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Börse Frankfurt – Aktien, Kurse und Geschichte

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Der Handelssaal der Börse in Frankfurt
Der Handelssaal der Börse in Frankfurt © Boris Roessler / dpa

Mit der Einrichtung von Börsen erhielten Privatanleger die Möglichkeit, in die Aktivitäten von Unternehmen zu investieren – und von deren Erfolgen zu profitieren. Die Ursprünge der Börse Frankfurt reichen von den einheitlichen Wechselkursen einiger Kaufleute bis zum heutigen digitalisierten Handel über die elektronische Plattform Xetra.

Frankfurt am Main – Die Bundesrepublik verfügt über mehr als einen Handelsplatz: In Berlin, Hamburg, Stuttgart und München gibt es ebenfalls Börsen. Die Börse Frankfurt ist allerdings nicht nur die älteste, sondern auch die größte deutsche Börse und dominiert besonders den Wertpapierhandel für private Anleger.

Börse Frankfurt: Lange und wechselvolle Geschichte

Der Börsenhandel erwuchs aus dem Finanzierungsbedarf wachsender Handelsgesellschaften – erstmals in Brügge. Mutmaßlich aus dem Namen einer Kaufmannsfamilie, den Van der Beurze, entstand die Bezeichnung für Zusammenkünfte, deren Teilnehmer übereinkamen, Güter und Gelder auszutauschen. Die „Börse“ Frankfurt kann, mit oder ohne die Van ter Beurze, ihren Namen auf das griechische und lateinische Wort für einen (ledernen Geld-)Beutel zurückführen.

In Frankfurt am Main klingelte das Börsenglöckchen erstmals 1858, wenn auch in bescheidener Form. Da die Kleinstaaten Europas fast alle eigenen Münzen schlugen, war es weder für Privatpersonen noch für Händler leicht, die Wechselkurse korrekt abzuschätzen. In der schon damals für ihre Messe bekannten Stadt am Main einigte sich eine Gruppe von Kaufleuten auf einheitliche Wechselkurse. Der älteste Frankfurter Kurszettel führt 16 verschiedene lokale Münzen auf und listet deren Kurse, knapp 40 Jahre, nachdem der Devisenhandel mit einer ersten Börsenordnung einen formalen Rahmen erhielt.

Börse Frankfurt: Aktien seit 1820 im Handel

Die Aktie, eine Form der Investition, bei der private Anleger mit ihrem Kapital einen Anteil an einem Unternehmen erwerben, ist älter als die Börse selbst. Schon im 13. Jahrhundert wurde die älteste Aktie der Welt emittiert – die Stora Enso in Schweden nahm über diesen Weg Fremdkapital zur Erschließung eines Kupfervorkommens auf. Bis der Aktienhandel in Frankfurt Fahrt aufnahm, vergingen nochmals fast 100 Jahre nach der Niederschrift des ältesten Kurszettels.

Erst 1820 begann die Börse Frankfurt, auch den Wertpapierhandel anzubieten, der erste handelbare Anteilsschein war eine Aktie der Österreichischen Nationalbank. Mit der Industriellen Revolution im 19. Jahrhundert wuchs die Nachfrage nach Aktien als Instrument der privatwirtschaftlichen Integration. Daher erhielt die Frankfurter Börse 1843 eine erste angemessene architektonische Form und wurde 1879 um die Neue Börse nah dem Hauptbahnhof erweitert. Die noch heute stehende Neue Börse demonstriert die Bedeutung des Finanzstandorts Frankfurt und wurde rasch zu einem Zentrum vor allem des Aktienhandels.

Börse Frankfurt: Neuer Schwung mit dem Wirtschaftswunder

Das 20. Jahrhundert brachte für die Börse Frankfurt zunächst große Herausforderungen mit sich. Während des Ersten Weltkriegs stießen die Anleger ausländische Investitionen ab, was für den Handelsplatz mit Kriegsende eine Isolation bedeutete. Zugleich brachte die Nachkriegszeit eine bisher beispiellose Inflation mit sich. Der Handel mit Aktien wurde durch die Unwägbarkeit von Geldwerten erst recht attraktiv, die zunächst enorm steigenden Kurse fielen jedoch am sogenannten Schwarzen Freitag, dem 25. Oktober 1929, ins Bodenlose und lösten damit die Weltwirtschaftskrise aus.

Vom ökonomischen Wiedererstarken Deutschlands unter den Nationalsozialisten hatte der Handelsplatz mit Sitz in Frankfurt zunächst nichts. Spekulative Geldgeschäfte wurden missbilligt, die Bürger sollten, wenn überhaupt, dann in die Rüstung investieren. Auf die Füße kam die Börse dann auch erst wieder nach dem Ende des Krieges und der Währungsreform, während der Wirtschaftswunderjahre der jungen Republik. Heute ist die Frankfurter Börse das deutsche Zentrum des Wertpapierhandels und wickelt rund 90 Prozent des Handelsvolumens ab. Die nach Marktkapitalisierung führenden Unternehmen der Bundesrepublik werden über den Träger der Börse Frankfurt, die Deutsche Börse AG, im Leitindex DAX zusammengefasst. Der lange Zeit auf 30 Werte limitierte Index wird ab September 2021 auf 40 Aktien erweitert und soll so die deutsche Wirtschaft des 21. Jahrhunderts besser und realistischer abbilden.

Börse Frankfurt: Träger, Leistungen, Regulierung

Eine Börse dient der Abwicklung von Käufen und Verkäufen von Finanzinstrumenten, darunter Unternehmensanteile wie Aktien, aber auch Anleihen des Staats oder privatwirtschaftlicher Unternehmen. Zudem werden strukturierte Produkte wie Zertifikate oder Rohstoffe an Börsen gehandelt, Letztere jedoch in der Regel an spezialisierten Handelsplätzen. Die Börse schafft ein Regelwerk, das nachvollziehbare Bepreisung der gelisteten Titel ermöglicht und so eine sichere, regulierte Handelsumgebung schafft.

Ist ein Titel erst einmal im Handel, sorgen die Gesetze von Angebot und Nachfrage für die Kursgestaltung. Die Börse dient beim Handel als Medium für die Abwicklung und erhält im Gegenzug eine Vergütung für die ausgeführten Transaktionen. Sie ist also Handelsplatz, Handelssystem und Regelwerk in einem. Träger der Frankfurter Börse ist die Deutsche Börse AG, zusammen mit der Frankfurter Zertifikatebörse. Beide Unternehmen entwickeln und betreiben auf privatwirtschaftlicher Basis Handelssysteme.

Um faire Konditionen und transparente Geschäftsprozesse sicherzustellen, unterliegt auch die Börse Frankfurt der Regulierung. Die Aufsicht übernehmen zusammen:

Börse Frankfurt: So kommen Kurse zustande

Die Hauptfunktion der Börse Frankfurt – ebenso wie anderer Börsen oder elektronischer Handelssysteme – ist die zuverlässige Kursstellung in Echtzeit. Diese entstehen durch die Nachfrage der Händler beziehungsweise Anleger gegenüber den angebotenen Titeln. Übersteigt die Nachfrage das Angebot, verteuern sich die betreffenden Finanzinstrumente. Ist die Nachfrage gering, entsteht ein Überangebot und die Kurse fallen.

Die „Gesetze des Marktes“ sind jedoch nicht so rational, wie man zunächst glauben würde, denn an der Börse werden nicht einfach Aktien und andere Wertpapiere gehandelt, sondern in erster Linie Hoffnungen. Damit sich eine Investition, also der Kauf eines Werts, überhaupt lohnt, muss er günstig gekauft und zu einem höheren Kurs wieder verkauft werden. Anleger und Börsenhändler agieren also auf der Grundlage ihrer Analyse und in der Hoffnung, dass ein bestimmter Kurs steigen wird.

Die Kursstellung erfolgte in der Vergangenheit durch manuelle Arbeit. Die Börse Frankfurt begann jedoch schon 1969 mit der Implementierung elektronischer Systeme, heute ist die Kursstellung vollständig digitalisiert. Der sogenannte Parkett- oder Präsenzhandel, bei dem Börsenmakler Transaktionen überwiegend durch Zurufe abwickelten, gehört der Vergangenheit an. Daher unterhält die Börse Frankfurt neben ihrem Handelssystem für private Anleger mit der elektronischen Plattform Xetra seit 1997 einen Handelsplatz für Großhandelskunden.

Börse Frankfurt: Handelszeiten

Der Handel mit Wertpapieren an der Börse Frankfurt findet trotz der Digitalisierung weiterhin zu festgelegten Handelszeiten statt – also nicht rund um die Uhr und nicht am Wochenende. Von Montag bis Freitag finden Transaktionen statt

Die Handelszeiten der elektronischen Plattform Xetra sind börsentäglich von 9:00 bis 17:30 Uhr, hier findet ab 8:50 Uhr bereits eine sogenannte vorbörsliche Auktion statt, nach Handelsschluss eine weitere, nachbörsliche Auktion. Alle Angaben beziehen sich auf die Mitteleuropäische Zeit (MEZ). Die Handelsaktivitäten bleiben während des Börsentags jedoch nicht gleich. Bemerkbar macht sich beispielsweise am frühen Nachmittag der graduelle Eintritt der US-amerikanischen Börsen in den weltweiten Handel, in den frühen Morgenstunden beeinflussen Aktivitäten im asiatisch-pazifischen Raum die Kurse.

Börse Frankfurt: Zentrale eines internationalen Finanzdienstleisters

Was mit der Kursabsprache einiger Kaufleute begann, hat sich ab dem Ende des 20. Jahrhunderts zu einem auf internationaler Ebene bekannten und bedeutenden Zentrum für den Wertpapierhandel entwickelt. Darüber hinaus ist die Börse Frankfurt untrennbar verbunden mit ihrem Träger, der Deutschen Börse AG. Das Unternehmen ist weit mehr als nur der Betreiber eines Handelsplatzes. Stattdessen kann man die Deutsche Börse AG als integrierten Finanzdienstleister mit einem umfangreichen Portfolio an Leistungen bezeichnen, mit einem Schwerpunkt auf der Entwicklung von Handelssystemen.

Von weitreichender Bedeutung ist das bekannte Tochterunternehmen Clearstream International, ein führender Dienstleister bei der Ausführung von Wertpapiertransaktionen an deutschen, europäischen und internationalen Handelsplätzen.

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