BMW-Mitarbeiter geschmiert: So sicherte sich Zulieferer Aufträge

- Es handelt sich wohl nur um einen kleinen Fisch; das Beispiel zeigt aber, dass die Netze der Korruptionsbekämpfung engmaschiger werden. Der jüngste Bestechungsfall bei BMW wäre ohne Mithilfe der Finanzbehörden wohl nicht aufgeflogen.

In der Vergangenheit wurde das Steuergeheimnis recht eng ausgelegt. Mittlerweile informieren die Beamten, wenn sie - etwa bei einer Betriebsprüfung - auf grobe Ungereimtheiten stoßen, die Polizei. So auch im Fall eines sächsischen Autozulieferers für Ledersitzbezüge und Seitenverkleidungen, zu dessen Kunden unter anderem der Münchner Konzern gehört.

In den Büchern des Unternehmens in Neuensalz bei Zwickau tauchten Betriebsausgaben auf, hinter denen die Finanzbehörden krumme Touren vermuteten.

Der Verdacht auf Bestechung erhärtete sich: Insgesamt 100 000 Dollar waren als Schmiergeld gedacht. Die entsprechenden Schecks hatten die Verantwortlichen des sächsischen Unternehmens einem 54-jährigen Mitarbeiter von BMW zugeschoben, der in München in der Abteilung Einkauf arbeitet. Er sollte im Gegenzug dafür sorgen, dass die großzügigen Gönner bei Aufträgen bevorzugt wurden.

So weit jedenfalls die ersten Erkenntnisse der Staatsanwaltschaft. Bereits am Dienstag schlugen die Ermittler dann zu: Vier Staatsanwälte und 16 Polizeibeamte durchsuchten den Arbeitsplatz des beschuldigten BMW-Mitarbeiters, seine Privatwohnung und die Firmenräume des Zulieferers. Die zuständigen Abteilungen bei BMW waren bereits im Vorfeld der Aktion eingeweiht worden.

Mit dem Durchsuchungsergebnis beginnt jetzt für die Ermittler die Kleinarbeit. Umfangreiche Unterlagen müssen ausgewertet werden. Doch schon nach ersten Ergebnissen hat sich, wie die Staatsanwaltschaft München I mitteilte, der Verdacht erhärtet.

"Derzeit kann davon ausgegangen werden, dass es sich um einen Einzelfall und nicht um eine Affäre größeren Ausmaßes handelt", so Christian Schmidt-Sommerfeld, Chef der Staatsanwaltschaft München I. Die zuständigen Abteilungen von BMW hätten konstruktiv bei der Aufklärung mitgewirkt, so Schmidt-Sommerfeld.

Der Autohersteller hat den Mitarbeiter, der dem unteren bis mittleren Management angehört, sofort beurlaubt. Eine Kündigung allein aufgrund des Verdachts könne jedoch nicht erfolgen, heißt es bei BMW. Die Frage stellt sich zunächst ohnehin nicht. Der BMW-Mitarbeiter und der 45-jährige Verantwortliche des sächsischen Unternehmens wurden verhaftet.

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