BMW-Ersatzteile: In drei Tagen um die Welt

- München - "Sie können jede Farbe wählen, vorausgesetzt, sie ist schwarz", witzelte Henry Ford einmal über die Ausstattung seiner T-Modelle. Das waren Zeiten. Nicht nur die Farben erlauben heute Vielfalt. Die Varianten, in denen Autos angeboten werden, sind unüberschaubar geworden. Abermillionen Kombinationen sind theoretisch möglich. Eine Herausforderung nicht nur bei der Herstellung.

240 000 unterschiedliche Teile stehen bereit

Der Aufwand bleibt auch, wenn Autos in die Jahre kommen und nicht mehr gebaut werden, aber die Hersteller zigtausende Ersatzteile bereit halten müssen. BMW hat in Dingolfing ein gigantisches Dynamikzentrum aufgebaut, in dem diese wachsende logistische Mammutaufgabe leichter und vor allem schneller bewerkstelligt werden kann.

Achsen, Getriebe, Kotflügel, Motoren, aber auch kleinere Teile wie Ölpumpen oder Becherhalter werden hier gelagert. Von weltweit rund 1800 Lieferanten werden die Teile angeliefert. In Dingolfing werde sie kontrolliert, gelagert verpackt - und schließlich ausgeliefert. Insgesamt werden im Jahr 1,5 Millionen Kubikmeter Teile umgeschlagen. "Alle gleichzeitig auf die Schiene gebracht, "würde der Güterzug von Dingolfing nach Hamburg reichen", wie Gerhard Schuff, der Bereichsleiter für Teile und Zubehör im Münchner Konzern, erklärt.

In einer gigantischen Halle (so groß wie rund 20 Fußballfelder) werden all diese Teile von Computern kontrolliert. Menschen fahren in langen Zügen oder in Gabelstaplern, die die Teile nach einem ausgeklügelten System in endlosen Korridoren bis in zwölf Meter Höhe auf engstehende Regale verteilen - um bei Bedarf ausgeliefert zu werden. 300 Händler in Süddeutschland werden direkt beliefert - "über Nacht", wie Gerhard Kisting, der Leiter des Dynamikzentrums, sagt. Das weltweite Händlernetz greift über die konzerneigene Vertriebsgesellschaft oder Importeure auf Dingolfing zurück. Auch hier kann es sehr schnell gehen: 48 Stunden in entlegene Gebiete Europas, 72 Stunden weltweit - selbst wenn die eigentlich zuständigen Zwischenlager das gesuchte Teil nicht vorrätig haben. Allerdings geht es nur in Notfällen so schnell. Die meisten Teile gehen auf eine etwas länger dauernde Schiffsreise. Was routinemäßig ausgeliefert wird, ist auf Seefrachtcontainer verteilt und wird per Lkw in Richtung Nordsee gebracht.

Bis zu 500 Lastwagen täglich werden dabei abgefertigt. Dies war in den alten Gebäuden der Teileauslieferung ein Nadelöhr. Nur zwei Fahrzeuge gleichzeitig konnten beladen werden. Das hat zu langen Lkw-Schlangen geführt, die nun der Vergangenheit angehören. Nur ein Teil der vielen Andockstationen sind laufend besetzt.

Rund 650 Menschen arbeiten im Dynamikzentrum, das auf besondere Geschwindigkeit ausgelegt ist. Nur 20 Prozent des Sortiments ist dort vorrätig. Allerdings macht dies rund 80 Prozent des Lieferumfangs auf. Umgekehrt ist das Verhältnis bei der zentralen Teilezulieferung von BMW, wenige hundert Meter entfernt beim Dingolfinger BMW-Werk untergebracht. Die Teile liegen dort entsprechend länger. Das Dynamikzentrum entspricht einem Discounthändler mit schmalerem Sortiment und schnellem Durchsatz. Das Lager für die meisten Teile - die selten angefordert werden - einem Kaufhaus mit breitem Sortiment.

"Derzeit haben wir 240 000 verschiedene Artikel im Programm," sagt Gerhard Schuff. "Wenn wir ab 2008 wie geplant zwei zusätzliche Modellreihen auf den Markt bringen, wird das Sortiment auf annähernd 300 000 Artikel ansteigen."

Doch nicht nur für die aktuellen Modelle wird vorgesorgt. Wenn ein Modell ausgelaufen ist, garantiert BMW noch für mindestens 15 Jahre die Ersatzteilversorgung - fünf Jahre länger als das Gesetz es vorschreibt. Weitere zehn Jahre lang werden Fahrer von beginnenden Oldtimern von der Konzernabteilung "mobile Tradition" versorgt.

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