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Die Börse hat ihren Preis: Warum so viele Neuemissionen scheitern

- Frankfurt - Investoren und Anleger sind bei deutschen Börsengängen in diesem Jahr äußerst wählerisch und lassen sich nur bei erstklassigen Kandidaten zur Zeichnung der Aktien locken. "Dass 2004 bisher von fünf möglichen deutschen Emissionen drei geplatzt sind, lag teilweise an der Qualität der Kandidaten und auch an überzogenen Preisvorstellungen", betont ein Analyst einer britischen Großbank. Gesucht seien erstklassige und günstige Kandidaten.

<P>Erst am Mittwoch hatte die Autowerkstattkette Auto-Teile-Unger (ATU) die ursprünglich für Mitte Juni angestrebte Emission "wegen der schwierigen Marktbedingungen" verschoben. Zuvor waren im März bereits die Börsengänge der Halbleiterunternehmen Siltronic und X-Fab geplatzt.<BR><BR>Die Hoffnungen der Finanzbranche richten sich nun auf den für 21. Juni angekündigten Börsengang der Postbank und den Logistikkonzern Hapag-Lloyd, der im Herbst an die Börse strebt. "Beides sind große und erfolgreiche Unternehmen, die auch klar kommunizieren, was sie mit den Erlösen aus dem Börsengang langfristig erreichen wollen", sagte Stefan Steib, Leiter Aktienresearch bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP). </P><P>Sobald der Verdacht entstehe, Unternehmen gingen nur an die Börse, um finanzielle Löcher zu schließen, wendeten sich Investoren ab. "Je größer die Anfangsverluste, desto besser die Zukunftschancen - diese seltsame Annahme der Neuen-Markt-Zeit gilt eben nicht mehr."<BR><BR>Experten betonen, dass die Pläne von ATU, mit den Erlösen aus der Emission vor allem die hohen Schulden abzubauen und die Bilanz zu sanieren, "kein besonders aufregendes Verkaufsargument" waren. Investoren sähen es lieber, wenn Unternehmen die Einnahmen für eine viel versprechende Expansionsstrategie oder für die Entwicklung wettbewerbsfähiger Produkte ausgeben wollten. </P><P>Zudem seien die Preisvorstellungen des Unternehmens für das schwierige Umfeld zu hoch gewesen. Bei den beiden Halbleiterunternehmen Siltronic und X-Fab hätte hingegen die volatile und risikoreiche Branche abgeschreckt. "Bei boomenden Märkten stoßen solche Werte durchaus auf Interesse, aber nicht im derzeitigen Umfeld", betont Steib.<BR><BR>Daher sei es keine Überraschung, dass 2004 in Deutschland bisher nur der ostdeutsche Fahrradbauer Mifa und der Geldautomaten-Hersteller Wincor Nixdorf den Sprung aufs Börsenparkett geschafft hätten. "Da versteht jeder das Geschäftsmodell", kommentierte ein Frankfurter Händler. Zudem hätten beide Unternehmen ihre Aktien am Ende zu vernünftigen Preisen angeboten. Vor allem Wincor hatte sich ursprünglich aber wohl mehr Geld erhofft. Die Aktien wurden vor dem Börsengang zu einem Preis zwischen 41 und 50 Euro angeboten, der Emissionspreis lag dann mit 41 Euro am untersten Ende der Spanne.<BR><BR>Steib zufolge werden die Preisvorstellungen nun auch bei den Börsengängen von Postbank und Hapag-Lloyd mitentscheidend sein. "Nur bei einem guten Preis kriegt man die institutionellen Investoren." Diese seien derzeit entscheidend, denn Kleinanleger würden wohl erst wieder nach mehreren erfolgreichen Börsengängen in größerem Maße einsteigen.</P>

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