Börsen begrüßen Rettung für US-Baufinanzierer

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Frankfurt/New York (dpa) - Die Börsen haben weltweit euphorisch auf die dramatische Rettungsaktion der US-Regierung für die zwei größten amerikanischen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae und Freddie Mac reagiert.

An den Aktienmärkten waren am Montag vor allem Bankentitel gefragt. Die am Sonntag verkündete staatliche Übernahme der Kontrolle der zwei schwer angeschlagenen US-Institute werteten Anleger als wichtigen Schritt zur Lösung der Kreditkrise. Das bedeute aber noch längst kein Ende der Turbulenzen an den internationalen Finanzmärkten, warnten Experten zugleich.

Der wichtigste deutsche Aktienindex DAX klettert bis zum Mittag um mehr als drei Prozent auf rund 6325 Punkte. Ähnlich kräftig stieg der FTSE-100 in London. Auch für die später öffnenden US-Börsen deuteten die Prognosen auf Gewinne hin. Den Auftakt hatten die asiatischen Märkte von Tokio bis Sydney gemacht. Sie legten im Schnitt um mehr als drei Prozent zu - so stark wie seit Jahresanfang nicht mehr.

Die Hypotheken-Riesen Fannie und Freddie stehen mit einem Volumen von rund fünf Billionen Dollar (rund 3,5 Billionen Euro) hinter etwa jedem zweiten US-Hauskredit. Banken weltweit halten Schuldpapiere der Institute. Wegen ihrer dramatischen Schieflage entschloss sich der Staat zu einer der größten Rettungsaktionen dieser Art in der US- Geschichte. Experten sprechen von einer faktischen Verstaatlichung.

US-Finanzminister Henry Paulson hatte am Sonntag in Washington gesagt, ein Ausfall einer der Banken hätte an den Finanzmärkten weltweit massive Turbulenzen zur Folge gehabt. Für eine Wende auf dem Immobilienmarkt komme Fannie und Freddie überragende Bedeutung zu.

Experten in den USA und Deutschland nannten den Schritt zumeist "das kleinere von zwei Übeln. Ein noch schlimmerer Zusammenbruch von Fannie Mae und Freddie Mac sei nun nahezu auszuschließen, sagte Commerzbank-Volkswirt Ralph Solveen. Einige Fachleute warnten zugleich vor einem "Strohfeuer" für die Börsen und noch längst nicht ausgestandenen Risiken der Kreditkrise. "Wenn wir Mitte kommenden Jahres Licht am Ende des Tunnels sehen, dann sind wir noch gut bedient", sagte der Bankenexperte der Universität Köln, Professor Thomas Hartmann-Wendels, der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX.

Völlig offen ist noch, wie teuer für den US-Steuerzahler die Aktion wird, die einer Art Insolvenzverwaltung mit staatlichem Einspringen gleicht. Auch das endgültige Schicksal der Institute ist ungeklärt. Sie sollen ihr Geschäft zunächst drastisch herunterfahren. Über die weitere Zukunft müssen voraussichtlich der Kongress und die nach der Wahl neue US-Regierung entscheiden.

Die einst vom Staat ins Leben gerufenen Institute sollten den Hauskauf für möglichst viele US-Bürger erleichtern. Sie stiegen zwar relativ spät, dann aber stark ins Geschäft mit immer weniger besicherten Hypotheken ein. Seit Beginn der Kreditkrise vor über einem Jahr kann eine Rekordzahl von Hausbesitzern ihre Kredite nicht mehr bedienen, die Hauspreise brachen vielerorts zusammen, zahlreiche Häuser mussten zwangsverkauft werden. Banken mussten aufgeben.

Der Staat hält Fannie und Freddie nun vorerst mit mehreren enormen Finanzspritzen am Leben und gewinnt damit Zeit. So versprach Paulson den Kauf von Vorzugsaktien für jeweils bis zu 100 Milliarden Dollar sowie kurzfristige Kredite. Der Staat erwirbt zudem Schuldpapiere der beiden Finanzierer. Die bisherigen Unternehmenschefs werden durch von den Behörden eingesetzte Verwalter ersetzt.

Für normale Aktionäre der Institute wird allerdings die Dividende ausgesetzt. Sie mussten wegen der Krise bereits Kursverluste von rund 90 Prozent hinnehmen. Da ihr Anteil und Einfluss durch die quasi staatliche Übernahme drastisch fällt war der Kurs am Montag weiter steil auf Talfahrt. Ratingagenturen senkten zugleich ihre Einstufungen für die Titel.

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