Boeing verwertet alte Dornier-Ideen

- Oberpfaffenhofen - Die Flugzeugproduktion in Oberpfaffenhofen ist wohl Geschichte. Das Schicksal der Dornier 728-Jets ist - spätestens seit die Restbestände des Programms versteigert wurden - besiegelt. Der kleineren Do 328 droht nun ein ähnliches Schicksal, nachdem Avcraft Aerospace, die dieses Programm übernommen hatte, Insolvenz anmelden musste. Nun können andere sich aus der Ideenschmiede im Münchner Westen bedienen. Sie tun es. Manche Sensation wird ehemaligen Dornier-Entwicklern wohlbekannt sein.

<P>So staunte mancher Ex-Mitarbeiter in Oberpfaffenhofen, als die ersten Bilder des "Dreamliners" 7E7 von Boeing auftauchten. Das Flugzeug, mit dem der US-Hersteller den Anschluss an Airbus zurückgewinnen will, soll extrem sparsam sein. Ein Grund für die hohe Effizienz sind ungewöhnliche Flügelspitzen.<BR><BR>Diese laufen nicht glatt aus wie allgemein üblich. Sie haben auch nicht die verbreiteten kleinen "Winglets" genannten senkrechten Flossen, die die Flugeigenschaften verbessern. Eine neue Form der Flügelenden kennzeichnet das Zukunfts-Flugzeug des US-Herstellers: Die Flügelenden sind leicht nach oben gebogen. Sie wirken damit ein wenig wie Haifischflossen.<BR><BR>Daher rührt auch der Name "Super-Shark Winglets". Diesen hat Boeing bislang nicht verwendet. Doch bei Fairchild Dornier war er bekannt. Die Geschäftsflugzeug-Ableitung des fast fertig entwickelten Regionaljets 728 namens "Envoy 7" sollte mit diesen Winglets ausgestattet werden, ebenso die größere Schwester Do 928 Jet. Höheres Abfluggewicht und bessere aerodynamische Eigenschaften versprachen sich die Dornier-Ingenieure davon. Und damit mehr Effizienz.<BR><BR>So wurde für die normale Do 728 eine Reichweite von 4700 Kilometern angegeben. Die Envoy 7 sollte 7400 Kilometer schaffen. Zum Teil lag das an der geringeren Zuladung des Geschäftsflugzeugs und dem damit größeren möglichen Treibstoffvorrat an Bord. Doch der Rest geht aufs Konto der verbesserten aerodynamischen Eigenschaften.<BR><BR>Bislang unerreichte Effizienz hat auch Boeing den Fluggesellschaften für seinen neuen Jet 7E7, der mittlerweile in 787 umbenannt wurde, zugesichert.<BR><BR>Als die chinesische D'Long-Gruppe das Programm übernommen hatte, war immer wieder von Besuchen hochrangiger Boeing-Delegationen in Oberpfaffenhofen die Rede. Doch auch schon vorher war es nicht schwer, an Geschäftsgeheimnisse des Regionalflugzeugbauers zu kommen. Bereitwillig öffnete nach der Pleite von Fairchild-Dornier der Insolvenzverwalter Eberhard Braun allen potenziellen Kaufinteressenten die Türen. Davon machte unter anderem der kanadische Dornier-Konkurrent Bombardier Gebrauch. Lediglich die EADS zeigte Dornier unbesehen die kalte Schulter. Deren Tochter Airbus hat für ihre neue A350 als Antwort auf Boeings 787 ganz normale Winglets vorgesehen.<BR><BR>Doch eine Art Ausverkauf von Fähigkeiten hat bereits vor der Pleite stattgefunden. So zog das Management von Fairchild, das angetreten war, um Dornier zu retten, zahlreiche Vermögenswerte aus Oberpfaffenhofen ab. So landete unter anderem die Tragflächen-Produktion für die Do 328 in San-Antonio (Texas), wo sie zügig an ein anderes Unternehmen verkauft wurde. Dies sollte als Zulieferer die Produktion dieser wichtigen Teile übernehmen.<BR><BR>Dabei war die Tragflächenproduktion Kernkompetenz von Dornier und etwas, worauf man in Oberpfaffenhofen seit jeher besonders stolz war. Die innen weitgehend hohlen Flügel wurden aus riesigen Vollmetall-Teilen aufwendig gefräst - um geringes Gewicht mit hoher Verwindungssteifigkeit ideal zu verbinden. Den weniger anspruchsvollen 328-Rumpf ließ der Hersteller, der für Airbus im Auftrag Rumpfteile baute, von Anfang an als Auftragsarbeit in Italien fertigen.</P>

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