steigt er. <BR><BR>Der Dollar wird mittelfristig schwach bleiben ...<BR><BR>Panke: Wer sagt das?<BR><BR>Zum Beispiel Josef Ackermann.<BR><BR>Panke: Nichts gegen Banker und nichts gegen Volkswirte. Wenn der Dollar stark ist, sagen alle bis auf fünf Prozent, die immer eine abweichende Meinung haben, der Dollar bleibt stark. Wenn der Dollar schwach ist, sagen alle bis auf dieselben fünf Prozent, der Dollar bleibt schwach. In den letzten Jahrzehnten war die Hälfte der Zeit der Dollar überbewertet, die andere Hälfte unterbewertet.<BR><BR>Sie gehen nicht davon aus, dass der Dollar 2006 stark wird?<BR><BR>Panke: Doch. Das kann auch vorher sein. Wir gehen davon aus, dass der Euro überbewertet ist. In der Vergangenheit dauerten die Zyklen zwischen vier und fünf Jahre. Wir sind im dritten Jahr der Überbewertung.<BR><BR>Dann schlägt der Dollar 2005 durch?<BR><BR>Panke: Ein Unternehmen, das im Jahr mehr als 42 Milliarden Euro Umsatz macht, lässt sich von einer theoretischen Belastung von 500 bis 800 Millionen nicht aus der Kurve bringen. Wenn unsere Produktion jedes Jahr mehr als fünf Prozent Produktivitätssteigerung bringt, wird man auch Wege finden, zumindest einen Teil zu kompensieren.<BR><BR>Ist die Ausweitung der Produktion in den USA eine Möglichkeit?<BR><BR>Panke: Es gibt keinen Plan, bei Kurs X oder Y machen wir einen solchen Schritt. Wir haben aber seit Beginn die Produktion des Werkes Spartanburg verdreifacht. Das geht innerhalb einer Struktur. Den 3er in Spartanburg zu bauen, wäre eine absolut falsche Entscheidung. Da müssen wir noch einmal einen Satz Werkzeuge machen, was ein dreistelliger Millionenbetrag ist. Das rechnet sich nie.<BR><BR>Wie steht es mit dem Van?<BR><BR>Panke: Es kommt darauf an, wo das Fahrzeug, das wir nicht Van nennen, abgesetzt wird. Wenn der so genannte Van-Markt in den USA rückläufig ist und in Europa wächst, warum soll ich dann das Fahrzeug in Amerika bauen? Es kommt aber auch auf den Baukasten an. Wenn das Fahrzeug gemeinsame Teile mit dem 5er oder 3er hätte, macht es keinen Sinn, es in Amerika zu bauen. Wenn es gemeinsame Teile mit dem X5 oder dem Z4 hätte, dann würde es Sinn machen.<BR><BR>Sie können immer noch in Deutschland produzieren?<BR><BR>Panke: Der Standort Deutschland hat auch Vorteile. Zum Beispiel können wir die Arbeitszeitflexibilität, wie wir sie haben, wegen der gesetzlichen Rahmenbedingungen in den USA nicht umsetzen. Die gleichen Berater, die einem jetzt nahelegen, im Dollarraum zu produzieren, kommen in fünf Jahren und sagen: Wie kann man nur so bescheuert sein?<BR><BR>Das Gespräch wurde aufgezeichnet von Martin Prem.<BR></P><P> </P>

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