Ein Boeing-Schreck? Die Hälfte des A380 kommt aus dem Dollarraum

- Paris -­ Mit einem neuen Langstreckenjet will Airbus aus der Krise fliegen: Der europäische Flugzeugbauer gab gestern den Startschuss für den Bau des A350 XWB. Die "sparsamste und komfortabelste" Maschine für 250 bis 370 Personen werde ab 2013 ausgeliefert, sagte Airbus-Chef Louis Gallois bei der Präsentation in Paris. Allerdings sind noch zahlreiche Unklarheiten mit dem zehn Milliarden teuren Projekt verbunden.

Die Finanzierung ist nach wie vor offen. Ob der Jet hauptsächlich in Toulouse oder auch in Hamburg gebaut wird, ist noch nicht entschieden. Die Zulieferungen für den neuen Airbus sollen zur Hälfte aus dem Dollarraum kommen. Weitere Lieferanten kommen aus Russland und China. Fraglich ist, ob es Airbus gelingt, mit dem A350 XWB tatsächlich den amerikanischen Erzrivalen Boeing zu überflügeln, denn die "Dreamliner" genannte Boeing 787 soll schon 2008 abheben. Gallois gab sich zuversichtlich. Durch die Entscheidung zum Bau des A350, für den der EADS-Aufsichtsrat nach langem Ringen grünes Licht gab, habe Airbus im Langzeitinteresse der Aktionäre gehandelt.

1,8 der 10 Milliarden Euro Projektkosten werde der Flugzeugbauer durch Auslagerung erzielen, sagte Gallois. Künftige Partner sollten wesentlich stärker am Risiko beteiligt werden. Die Machbarkeit des A350 hänge auch davon ab, ob das Sparprogramm Power 8, mit dem EADS auf die A380-Pannen reagiert, erfolgreich umgesetzt werde. Auch sei eine Kapitalerhöhung möglich.

Dass Airbus das fehlende Geld durch Garantien der Regierungen Deutschlands, Frankreichs, Spaniens und Großbritanniens aufbringen will, schloss der Airbus-Chef nicht aus. Da die größten Kosten für den A350 XWB erst in vier Jahren auf Airbus zukämen, sei aber noch Spielraum. Außerdem verwies er auf Milliardensummen, die die US-Regierung in Militärprojekte von Boeing stecke. "Was wir wollen, ist ein ebenes Spielfeld."

Wo der Jet gebaut wird, soll Anfang kommenden Jahres zunächst den Gewerkschaften mitgeteilt werden, erklärte Gallois. Die französische Regierung macht sich für Toulouse stark. Hoffnungen gibt es aber auch in Hamburg, das im Rahmen der Sparmaßnahmen von einer Verlegung der A380-Produktion nach Frankreich betroffen sein könnte.

Der A350 wird der erste Airbus, der zur Hälfte aus Kunststoffen gebaut wird. In den kommenden zwanzig Jahren gibt es laut Airbus einen Bedarf an 5700 Maschinen ab 100 Passagieren. Ohne ein eigenes Flugzeug in dem Marktsegment hätte Airbus das Absinken in die Bedeutungslosigkeit gedroht. Der A350 XWB (extra wide body) ist die Weiterentwicklung des A350, der bei seiner Vorstellung bei Kunden vor zwei Jahren gefloppt war.

Die neue Version sei leichter, sparsamer und komfortabler als die Boeing 787, erklärte Airbus-Finanzvorstand John Leahy. Als erster potenzieller Kunde begrüßte British Airways die Entscheidung.

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