Body Shop: Trauer um die "Green Queen"

London - Anita Roddick war ihrer Zeit weit voraus. Als Henna, Bienenwachs und Salzzahnpasta noch für Bückware im Reformhaus standen, bot die Britin schon Naturkosmetik in duftenden, schicken Läden an und bereitete einem Boom den Weg: Kosmetik sollte nicht nur schön machen, sondern auch umweltfreundlich und ethisch korrekt sein, dachte sich Roddick und gründete die Kette The Body Shop.

Jetzt starb Roddick mit 64 Jahren im Kreis ihrer Familie im südenglischen Chichester an einer Hirnblutung. Premierminister Gordon Brown nannte sie eine "wahre Pionierin".

Die grüne Revolution begann vor mehr als 30 Jahren: Roddick eröffnete 1976 mit Hilfe eines Kredits über 6000 Euro im englischen Seebad Brighton ein Kosmetikgeschäft, das Produkte ohne chemische Inhaltsstoffe anbot. Alteingesessene Ökos waren begeistert; und nach und nach folgten auch jüngere Kunden, die sich in den trendigen Läden mit Gurkencreme, Erdbeerpeeling und Kakaobutter-Creme eindeckten und sich gut fühlten, weil sie Produkte ohne Tierversuche kauften.

1984 ging Body Shop an die Börse und wurde mit acht Millionen Pfund bewertet - schnell stieg der Firmenwert auf 300 Millionen Pfund. Heute ist Body Shop eine weltweite Kette mit mehr als 2000 Läden in 54 Ländern. Zu ihrer Branche hielt Roddick jedoch stets Distanz. "Ich hasse das Geschäft mit der Schönheit. Es ist eine Monster-Industrie, die unerreichbare Träume verkauft."

Auf Profit kam es ihr nie an. "Natürlich muss die Firma Geld machen, aber das größte Ziel ist es, für den Umweltschutz und den gesellschaftlichen Wandel zu arbeiten." Umso tiefer saß der Schock für viele Ökoaktivisten, als Roddick und die übrigen Anteilseigner im vergangenen Jahr Body Shop für 950 Millionen Euro an den Kosmetikkonzern L'Oréal abgaben.

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